Schulstreik auf Mallorca: Landesregierung bleibt hart

Während der Arbeitskampf der Lehrer andauert, bittet Balearen-Premier Bauzá im Parlament um Respekt gegenüber der Mehrheit, die an den Urnen für das Sprachkonzept - mehr Spanisch, weniger Katalanisch - der PP gestimmt hat

19.09.2013 | 15:27
Schulstreik auf Mallorca: Landesregierung bleibt hart
Schulstreik auf Mallorca: Landesregierung bleibt hart
Schulstreik auf Mallorca: Landesregierung bleibt hart
Schulstreik auf Mallorca: Landesregierung bleibt hart

Auch am zweiten Tag des Schulstreiks auf Mallorca blieben die Klassenzimmer weitgehend leer. Nach Angaben des Bildungsministeriums lag die Streikbeteiligung an den öffentlichen und halböffentlichen Schulen der Inseln am Dienstag (17.9.) bei rund 21 Prozent. Am ersten Tag hatten der Behörde zufolge etwas mehr Lehrer die Arbeit niedergelegt, während die Gewerkschaften gar von einer Streikteilnahme von über 90 Prozent sprachen. Zudem hatten am Montag (16.9.) mehr als 4.000 Personen vor dem Regierungssitz Consolat de Mar in Palma gegen die Bildungspolitik und die Einführung des sogenannten Drei-Sprachen-Modells demonstriert.

Eltern, Schüler und Lehrer forderten bei der Kundgebung den Rücktritt des balearischen Ministerpräsidenten José Ramón Bauzá (Volkspartei, PP) und den Stopp des Gesetzes über den integrierten Sprachunterricht (TIL), das zum neuen Schuljahr umgesetzt werden soll. Bauzá forderte von den Streik-Unterstützern indes am Dienstag im Parlament "Respekt gegenüber der Mehrheit", die im Mai 2011 an den Urnen für die PP und ihr Sprachkonzept gestimmt hatte. Ziel seiner Bildungspolitik sei es, gegen das Schulversagen anzukämpfen und ein Unterrichtsmodell einzuführen, bei dem Englisch, Spanisch und die Inselsprache Katalanisch zu gleichen Teilen Beachtung finden.

Unter Beschuss geriet in der ersten Plenumssitzung nach der Sommerpause auch Bildungsministerin Joana Maria Camps, die allerdings den ganzen Aufruhr gar nicht verstand: "Das Schuljahr hat ganz normal angefangen, mit Ausnahme des Lehrerstreiks", sagte sie. Die Aufforderung aus dem sozialistischen Lager, ihr Amt niederzulegen, wies sie mit den Worten zurück: "Meinen Rückritt fordert entweder der Premier, oder die Wähler entscheiden darüber an den Urnen."

Video: So ging es bei der Demo vor dem Regierungssitz zu

Zu dem Streik sind balearenweit rund 15.000 Lehrer aufgerufen. Die Gewerkschaften fordern die Zurücknahme des TIL, wonach der Unterricht ab diesem Schuljahr zu gleichen Teilen auf Katalanisch, Spanisch und Englisch erfolgen soll. Der Streit um das Sprachenmodell war in den vergangenen Wochen eskaliert, nachdem der Oberste Gerichtshof der Balearen in Folge einer Klage der Gewerkschaften die Einführung per einstweiliger Verfügung gestoppt hatte. Die Landesregierung verabschiedete jedoch daraufhin ein Eilgesetz, so dass wie geplant mit dem dreisprachigen Unterricht begonnen werden soll.

Ohne Erfolg hatte Bildungsministerin Joana Maria Camps in den vergangenen Wochen versucht, den Streik abzuwenden, etwa mit einem 16-zeiligen Papier, das als Basis für weitere Verhandlungen dienen sollte. Es enthielt allerdings lediglich minimale Zugeständnisse, etwa was die Arbeitsbedingungen und die Evaluation des neu eingeführten Drei-Sprachen-Modells betrifft. Am Modell selbst soll aber nichts geändert werden, ebenso wenig wie an der Suspendierung dreier menorquinischen Schulleiter, die das Modell nicht umsetzen wollten.

Umfrage: Ist der Streik berechtigt?

Zum neuen Schuljahr sollen zunächst 36.000 Schüler der Grundschule und der Sekundarstufe nach dem neuen Modell unterrichtet werden. Bislang findet der Unterricht an den öffentlichen Schulen zum Großteil auf Katalanisch statt. Vollständig eingeführt werden soll das neue Modell bis zum Schuljahr 2017-18.

Forum: Mehr Englisch, weniger Katalanisch?

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