Bildungsministerin wegen Reisen nach Menorca angezeigt

Lehrer werfen Joana Maria Camps (PP) Veruntreuung öffentlicher Gelder vor, weil sie in ihren ersten sieben Monaten im Amt 32 Mal auf ihre Heimatinsel gereist ist

16.05.2014 | 15:50
Reisefreudige Ministerin: Joana Maria Camps
Reisefreudige Ministerin: Joana Maria Camps

Lehrer auf Mallorca haben die balearische Bildungsministerin Joana Maria Camps (Volkspartei PP) wegen ihrer häufigen Reisen nach Menorca angezeigt. Die Tatsache, dass die Politikerin ihrer Heimatinsel zwischen ihrer Ernennung im Mai und Dezember 2013 insgesamt 32 Besuche abgestattet hat, stellt in ihren Augen Veruntreuung öffentlicher Gelder da. Camps kassiert pro Jahr 22.000 Euro extra, weil sie ihren Wohnsitz auf Menorca hat und somit stets auf Kosten des Staates dorthin fliegt.

Obwohl die Reisen zum Großteil an (verlängerten) Wochenenden stattfanden, wurden diese angeblich zu "Repräsentationszwecken innerhalb einer aus mehreren Inseln bestehenden Autonomieregion" durchgeführt. Unter anderem musste Camps fünf ganze Tage auf Menorca verweilen, um die Zeitschrift zu den San Juan-Feierlichkeiten am 24. Juni vorzustellen. Und für ein Treffen mit dem Bürgermeister von Sant Lluis, einem nicht einmal 8.000 Einwohner zählenden Dorf, wurden drei Tage anberaumt.

Die von Guillem Barceló geführte Lehrervereinigung "Docents per la Democràcia" – der Sprecher der Lehrervollversammlung stand auch beim Lehrerstreik gegen das Drei-Sprachen-Modell an vordester Front – hat sich aufgrund dieser Umstände zur Anzeige entschlossen. Zumal es keinerlei Medienberichte gibt, die Camps' Anwesenheit bei all diesen Terminen und Empfängen beweisen würden. Die Anzeigeerstatter gehen deshalb davon aus, dass die Ministerin die offiziellen Anlässe nur vorschub, um sich Familienbesuche bezahlen zu lassen.

Dass Mallorcas Lehrerschaft nicht gut auf Camps zu sprechen ist, weil diese nach wie vor an der Einführung des dreisprachigen Unterrichtsmodells TIL festhält, wonach in den Klassenzimmern mehr Spanisch und Englisch und weniger Katalanisch gesprochen werden soll, zeigt sich derzeit noch in anderer Form: Jaume Sastre, Lehrer am IES Llucmajor, befindet sich seit dem 8. Mai im Hungerstreik, um die Landesregierung zur Wiederaufahme der Verhandlungen um den TIL zu zwingen. Sastre hat mittlerweile sechs Kilo abgenommen und steht unter ärztlicher Beobachtung.

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