Ein Jahr nach der Hells Angels-Razzia: Hanebuth-Anwalt im Interview

Seit genau einem Jahr sitzt der ehemalige Hells Angels-Boss Frank Hanebuth in U-Haft. Die konkreten Vorwürfe kennt nicht einmal sein Anwalt. „Es gibt nichts Schwierigeres als gegen nichts zu verteidigen", sagt er im MZ-Interview

23.07.2014 | 12:23
Am 23. Juli 2013 wurde Hells Angels-Boss Frank Hanebuth auf Mallorca verhaftet
Am 23. Juli 2013 wurde Hells Angels-Boss Frank Hanebuth auf Mallorca verhaftet

Seit fast einem Jahr sitzt der deutsche Rockerboss Frank Hanebuth inzwischen in spanischen Gefängnissen. Am 23. Juli 2013 wurde er zusammen mit mehr als 20 weiteren Personen aus dem Umfeld der Hells Angels bei einer Großrazzia auf ­Mallorca festgenommen. Die Vorwürfe der Ermittler lasen sich wie ein Krimi: Drogenhandel, Geldwäsche, Zwangsprostitution, Bildung einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, Körperverletzung.

Nach einer knapp dreimonatigen „Urlaubsverlängerung" auf der Ferieninsel, wie der 49-Jährige seine U-Haft in Palma selbst nannte, wurde Hanebuth zusammen mit 17 anderen Verdächtigen nach Madrid verlegt. Von dort ging es für den einstigen Hannoveraner Hells Angels-Chef um die Weihnachtszeit weiter in den Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses in Cádiz – den Behörden zufolge angeblich um zu verhindern, dass Hanebuth sich mit anderen Häftlingen austauscht, um aus dem Knast heraus weiter die Strippen zu ziehen oder möglicherweise gar Fluchtpläne zu schmieden. Sein langjähriger Anwalt und Vertrauter Götz von Fromberg hatte das damals gegenüber den Medien mit „so ein Unsinn" kommentiert. Das sei doch alles nur Schikane der spanischen Justiz – auf die der Jurist aus Hannover alles andere als gut zu sprechen ist.

Herr von Fromberg, haben Sie Kontakt zu Herrn Hanebuth? Wissen Sie, wie es ihm geht?
Ich besuche ihn regelmäßig. Er bekommt auch von seiner Familie und seinen spanischen Anwälten oft Besuch. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut, er ist stabil. Er erklärt mir nach wie vor, dass er unschuldig sei und ihm dieses Wissen Kraft gibt, die schwierige Zeit in Cádiz durchzustehen. Da er von seiner Unschuld überzeugt ist, glaubt er nach wie vor, dass er von den Justizbehörden zu Unrecht verfolgt wird, so wie es ja auch in der Vergangenheit von Zeit zu Zeit in Deutschland der Fall war. Denken Sie nur an den Kronzeugen in dem Kieler Prozess um einen angeblichen Auftragsmord, der Herrn Hanebuth schwer belastete und sich später als Lügner herausstellte. Das Verfahren wurde im Mai eingestellt.

Die nach den Festnahmen im vergangenen Jahr von den spanischen Ermittlern erhobenen Vorwürfe sprechen eine andere Sprache. Etwas wirklich Hieb- und Stichfestes ist den bisher öffentlich gewordenen Akten allerdings nicht zu entnehmen. Reicht das denn jemals für eine Anklage?
Ich kann nicht erkennen, inwiefern Anklage erhoben werden kann und soll, ich kenne noch nicht einmal den Abschlussbericht der ermittelnden Polizei oder des Ermittlungsrichters. Allerdings kann auch ich nichts Hieb- und Stichfestes entdecken. Ein schwerwiegender Vorwurf, über den die Presse lang und breit berichtet hat, nämlich der Bombenanschlag auf einen deutschen Anlage­betrüger, den Herr Hanebuth angeblich initiiert haben soll, ist von den deutschen Behörden entkräftet worden. Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat bestätigt, dass Herr Hanebuth mit dieser Sache überhaupt nichts zu tun hat. Es ist inzwischen ein Österreicher verhaftet worden, der die Tat bereits gestanden hat. Und die Geschichte von den 500 Millionen Euro, die in der Türkei lagern sollen, hat sich längst als Ente erwiesen.

Wäre eine so lange U-Haft angesichts der unklaren Beweislage auch in Deutschland möglich?
In Deutschland wäre das undenkbar, hier muss innerhalb von sechs Monaten Anklage erhoben werden, es sei denn, die Staatsanwaltschaft kann nachweisen, dass das Verfahren so umfangreich ist, dass eine längere Zeit für Ermittlungen erforderlich wäre. Doch selbst dann begrenzt man die U-Haft auf neun Monate. Im Übrigen wäre Herr Hanebuth in Deutschland niemals verhaftet worden, da seit Jahren nicht mehr gegen ihn ermittelt wird. Die Hells Angels sind keine Heiligen, und ich will nicht die Hand für 2.500 Leute ins Feuer legen, da werden sicherlich Straftaten begangen. Aber wir fragen uns, was konkret Frank Hanebuth getan haben soll.

Wird hinter den Kulissen für seine Freilassung gekämpft?
Natürlich kämpfen wir, die ­spanischen Anwälte an vorderster Front. Zu gegebener Zeit werden auch Verteidigungsstrategien erarbeitet. Aber so weit sind wir noch nicht, wir wissen nicht mal, wogegen wir kämpfen müssen. Wir befinden uns im luftleeren Raum.

Ist abzuschätzen, wann sich in dem Verfahren endlich etwas tut?
Nein, auch die beiden spanischen Verteidiger können hierzu nichts sagen. Wir warten auf den polizeilichen Abschlussbericht, um dann von uns aus tätig werden zu können. Der eine spanische Kollege hatte sich in einer hannoverschen Zeitung geäußert und erklärt, dass es für Strafverteidiger nichts Schwierigeres gäbe als gegen nichts zu verteidigen.

Was halten Sie von der von den Hells Angels gestarteten EU-Petition „Frank Hanebuth – Fakten oder sofortige Freilassung"?
Ich weiß nicht, ob sie von den Hells Angels gestartet wurde. Meines Wissens haben inzwischen über 9.000 Personen unterschrieben, es kann sich also nicht nur um Hells Angels handeln. Allerdings war Herr Hanebuth gerade auch in Hannover sehr beliebt, viele wünschen sich seine Rückkehr, weil es während seiner Zeit im dortigen Rotlichtmilieu nicht zu ernsthaften Problemen gekommen ist. Das hat sich seit seiner Verhaftung gerändert. Die Petition zeigt Sympathien, doch juristisch wird sie wahrscheinlich nichts bringen.

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |