Getrübte Spiellust bei der Weihnachtslotterie

Erstmals greift der Fiskus nach den Millionen-Gewinnen – doch Losverkäufer und Wirte halten das für das geringste Problem

28.11.2013 | 10:27
Verkaufsstelle Nummer eins in Palma: Auch der Papagei kann den Losverkauf nicht ankurbeln
Verkaufsstelle Nummer eins in Palma: Auch der Papagei kann den Losverkauf nicht ankurbeln

Die Glückszahl lautet 34.853. Ein Schild hinter der Theke in der Bar Cristal in Palmas Innenstadt wirbt für die Beteiligungen an der Weihnachtslotterie – doch allzu viele Kunden haben bislang noch keine participaciones gekauft. Noch einmal 30 Prozent weniger Losbeteiligungen als im vergangenen Jahr seien bislang über die Theke gegangen, meint Wirt Tolo Ramis. „Wenn ein Kunde früher zehn participa­ciones gekauft hat, sind es jetzt vielleicht fünf oder sieben."

Die Weihnachtslotterie ist nicht mehr das, was sie einmal war, da sind sich Wirte und Losverkäufer einig. Zwar ist die Lotería de Navidad weiterhin nicht nur die älteste Lotterie der Welt, sondern auch die größte, und die Ziehung der Gewinner am 22. Dezember ein nationales Ereignis. Doch im Zuge der Wirtschaftskrise ist der Verkauf Jahr für Jahr zurückgegangen. Und 2013 muss die Lotterie einen weiteren Schlag verkraften: Die Gewinne sind zum ersten Mal nicht mehr steuerfrei. Fällig werden 20 Prozent, abzüglich eines Freibetrags von 2.500 Euro.

Dass der Zugriff des Finanzamts die Spiellust zusätzlich eintrübt, glaubt jedoch kaum jemand – schuld sei praktisch allein die Krise, sagt Alex Bauzá von der Bar Es Tres Germans. „Schauen Sie sich doch um", sagt der Wirt und zeigt in die leere Gaststube sowie auf die noch nicht verkauften Lose an der Wand hinter ihm.

Dass es schlecht läuft, kann auch der einzige Kunde am Tresen bestätigen: Francisco Roser, Betreiber der staatlichen Lotterie­verkaufsstelle Nummer vier in Palma. Er hat Zahlen parat: Wurden die fünfstelligen Losnummern vor ein paar Jahren noch in 196 Serien ausgegeben, seien es jetzt nur noch 160. Jede Serie hat bis zu 100.000 billetes – Zehner-Tickets zum stolzen Preis von 200 Euro, die allerdings als zehn décimos für je 20 Euro verkauft werden (s. Kasten).

Roser ist seit inzwischen 25 Jahren im Losgeschäft. Seit Ausbruch der Krise sei sein Gewinn auf die Hälfte geschrumpft. Einigen Kunden fehle das Geld, anderen, vor allem den jungen, das Interesse. „Die investieren die 20 Euro lieber in Joints." Dass der diesjährige Werbespot nicht so richtig zündet und stattdessen Parodien im Netz kursieren, passt da ins Bild.

Der Fiskus sei dabei das kleinste Problem – zumal die Hauptgewinner in diesem Jahr nicht weniger Geld erhielten als früher, sagt Roser. So sei der Gordo, wie der Hauptgewinn genannt wird, mit inzwischen 400.000 Euro dotiert, statt wie früher mit 300.000 Euro. Abzüglich 20 Prozent Steuern bleiben also 320.000 Euro – mehr als vorher.

Auch in der Verkaufsstelle Nummer eins an der Blumen-Rambla in Palma – dem neuralgischen Zentrum des Losverkaufs auf Mallorca – hält man die Krise für den alleinigen Grund. „Viele Kunden haben das mit den Steuern noch gar nicht mitbekommen", meint Catalina Valens-Puig, seit inzwischen 50 Jahren im Geschäft. Aber wenn das Geld an allen Ecken fehle, spare man eben auch bei den 20 Euro für den décimo. Dass jede Menge Betrieb am Schalter herrscht, täusche, so die Unternehmerin. Die staatliche Lotterie habe inzwischen viel zu viele Spielarten eingeführt, bei denen oft nur ein Euro gezahlt werde – „viel Arbeit, wenig Umsatz".

Aber noch ist das Spiel nicht zu Ende. Vor allem an den letzten Tagen vor Weihnachten gebe es alle Hände voll zu tun, erklärt Roser. Obwohl der Verkauf schon im Juli beginnt, holten sich die meisten ihre Lose erst auf den letzten Drücker.

Die Regeln: 640 Millionen Euro als Hauptgewinn

Die Lotería de Navidad ist eine Wissenschaft für sich, aber eigentlich nicht kompliziert. Mit die wichtigste Erfolgszutat dürfte sein, dass sich über jeden Gewinn nicht ein Einzelner, sondern gleich ein ganzes Viertel, ein Dorf oder mehrere Regionen freuen können. Denn die fünfstelligen Nummern werden nicht nur in 160 Serien ausgegeben, sondern jedes Los (billete) zudem in Zehntellosen (décimos) verkauft. Und diese wiederum zum Teil in Bars, Geschäften oder beim Friseur in noch kleineren participaciones zum Preis von 3 Euro vertrieben.

In diesem Jahr werden 18 Millionen billetes ausgegeben – das entspricht 3,6 Milliarden Euro, von denen laut staatlicher Lottogesellschaft (LAE) 70 Prozent auch zur Ausschüttung vorgesehen sind (In Deutschland liegt der Anteil gewöhnlich bei 50 Prozent). Allein 640 Millionen Euro stehen für den Gordo bereit, den Hauptgewinn – das entspricht 4 Millionen Euro pro billete, bzw. 400.000 Euro pro décimo. Dahinter folgen segundo (1,25 Millionen Euro pro billete), tercero (500.000 Euro) cuarto (200.000 Euro) und quinto (60.000 Euro).

Die Gewinnzahlen werden am Morgen des 22. Dezember gezogen und genauso wie die Gewinnsummen von Waisenkindern im spanischen Fernsehen vorgesungen. Danach knallen die Sektkorken. Wer nichts gewonnen hat, kann sein Glück kurz darauf bei der Jesuskindlotterie versuchen (Lotería del Niño), die Ziehung findet am 6. Januar statt.


Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 28. November (Nummer 708) lesen Sie außerdem:

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