Pläne für Hafenerweiterung: Flucht nach vorne in Molinar

Der beschauliche Yachthafen in Palma soll auf das Siebenfache seiner Fläche wachsen. Die Betreiber sprechen von einer Überlebensstrategie – und fühlen sich von den Kritikern des Projekts missverstanden

24.12.2013 | 11:04
Pläne für Hafenerweiterung: Flucht nach vorne in Molinar

Wenn Architekt Juan José Lemm jemanden von den Plänen für die Erweiterung des Yachthafens Molinar überzeugen will, bittet er ihn, sich auf die gegenüberliegende Straßenseite der Promenade zu stellen. „Was sehen Sie jetzt?" fragt er. Die Antwort lautet: Clubhaus, Boote, Meer und Horizont. Ist der Hafen erst einmal erweitert, würde die Antwort laut Lemm lauten: Clubhaus, Boote, Meer und Horizont. Die Schlussfolgerung: Für die Optik von Anwohnern und Passanten ändere sich nichts, da der Club nur zur Meerseite hin wachse.

Dafür aber kräftig: Die Fläche würde sich um den Faktor sieben auf 73.000 Quadratmeter vergrößern, die Zahl der Liegeflächen von 75 auf 315 wachsen. Statt dem bisherigen Clubhaus sollen drei neue Gebäude inklusive Laden­lokalen entstehen. Der sich bislang auf Höhe des Clubs verjüngende Boulevard soll verbreitert werden. Gesamtkosten: 14 Millionen Euro.

Was klingt wie ein weiteres Megaprojekt internationaler Investoren, die klotzen statt kleckern, bezeichnet der Vorsitzende des Yachtclubs Rafael Vallespir als Überlebensstrategie, über die man jahrelang nachgedacht habe. „Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, das hier ist eine Flucht nach vorne." Wer ihm zuhört, merkt schnell, dass die Frage um die Zukunft des ältesten balearischen Yachtclubs komplizierter ist, als sie sich anhört. „David, das sind wir", so Vallespir, „wir kämpfen ums Überleben."

Der Club mit seinen rund 220 Mitgliedern hat zwei Probleme. Zum einen wird im Jahr 2018 die Konzession neu vergeben. Zum anderen ist der Hafen in einem erbärmlichen Zustand. Wo andere Präsidenten stolz die Anlagen zeigen würden, lässt Vallespir kein gutes Haar an den Zuständen. „Schauen Sie hier, das haben wir gerade erst verputzt und gestrichen", sagt er und zeigt auf die bröckelnde Fassade. Feuchter Marés-Stein, der nicht mehr zu retten sei. Das Dach, asbestverseucht. Ein Gebäude, das weder unter Denkmalschutz stehe, noch den Originalplänen von 1917 entspreche.

Überhaupt scheint der ganze Hafen eine Fehlkonstruktion zu sein. Die Hafeneinfahrt zeigt ostwärts Richtung Ciutat Jardí, sodass die Wellen so viel Sand und Algen ins Hafenbecken transportieren, dass sich die Wassertiefe in der Mündung auf weniger als einen Meter verringert und fast jedes Jahr ausgebaggert werden muss. „Das ist der einzige Hafen auf Mallorca, in den man zu Fuß hineinspazieren kann", sagt Lemm. Die Hafeneinfahrt werde zudem aufgrund brechender Wellen bei schlechter See schnell zur Mausefalle – ein Sicherheitsproblem, gerade für Segelschüler, das ohne einen kompletten Umbau des Hafens nicht in den Griff zu bekommen sei.

Dafür braucht es aber Geld, und damit ist Vallespir beim zweiten großen Problem. Der Club habe ohne den Ausbau keine Chance, bei der Neuvergabe der Konzession 2019 gegen internationale Großunternehmen zu punkten. Weder verfüge er über die nötigen finanziellen Sicherheiten, noch erfülle er die Sicherheitsauflagen, die mit der Neuvergabe der Konzession auch für den Molinar-Club gelten.

Der Hafenausbau soll so zum einen die Sicherheitsprobleme lösen – die Hafeneinfahrt würde Richtung Westen verlegt – als auch neue Einnahmen durch den Verkauf der zusätzlichen Liegeplätze erschließen. Und irgendwie würde der Ausbau auch zum Viertel
passen: In der ersten Meereslinie von Palmas In-Viertel kann man fast dabei zuschauen, wie einfache Häuschen hergerichtet oder besser gleich ganz ersetzt werden.

Derzeit wird das Projekt vom spanischen Infrastrukturministerium geprüft, bei dem die Entscheidung liegt. Zwar hat die Clubführung nach zahlreichen Info-­Veranstaltungen die Mitglieder sowie einen Teil der Anwohner auf ihrer Seite. Doch der Umweltschutzverband Gob hat sich mit Denkmalschützern (Arca) und Meeresschützern (Oceana) zusammengetan, um das Projekt zu verhindern. Geplant sind die Sammlung von Unterschriften und das Aufstellen von Info-Tischen.

Gestritten wird zum einen über die Folgen für die Umwelt. So beklagt der Gob, dass durch die Erweiterung des Hafens massiv in die Küstenbeschaffenheit eingegriffen würde. Auch die Cofradía Sant Pere, die Vereinigung der Fischer der Bucht von Palma, warnt vor „verheerenden Folgen" für das Wasser, das sich „auf Jahre" eintrüben werde. Die aufgewirbelten Schwebstoffe schädigten das ökologisch wichtige Neptungras und den Lebensraum der Fische.

„Hier werden Lügen verbreitet", sagt dagegen Architekt Lemm. Der Meeresboden rund um den Club bestünde aus felsigem Untergrund, weshalb weder Sand noch Schlamm bewegt würden. Und Neptungras gebe es keines in dem Gebiet. Auch der Wellengang werde wegen der bestehenden Wellenbrecher aus aufgeschütteten Steinen nicht negativ beeinflusst.

Zum anderen geht es aber auch um den Charakter des Viertels. „El Molinar ist beliebt, weil es seinen Charme bewahrt hat", heißt es beim Gob. Die jetzigen Pläne zerstörten die Optik des früheren Fischerviertels. „Wir glauben, dass die angesichts des beklagenswerten Zustands des Hafens nötigen Investitionen und Eingriffe möglich sind, ohne das traditionelle Aussehen und die Umwelt zu beeinträchtigen." Die massive Erweiterung sei in keiner Weise zu rechtfertigen.

Kritiker unter den Anwohnern gehen noch weiter. Hier wolle jemand ein zweites Puerto Portals bauen, kritisiert Natividad Coll von der Vereinigung Es Portitxol-es Molinar gegenüber der MZ-Schwesterzeitung „Diario de ­Mallorca": „Hier wollen einige kräftig Geld verdienen."

Lemm wie auch Vallespir geht bei dieser Kritik der Hut hoch. „Ich kann verstehen, wenn jemand die Pläne nicht mag", so der Clubpräsident. „Aber dann soll er bitte eine Lösung anbieten". Entweder der Yachthafen wachse oder aber er verschwinde. In seiner jetzigen Form jedoch habe er keine Überlebenschance. Die beiden legen zudem Wert darauf, nicht mit anderen Häfen wie Port Adriano, der ebenfalls gewaltig gewachsen ist, in einen Topf geschmissen zu werden. „Dort will ein Unternehmen Geld verdienen. Wir wollen als Club weiterbestehen."

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