Königstochter sagte 412 Mal ´Ich weiß nicht´

Nach dem Gerichtstermin von Infantin Cristina wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und Geldwäsche in Palma de Mallorca ist nun das Vernehmungsprotokoll fertiggestellt

21.02.2014 | 18:57
Königstocher Cristina beim Betreten des Gerichtsgebäudes in Palma.
Königstocher Cristina beim Betreten des Gerichtsgebäudes in Palma.

412 Mal hat Königstochter Cristina de Borbón auf die Fragen von Untersuchungsrichter José Castro mit "ich weiß nicht", 82 Mal mit "Ich kann mich nicht erinnern" und 58 Mal mit "das ist mir nicht bekannt" geantwortet: Das ist das Resümee der nun fertiggestellten Mitschrift der knapp siebenstündigen Aussage, die die Infantin am 8. Februar in Palma de Mallorca vor Gericht machte. Richter Castro hatte sie wegen des Vorwurfs der Geldwäsche und Steuerhinterziehung im Korruptionsfall Nóos zur Beschuldigten erklärt.

Kenntnis über die Details der Geschäftspraktiken ihres Mannes, Iñaki Urdangarin, und die Vorgänge innerhalb der Stiftung Nóos sowie der Gesellschaft Aizóon, deren Teilhaberin sie war, will Cristina ihrer Aussage zufolge nicht gehabt haben. "Weder mit dem König noch zuhause mit meinem Mann rede ich über Geschäftliches." Sie habe stets das getan, worum ihr Mann sie gebeten habe, da es ihr "richtig erschien". Auf Castros Frage, ob sie bei Nóos als "Steuerschutzschild" eingesetzt worden sei, entgegnete die Infantin. "Sie greifen mich ja fast an, euer Ehren."

Zusammen mit einem Geschäftspartner hatte Urdangarin für die Organisation mehrerer obskurer Tagungen und Marketingmaßnahmen zwischen 2004 und 2007 rund 6 Millionen Euro von den öffentlichen Verwaltungen auf den Balearen und in der Region Valencia eingenommen. Verrechnet wurden sie über eine gemeinnützige Stiftung namens Nóos. Ein Teil dieses Geldes floss dann in die auf seine Frau und ihn eingetragene Gesellschaft Aizoon und wurde für private Ausgaben genutzt. Cristina zahlte damit unter anderem Kindergeburtstage. Bei den Vorwürfen gegen die Infantin geht es im Kern darum, ob sie als Mitgesellschafterin von den dubiosen Geschäftspraktiken ihrers ebenfalls beschuldigten Gatten wusste und dafür haftbar gemacht werden kann.

Während Infantin Cristina im Gerichtsgebäude vernommen wurde, demonstrieren auf dem Innenstadtring (Avenidas) in Palma ein paar Hundert Demonstranten und forderten lautstark die Abschaffung der Monarchie. Das Misstrauen gegen das Königshaus ist groß. "Am Ende wird die Infantin doch wieder ungeschoren davonkommen, obwohl sie öffentliche Gelder für private Ausgaben missbraucht hat", sagt Alberto, einer der Demonstranten. Passant Raúl verfolgt das Geschehen aus der Ferne. Das mediale Aufgebot – es haben sich an die 400 Journalisten aus rund 15 Ländern vor dem Gericht versammelt – hält er aber für angebracht: "Das Volk will alles über diesen Fall erfahren. Wir wollen wissen, ob die Infantin genauso vor Gericht behandelt wie ein normaler Bürger."

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |