„Mañana´ kann auch schon mal 40 Jahre heißen

Palmas Seefahrtsmuseum ist seit 1975 geschlossen. Jetzt schöpft ein Förderverein neue Hoffnung

15.02.2014 | 02:30
Manolo Gómez mit dem Modell einer mallorquinischen Schebecke
Manolo Gómez mit dem Modell einer mallorquinischen Schebecke

Die Gewölbe von Ses Voltes unterhalb der Kathedrale, der Neubau an der Westseite der Stadtmauer, der heute das Es Baluard beherbergt, die historische petrolera von Portitxol, die jetzt als Bibliothek dient, das ehemalige Trasmediterránea-Gebäude auf der alten Mole, in dem mittlerweile die Hafenbehörde untergebracht ist – Manolo Gómez kann sich schon gar nicht mehr an all die Gebäude erinnern, die ihm und seinem Verein im Laufe der Jahrzehnte als Sitz für ein Seefahrtsmuseum angeboten worden sind.

Im Fall von Ses Voltes hatte die Stadt Palma der „Asociació d´Amics del Museu Marítim de Mallorca" (AAMMM, Freundeskreis für ein maritimes Museum auf Mallorca) sogar schon den Schlüssel übergeben – und dann doch noch einen Rückzieher gemacht.

Dabei braucht der Freundeskreis eigentlich nur ein Gebäude: Ausstellungsstücke sind vorhanden. Und zwar zuhauf. Denn zwischen 1952 und 1975 gab es schon einmal ein solches Museum. „Es befand sich im Consolat de Mar, dem heutigen Regierungssitz der Balearen", berichtet Gómez. Noch heute befinden sich dort einige der Ausstellungsstücke. 1975 wurde das Museum wegen Renovierungsarbeiten geschlossen: „Danach hat man nie wieder etwas davon gehört." Der Fundus wurde teils im heutigen Kulturzentrum ­Misericòrdia untergebracht, teils in den Lagerräumen des Museu de Mallorca abgestellt. Und dort steht es bis heute rum.

Rund fünf Jahre nach der unerwarteten und unangekündigten Schließung des Museums gründete eine Handvoll Seefahrt-Fans den Freundeskreis AAMMM, der sich seitdem für die Wiedereinrichtung des Museums einsetzt. In diesem Jahr, sagt Gómez, sei er wirklich optimistisch, dass es klappen könnte. Denn der neue Chef der Hafenbehörde Autoridad Portuaria, Alberto Pons, zeigt laut Gómez „nicht nur Bereitschaft, sondern auch Lust, das Projekt anzugehen."

Nach den ersten Verhandlungen, bei denen auch der frühere Sitz der Konsumgenossenschaft der Marine unweit des Real Club ­Náutico im Gespräch war, zeichnet sich nun der ehemalige Sitz der Hafenbehörde unterhalb der Kathedrale als potenzieller Standort ab. Für das anfangs geplante Hotel eignet sich der unter Schutz stehende Bau nicht, weshalb die Chancen für die AAMMM gut stehen. Obwohl der Verein selbst keinerlei finanzielle Mittel hat.

Gómez betont, dass ein solches Museum dringend notwendig ist. Und zwar gar nicht unbedingt wegen der Ausstellung – die würde den Planungen des Vereins zufolge nur etwa 30 Prozent des Museums ausmachen – sondern vielmehr, um einen wahren Schatz an Dokumenten, Fotos und allen möglichen Ausstellungsstücken bis hin zu Booten zu konservieren und zu bewahren. 16 verschiedene Exemplare alter Holzboote besitzen die Vereinsmitglieder, gelagert werden sie in den Katakomben des Castell Bellver. Da ist zwar ausreichend Platz, doch ideale Bedingungen sehen anders aus: „Dort unten herrscht ein recht feuchtes Mikro­klima, das vor allem das Metall angreift. Das Holz, aus dem die Boote sind, ist mit einer modrigen Schicht überzogen, aber das ist nicht so schlimm. Schlimm ist, wie die Feuchtigkeit den alten Schiffsmotoren zusetzt, die teilweise auf Mallorca gebaut wurden."

Dabei ist Gómez froh, dass es überhaupt so viele verschiedene Bootstypen sind. Von zahlreichen alten Modellen gibt es heute keine anderen Exemplare mehr – Schuld daran sei ausgerechnet die Europäische Union. Die habe den Fischern im Zuge des Beitritts Spaniens und einer Vereinheitlichung des Marktes Subventionen dafür bezahlt, den Fischereiberuf aufzugeben – die entsprechenden Boote musste unter Aufsicht von eigens dafür zugelassenen Ingenieuren zerstört werden.

Dem Freundeskreis geht es in erster Linie darum, die Mallorquiner für das maritime Erbe zu sensibilisieren – ansonsten drohe es, verloren zu gehen, befürchtet er. Der Inselrat, so berichtet Gómez, führe eine Inventarliste von llaüts und alten Holzbooten. Zwischen den letzten zwei Erhebungen sei bereits die Hälfte all dieser Boote verschwunden. „Wenn wir jetzt nichts tun, sind die llaüts in fünf bis sechs Jahren aus dem Hafenbild der Insel verschwunden", befürchtet er. Denn der Unterhalt der Holzboote sei einfach zu teuer und zeitaufwendig.

Doch nicht nur diese Schiffe und Boote gehören zur Seefahrts-Geschichte der Insel. „Es gab Freibeuter, bedeutende Kartographen, unter Segel fahrende Handelsschiffe, später dann die Dampfschifffahrt" – Gómez´ Augen leuchten, wenn er ins Erzählen kommt. Seine Leidenschaft fürs Maritime steckt in den Genen, der Vater war Fischer, der Bruder fährt als Kapitän eines Forschungsschiffs zur See. Er selbst ist Versicherungsvertreter und baut in seiner Freizeit Modelle von historischen Booten nach. Das hat er von Javier Pastor gelernt, dem Gründer von AAMMM, der 2007 verstarb. Sollte das Museum nun endlich Wirklichkeit werden, dann sei das einzig Pastor zu verdanken, sagt Gómez.

Eigentlich, schiebt er direkt hinterher, sei es schon seltsam: Jede größere Stadt am Mittelmeer habe ein Meeres- oder Seefahrtsmuseum, nur Palma nicht. Die Insulaner hätten einfach keine gute Beziehung zum Meer. Vielleicht auch, weil alle Invasionen – ob im guten oder schlechten Sinne – von dort kamen.

Palma lebe mit dem Rücken zum Meer, wiederholt er den schon oft gehörten Satz. Er weiß ihn gut zu untermauern: „Versuchen Sie mal, am Paseo Marítimo eine Bank zu finden, von der man aufs Meer schauen kann. Die sind alle auf die Straße gerichtet." Höchste Zeit also, den Mallorquinern einen ganz neuen Blick auf das Meer und die Geschichte der Insel zu ermöglichen.

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