Mallorca-Shuttle: Zum 35. ist Air Berlin nicht in Feierlaune

Am Montag jährt sich der erste Flug auf die Insel. Die Stimmung bei Deutschlands zweitgrößter Airline aber ist eher verhalten

25.04.2014 | 02:30
Föhnwellen vor der Boeing 707: Foto der Bordcrew nach der ersten Mallorca-Landung am 28.4.1979.
Föhnwellen vor der Boeing 707: Foto der Bordcrew nach der ersten Mallorca-Landung am 28.4.1979.

Das waren noch Zeiten: Zum 30-jährigen Bestehen von Air Berlin gab es vor fünf Jahren nicht nur in der deutschen Hauptstadt, sondern auch auf der Insel einen rauschenden Festakt. Am Montag (28.4.) jährt sich der allererste Flug der Airline von Berlin nach Mallorca nun zum 35. Mal – doch wirkliche Feierstimmung will nicht aufkommen. Auf Mallorca sei „leider kein Event" geplant, heißt es bei der Pressestelle. Immerhin: Am Montag soll ein besonderes Jubiläumsflugzeug am Flughafen von Son Sant Joan landen.

Der Erstflug im Jahr 1979 war für die Beteiligten ein großes Ding. Mit an Bord war damals Claudia Rößler, eine der ersten Flugbegleiterinnen der neugegründeten Airline. Noch heute arbeitet die 66-Jährige in Teilzeit bei der Rechnungs­kontrolle des Unternehmens. An den ersten Mallorca-Flug mit der Boeing 707 erinnert sie sich gut: „Das war unheimlich aufregend. Unser Flugzeug war mit 178 Urlaubern voll besetzt. Das Fliegen war damals noch keine Normalität, und die Gäste reisten noch im Anzug und Kostüm."

Mittlerweile ist aus der kleinen Charterfluggesellschaft Deutschlands zweitgrößte Airline geworden, und unter den Massen von Passagieren, die Air Berlin jedes Jahr auf die Insel bringt, finden sich neben (wenigen) Anzugträgern vor allem kurzbehoste Urlauber in Sandalen.

Allerdings ist das Unternehmen durch zahlreiche Übernahmen finanziell schwer angeschlagen und kommt trotz Sparprogrammen aus den Schulden nicht wirklich heraus. Zudem machen Billigflieger wie Easyjet, Germanwings oder Ryanair Marktanteile abspenstig. Das macht sich auch auf Mallorca bemerkbar: Das Drehkreuz, mit dem Air Berlin seit 1998 Passagiere auf das spanische Festland und nach Portugal per Zwischenstopp in Palma transportierte, verliert seit 2012 immer weiter an Bedeutung.

Damit nimmt auch die Gesamtzahl der Passagiere ab: Während Air Berlin im Jahr 2012 sieben Millionen aus Deutschland auf die Insel brachte, waren es 2013 nur noch 6,6 Millionen, also rund 6 Prozent weniger Fluggäste. Vor allem im Winter wurden die Flüge mit den Jahren immer weiter reduziert, allein in der vergangenen Nebensaison gab es fünf Prozent weniger Plätze. Viele Flüge zu Zielen auf dem spanischen Festland wurden gestrichen, um diese Destinationen direkt von Deutschland aus zu bedienen, und auch die Zahl der Verbindungen nach Mitteleuropa und Deutschland ging zurück.

Die Verantwortlichen versichern immer wieder, dass Mallorca dennoch eine der wichtigsten Destinationen bleibe. Allein in diesem Sommer biete man in der Hochsaison von 25 Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz pro Woche bis zu 700 Direktflüge auf die Insel. Doch die Gesamtkapazität von Air Berlin auf Mallorca geht aufgrund von weniger innerspanischen Flügen nun sogar im Sommer leicht zurück, wie José Antonio Álvarez, Direktor des Flughafens Son Sant Joan, Anfang April sagte.

Auf Unternehmensebene hat der Einstieg von Etihad Airways im Jahr 2011 bislang noch nicht die erhoffte Wende gebracht– schon zweimal wurde die Vorstellung der Jahres­bilanz 2013 in diesem Frühjahr verschoben: Es droht wohl das fünfte Negativ-Ergebnis in sechs Jahren. Die Fachpresse spekuliert, Air Berlin könne sich von der Börse zurückziehen und Etihad noch mehr Einfluss verschaffen. Mehr als 49,5 Prozent dürfen die Araber aber nicht übernehmen, sonst droht der Verlust von Start- und Landerechtsvorteilen für europäische Airlines. Der Gerüchte­küche zufolge könnte nun der ehemalige Air Berlin-Chef Joachim Hunold, der die Airline von 1991 bis 2011 leitete und lange Jahre ein Haus auf der Insel besaß, mit weiteren Großaktionären über bankfinanzierte Kredite Anteile erwerben.

Wobei Mallorca-Residenten und -Urlaubern die Details gleichgültig sein dürften: Hauptsache, am Ende kommen genug kostengünstige Verbindungen auf die Insel heraus.

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