Stolperfallen auf der Flaniermeile von Port d´Andratx

Die doch eigentlich so edle Hafenpromenade vergammelt zusehends. Das Rathaus tut, was es kann, ist aber gar nicht zuständig

15.05.2013 | 19:27
Hier muss was passieren: Llorenç Suau in Port d´Andratx
Hier muss was passieren: Llorenç Suau in Port d´Andratx

Für das deutsche Urlauberpaar, das sich auf einer Bank am Hafen in Port d´Andratx seine Brotzeit schmecken lässt und dabei die warmen Sonnenstrahlen und den Blick aufs Meer genießt, ist die Welt in Ordnung. Nicht so für Llorenç Suau (Volkspartei PP). Der Bürgermeister von Andratx bekommt mit jedem Schritt, den er an der Hafenpromenade entlangläuft, schlechtere Laune.

Hier eine abgebrochene Straßen­laterne, deren übrig gebliebener Stumpf mit Folie abgeklebt ist. Da ein verrosteter und überquellender Abfalleimer. Dort der Spielplatz, dessen zerfledderte Bodenplatten und verwahrloste Geräte für die Kinder mehr Gefahr als Vergnügen darstellen. Von dem kaum mehr als Kunstwerk zu erkennenden Gebilde, das eigentlich inmitten eines Springbrunnens stehen sollte, der längst versiegt ist, ganz zu schweigen. „Hier passieren pro Jahr drei oder vier Unfälle, weil Leute dagegenlaufen", empört sich der Rathauschef.

10.000 Euro wolle er deshalb noch in diesem Jahr in die Hand nehmen, um den Brunnen reparieren und zugleich eine mindestens kniehohe Einfassung anbringen zu lassen, erklärt Suau. „Das hier ist schließlich Port d´Andratx. Da soll doch alles tipptopp aussehen, wenn die Touristen kommen." Und natürlich auch für die Einheimischen, schiebt er schnell hinterher. Den neuen Bodenbelag für den Spielplatz lasse sich die Gemeinde weitere 22.000 Euro kosten. Rund 10.000 Euro kämen für Schnitt und Pflege der teils recht zerzausten Palmen hinzu. Und im Vorjahr habe man bereits 5.000 Euro für die Erneuerung der Müllcontainer ausgegeben.

Dabei wäre für all diese Instandhaltungsarbeiten eigentlich Ports IB zuständig, die balearische Hafen­behörde, der die kleineren Häfen der Insel unterstehen. In ihren Zuständig­keitsbereich fallen neben dem Hafenbecken auch die ersten Meter an Land samt Promenade, Palmenhain und Gehsteig, im Ortskern von Port d´Andratx sogar die ganze Fläche bis zur ersten Häuserreihe. Mit dem schlichten Verweis auf leere Kassen habe Ports IB in den vergangenen zwei Jahren aber keine einzige Investition getätigt, schimpft Suau.

Dabei zahlten der Segelclub „Club de Vela", der mit Abstand den größten Teil des Hafenbereichs einnimmt, aber auch alle Bars und Lokale mit Außenbewirtschaftung an der Promenade jährliche Abgaben in Höhe von mehr als einer Million Euro an Ports. „Zurückbekommen haben wir in letzter Zeit keinen einzigen Cent." Da hätten auch all die Treffen mit dem Leiter der Hafenbehörde, Daniel Ramis, eine Beschwerde im übergeordneten Tourismus­ministerium und nicht einmal das Vorsprechen bei Balearen-Premier José Ramón Bauzá etwas genutzt.

Dass Ramis inzwischen entlassen wurde und andere Hafenorte wie Port de Pollença oder Port de Sóller mit denselben Problemen zu kämpfen haben, helfe ihm nur bedingt weiter, klagt Suau. Ihm sei deshalb keine andere Wahl geblieben, als selbst aktiv zu werden – um zu verhindern, dass das Nobel-Image des Hafens Schaden nimmt. „Zum Glück stehen wir finanziell gut da." Bei üppigen Grundsteuereinnahmen und drei Millionen Haushaltsüberschuss im Vorjahr könne die Gemeinde die 50.000 Euro für die Aufhübschung der Promenade locker stemmen.

Doch das sei ja keine Dauerlösung. Langfristig liebäugelt Llorenç Suau deshalb mit einer Neuregelung der Zuständigkeiten im Hafenbereich: „Aus unserer Sicht wäre es am sinnvollsten, wenn künftig die Gemeinde für die Promenade verantwortlich wäre und Ports nur noch die Hoheit über das Wasser hätte." Dann müsste das Rathaus in Zukunft vollständig für deren Unterhalt aufkommen. Im Gegenzug bekäme man aber auch die Abgaben der Lokale an der Promenade und des Segelclubs, erklärt der Bürgermeister.

Damit läge es nicht nur in seiner Macht, dass dort alles hübsch und ansprechend aussieht. Die Gemeinde könne dann auch entscheiden, ob an der Promenade Parkplätze oder Tische und Stühle der Restaurants Vorrang bekommen sollen – ein anderes leidiges Thema, das in ­
Port d´Andratx seit Jahren für Zündstoff sorgt.

Während Ports IB ­bereits in diesem Sommer an der kompletten Meeresfront vom ­„Club de Vela" bis zum Restaurant Rocamar Parkgebühren einführen will, würde Llorenç Suau die Stellplätze am liebsten ganz entfernen – natürlich erst, nachdem anderswo Ersatz geschaffen wurde. Man will es sich mit den Anwohnern schließlich nicht verscherzen. Wie das genau aussehen könnte, will ­Suau in einem Masterplan ausarbeiten lassen, dessen großes Ziel eine verkehrsberuhigte Promenade wäre, in der zumindest abends keine Autos mehr fahren.

Sofern der Anlieferverkehr weiterhin zulässig ist, hätte er die Gastronomen dabei sofort auf seiner Seite. „Das ist seit Jahren unser Wunsch", sagt Vicky Coniglio, die Inhaberin des Restaurants Nisos, die dann ihre Terrasse zum Meer hin erweitern könnte. „Der Ort wäre doch viel attraktiver, wenn alle Lokale an der Promenade eine Terrasse hätten," sagt sie. Und obendrein wäre es gerechter, meint Catalina Bonet, Chefin des Restaurants „El coche": „Warum dürfen die da vorne das und wir nicht?", fragt sie und zeigt in Richtung des Cafés Cappuccino, das bereits über eine große Terrasse direkt am Wasser verfügt. Die Urlauber kämen schließlich, um in der Sonne zu sitzen, nicht im Schatten. Bürgermeister Suau ist zudem davon überzeugt, dass mehr Tische und Stühle im Freien mehr Personal erforderlich machen und somit neue Jobs entstehen könnten.

Überhaupt hätte es in seinen Augen nur Vorteile, wenn endlich die Gemeinde über das Gelände an der Promenade verfügen dürfte. Dann müsste auch nicht mehr eigens eine Müllabfuhr aus Palma nach Port d´Andratx kommen, um ein halbes Dutzend Container zu leeren, für die die Hafenbehörde und nicht die Kommune zuständig ist. „Das kostet doch nur unnötig Steuergelder." Doch leider hält Ports IB von ­Suaus Ideen gar nichts. „Es gibt keinerlei Intention, an der momentanen Regelung etwas zu ändern", erklärte eine Sprecherin auf Nachfrage.

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