Frau stirbt nach Unfall bei Reiterspielen auf Menorca

Urlauberin erliegt schweren Verletzungen im Krankenhaus Son Espases - Tochter erhebt schwere Vorwürfe gegen die Gemeinde

01.07.2014 | 13:52

Eine 66-jährige Urlauberin aus Katalonien ist bei den Reiterspielen, die zum San Joan-Fest am 24. Juni traditionell in Ciutadella auf Menorca stattfinden, so schwer verletzt worden, dass sie am Sonntag (29.6.) im Krankenhaus Son Espases auf Mallorca starb. Die Frau wollte sich zusammen mit ihrem 67-jährigen Mann das Pferdespektakel, die "Jocs des Pla", aus nächster Nähe anschauen, als eines der Tiere außer Kontrolle geriet und das Paar regelrecht zertrampelte.

Die Frau wurde zunächst in ein Krankenhaus in Mahón gebracht, daraufhin auf die Nachbarinsel geflogen und auf der Intensivstation von Son Espases versorgt, wo sie fünf Tage später im Beisein ihrer aus Barcelona angereisten Tochter ihren schweren Verletzungen erlag. Der Mann wurde wegen eines offenen Beinbruchs ebenfalls in Mahón stationär behandelt, konnte inzwischen aber nach Hause zurückkehren.

Die Pferdespiele in Ciutadella, bei der Dutzende Reiter auf einen in der Luft hängenden Ring zu galoppieren und versuchen, diesen mit einer Lanze zu treffen, wurden nach dem Unfall abgebrochen. Inzwischen ist eine Diskussion über die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen bei dem Spektakel, das von Tausenden Zuschauern aus unmittelbarer Nähe verfolgt wird, entbrannt. Zum Johannisfest finden in der menorquinischen Stadt zahlreiche Pferdeprozessionen und die Reiterspiele statt, Absperrungen zwischen Tieren und Publikum gibt es nicht. Zudem seien nicht ausreichend Notfallsanitäter und Rettungswagen vorhanden gewesen, um auf ein Unglück wie dieses angemessen und schnell reagieren zu können, heißt es.

Die Tochter der Verstorbenen zeigte sich indes schockiert über die Stadt Ciutadella. Es sei nicht möglich gewesen, jemandem aus dem Rathaus zu erreichen – und von sich aus habe sich die Gemeinde gar nicht erst gemeldet. Per Kurznachricht habe sie dann die Telefonnummer der Versicherung erhalten, erzählt die junge Frau. Später wurde ihr mitgeteilt, dass ihre Eltern die Verantwortung für das Geschehene trügen. "Wie taktlos."

Noch geschmackloser fand sie den am Montag (30.6.) erfolgten Anruf einer Rathausmitarbeiterin, die sich nach dem Befinden ihrer Mutter erkundigen wollte. "Sie ist gestern gestorben, das stand in den Zeitungen", entgegenete sie. Auch habe sie sich um alle bürokratischen Angelegenheiten ohne jegliche Unterstützung der Stadt Ciutadella kümmern müssen, während die Mutter im Sterben und der Vater allein in einem Krankenhaus in Mahón lag, kritisierte die Tochter gegenüber der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca". Erst drei Tage nach dem Unfall habe eine Stadträtin dem Vater einen Besuch abgestattet. "Menschenwürdige Behandlung gleich Null", so das Fazit der Katalanin.

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