Erste Reaktionen nach Großdemo gegen Drei-Sprachen-Modell

Vizepremier: 100.000 Demonstranten spiegeln nicht die "Gefühlslage im Volk" wider – neue Verhandlungsrunde zwischen Bildungsministerium, Gewerkschaften und Lehrer – Schulstreik geht weiter

02.10.2013 | 11:20

Die Großdemonstration, bei der am Sonntag (29.9.) in Palma rund 100.000 Menschen gegen die Bildungspolitik der Balearenregierung und die Einführung des Drei-Sprachen-Modells an den öffentlichen Schulen protestierten, hat zu ersten Reaktionen geführt. "Wir hören zu und nehmen die Demonstration zur Kenntnis", erklärte Mabel Cabrer, Sprecherin der PP-Fraktion im Balearenparlament.

Der beste Beweis dafür, dass die Regierung die "Zeichen der Straße" wahrnehme, sei, dass die Verhandlungen zwischen Politik sowie Gewerkschafts- und Lehrervertretern am Montag (30.9.) fortgesetzt worden seien. Zudem habe man bereits Zugestädnisse an Gewerkschaften und Lehrer, die den unbefristeten Streik an den Schulen weiter aufrecht erhalten, gemacht. Die Umsetzung des Drei-Sprachen-Modells TIL etwa soll in der ersten Klasse der weiterführenden Schulen lediglich auf freiwilliger Basis erfolgen.

Vizepremier Antoni Gómez erklärte indes, dass die 100.000 Demonstranten nicht "die Gefühlslage im Volk" widerspiegelten. Schließlich seien nur sieben Prozent der Bevölkerung auf die Straße gegangen, während bei den vergangenen Wahlen 18 Prozent für die PP gestimmt hätten. Die Landesregierung werde deshalb, was die Einführung des TIL (tratamiento integrado de lenguas) angehe, "keinen Schritt zurück machen".

Während bei der Delegation der Zentralregierung von rund 70.000 Teilnehmern die Rede ist, sprechen die Gewerkschaften von mehr als 100.000 Personen. Medienberichten zufolge handelt es sich beim Protestmarsch der "marea verde" (grüne Flut) sogar um die größte Demonstration in der Geschichte Mallorcas. Die ersten Demonstranten waren bereits um 16 Uhr auf der Plaça d'Espanya eingetroffen. Wegen der großen Menschenmenge begann der Protestzug gegen 17.30 Uhr, rund eine halbe Stunde früher als geplant. Der Innenstadtring sowie weitere Straßen und Plätze waren zu diesem Zeitpunkt bereits überfüllt. Für Teilnehmer aus den Dörfern waren rund 180 Busse gechartert worden.

Angeführt wurde der Zug nicht von Gewerkschaftsführern, sondern Personen, die die gesamte Gesellschaft widerspiegeln sollen. Aufgerufen hatten zu der Demonstration Lehrer-Gewerkschaften und Elternvereinigungen, aber auch Vertretungen von Schülern sowie Katalanisch-Lobbyisten. Der Marsch führte von der Plaça d'Espanya über den Innenstadtring (Avenidas), den Paseo Mallorca und den Borne bis zur Plaça de la Reina. Erkennungszeichen der Demonstranten waren grüne T-Shirts, von denen bislang rund 30.000 Exemplare verkauft worden sind.

Bei den Teilnehmern handelte es sich fast ausschließlich um Mallorquiner, es waren aber auch einige Plakate auf Englisch zu lesen, so zum Beispiel "Think in Green", "Sorry I voted PP" oder "Bauzá go home" in Anspielung auf den balearischen Ministerpräsidenten José Ramón Bauzá (Volkspartei, PP). Zeitgleich versammelten sich rund 3.000 Demonstranten in Barcelona, um sich mit den Teilnehmern in Palma solidarisch zu erklären. Weitere Kundgebungen fanden auf den Nachbarinseln Menorca und Ibiza statt.

Der Protestzug ist der vorläufige Höhepunkt des Konflikts um das Drei-Sprachen-Modell. So befinden sich die Lehrer an den öffentlichen Schulen seit zwei Wochen im Streik. Zwar hat die Landesregierung bei den Verhandlungen inzwischen erste Zugeständnisse gemacht, eine Einigung ist allerdings bislang nicht in Sicht. Nun fordern die Gewerkschaften angesichts der Streikbeteiligung deutliche Zugeständnisse des Bildungsministeriums.

Hintergrund: Warum der Dialog kaum möglich ist

Das Drei-Sprachen-Modell sieht vor, dass der Unterricht an den öffentlichen Schulen auf den Balearen zu gleichen Teilen auf Spanisch, Katalanisch und Englisch gegeben wird. Bislang ist ein Anteil von mindestens 50 Prozent Katalanisch vorgeschrieben. Die Lehrer kritisieren, dass die Umsetzung in der kurzen Zeit nicht möglich sei und dass die Inselsprache Katalanisch zurückgedrängt werde.

Nachdem das Balearenparlament das Schnellgesetz zur Einführung des Drei-Sprachen-Modells am Dienstag vergangener Woche (24.9.) abgesegnet hatte, erklärte es am Mittwoch auch der Oberste Gerichtshof der Balearen für rechtmäßig. Die sozialistische Partei will allerdings nun vor dem spanischen Verfassungsgericht klagen. Zahlreiche Bürgermeister sowie bekannte Persönlichkeiten haben sich inzwischen in den Streit eingeschalten und fordern eine Einigung, um den Streik der Lehrer zu beenden.

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