Vom Gericht ins Gefängnis: Munar bereits hinter Gittern

Laut dem inzwischen zweiten Urteil hat sich die früher mächtigste Frau der Insel im Fall Can Domenge des Betrugs schuldig gemacht

25.07.2013 | 09:01
Munar am Mittwochmorgen
Munar am Mittwochmorgen

Das balearische Oberlandesgericht auf Mallorca hat die sofortige Einweisung der früheren Inselratspräsidentin Maria Antònia Munar ins Gefängnis angeordnet. Nach dem zweiten Urteil wegen Korruption, das gegen die früher mächtigste Politikerin auf Mallorca am Dienstag (23.7.) ergangen war, wurde Munar noch am Mittwoch ins Gefängnis gebracht. Eine Freilassung auf Kaution ist nicht möglich.

Die Entscheidung fiel auf Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Richter entschieden, dass Fluchtgefahr bestehe und Munar über Vermögen im Ausland verfügen könnte, auf das sie Zugriff hat. Die Verteidigung hatte vergeblich angeführt, dass Munar unter anderem gesundheitlich angeschlagen sei.

Die Richter des balearischen Oberlandesgerichts sahen es laut dem Urteil vom Dienstag (23.7.) als erwiesen an, dass sich die früher mächtigste Politikerin auf Mallorca bei der Ausschreibung der Luxussiedlung Can Domenge unter anderem des Betrugs schuldig gemacht hat. Der frühere Inselratsvize, Miquel Nadal, wird zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Der Unternehmer Román Sanahuja wird wegen Bestechung mit einem Jahr Gefängnis belegt.

In dem Fall Can Domenge geht es um die öffentliche Ausschreibung für den Bau einer gleichnamigen Luxussiedlung in Palma, die manipuliert worden sein soll. So erhielt die Firma Sacresa den Zuschlag für das Projekt, sie hatte 30 Millionen Euro geboten - nur halb so viel wie ein weiterer Bewerber. Vicens sagte aus, dass die Firma 4 Millionen Euro Schmiergeld gezahlt habe. Davon hätten er, Munar sowie der ebenfalls angeklagte frühere Inselrats-Vize Miquel Nadal jeweils 600.000 Euro erhalten. Der Rest des Geldes sei in die Parteikasse der UM geflossen und sei direkt von Munar, der langjährigen Vorsitzenden, verwaltet worden.

Munar war bereits im Juli vergangenen Jahres in einem ersten Korruptionsprozess unter anderem wegen Veruntreuung von Steuergeldern und Amtsmissbrauch zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Die Ex-Politikerin, die lange Jahre Vorsitzende der inzwischen aufgelösten regionalistischen Unió Mallorquina war, wurde für schuldig befunden, in den Jahren 2004 und 2005 zwei ihrer Partei nahestehenden Firmen illegalerweise je 120.000 Euro öffentlicher Gelder zukommen haben zu lassen.

Munar war zwölf Jahre lang Inselratspräsidentin unter den Balearen-Premiers Jaume Matas (Partido Popular) und Francesc Antich (Sozialisten) und zeitweise Parlamentspräsidentin.

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |