Schlafen unterm Leuchtfeuer

Die Hafenverwaltung will in sechs Leuchttürmen auf Mallorca Unterkünfte genehmigen – auch ein deutscher Investor hat sich beworben

31.10.2014 | 13:33

Auch einige kuriose Projekte sind unter den mehr als 60 Vorschlägen, die an die balearische Hafenverwaltung für die Nutzung der Leuchttürme herangetragen worden sind. Bungee-Jumping zum Beispiel, oder eine Seilrutsche. „Ich will nichts von vornherein ausschließen", sagt Alberto Pons, seit rund einem Jahr Chef der Hafenverwaltung. Aber letztlich kreisen die 19 offiziell eingereichten Projekte nun um Hotels, Restaurants und Cafés. Pons hofft, dass die erste Unterkunft bereits zur Sommer­saison 2015 öffnen kann.

Dass das klappt, dafür spricht der Ruf von Pons. Er managte vor seinem Job in der öffentlichen Verwaltung private Yachthäfen und hat sich Effizienz sowie Gewinnorientierung auf die Fahnen geschrieben. Baumaßnahmen dürften nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, da ohnehin keine großen Umbauten für die touristische Erschließung erlaubt seien. Allerdings haben in dem Verfahren auch ein halbes Dutzend Institutionen mitzureden, und da es für einige Leuchttürme mehrere Vorschläge gibt, wird in diesen Fällen zunächst eine öffentliche Ausschreibung notwendig sein.

Auf Mallorca liegen bislang Vorschläge für vier Leuchttürme vor, balearenweit für elf. Besonders attraktiv für Investoren ist Cap Blanc an der Südküste Mallorcas, wie gleich drei vorliegende Projekte zeigen. In dem Komplex von 1863 könnten bis zu acht Zimmer eingerichtet werden, erklärt Juan Sitjar, Leiter der Abteilung für Seefahrtszeichen. Dass so viel Platz ist, erklärt sich mit der Bauweise der größeren Leuchttürme Mallorcas: Sie verfügen in der Regel über Räumlichkeiten, die der Leuchtturmwärter und sein Stellvertreter als Wohnung nutzten. Auch ehemalige Lagerräume in Nebengebäuden können zu Gästezimmern umgewidmet werden.

Immerhin zwei Projekte liegen für den Leuchtturm Cap Gros in der Gemeinde Sóller vor – nicht zu verwechseln mit dem Faro de la Creu, der in der Bucht rechter Hand zu sehen ist und sich auf militärischem Gebiet befindet. Der von Investoren angepeilte Leuchtturm steht vielmehr weiter westlich, im Gebiet von Sa Muleta, und bietet ebenfalls Platz für bis zu acht Zimmer.

Jeweils ein Vorschlag ging darüber hinaus für die faros von Alcanada und Punta de l´Avançada ein, sie liegen beide in der Gemeinde Pollença und könnten jeweils bis zu sechs Zimmer beherbergen. Angekündigt, aber noch nicht eingereicht sind zudem zwei weitere Projekte für die Leuchttürme von Capdepera und Portocolom.

Das Verfahren hat auch einen deutschen Anwärter auf den Plan gerufen – mit seiner Bewerbung gingen auch gleich umfangreiche Dossiers mit Beispielen für die Leuchtturm-Nutzung in Deutschland bei der balearischen Hafenverwaltung ein. Sollte der Investor aus Berlin den Zuschlag bekommen, würden in Zukunft Cap Blanc, Cap Gros sowie Capdepera in die Hände eines deutschen Konzessionärs übergehen. Einen Vorgeschmack auf das Leuchtturm-Erlebnis geben die Websites norddeutscher Leuchttürme: „Es ist ein kleiner Turm, doch er lädt ein zu großen Träumen, weitschweifenden Gedanken und zum Vergessen des Alltags", heißt es dort. Es gebe weder Lobby, noch 24-Stunden-Zimmerservice, dafür aber auch keine Nachbarn.

Die balearische Hafenverwaltung verfolgt mit der Konzessionsvergabe zum einen das Ziel, das heute weitgehend ungenutzte Kulturerbe der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Leuchttürme sind inzwischen allesamt ferngesteuert, und die heutigen Techniker, die die Wärter beerbten, haben nur noch in vier der 14 größeren Leuchttürme Mallorcas Wohnrecht. Zu dieser Erschließung für die Öffentlichkeit gehört auch eine geplante Wander- und Fahrradroute, die zu allen Leuchttürmen führen und auch in Form einer mehrsprachigen Handy-App vorliegen soll.

Zum anderen sollen die Konzessionen aber auch dabei helfen, Kosten zu sparen und zusätzliche Gelder in die Kasse spülen. So verschlangen Wartungsarbeiten und Personalkosten im Fall der balearischen Leuchttürme im vergangenen Jahr mehr als 1,6 Millionen Euro – wobei über eine Sicherheitsgebühr („T0"), die alle Schiffseigner zahlen müssen, ein Beitrag in etwa gleicher Höhe wieder eingenommen wird. Ein ausgeglichener Haushalt ist Alberto Pons jedoch nicht genug – er will mit dem Projekt dafür sorgen, dass die Hafenverwaltung weiterhin zu den wenigen Behörden zählt, die Gewinn erwirtschaften.

Derzeit liegen die Vorschläge in Madrid, Pons rechnet jedoch mit einer schnellen Antwort. Auch die Änderung des spanischen Hafen­gesetzes, die die Umwidmung ermöglichen soll, sei nur eine Formsache. In den Fällen, in denen es nur einen Bewerber gebe, erfolge eine Veröffentlichung im ­balearischen Gesetzblatt (BOIB), um anschließend die Konzession zu erteilen. In allen anderen Fällen müsse zunächst eine Ausschreibung erfolgen.

Dass idyllische Orte über Gebühr kommerzialisiert werden, befürchtet Pons nicht, wie er sagt: Angesichts der begrenzten Zahl möglicher Zimmer drohe kein Massenansturm, die Zielgruppe sei überaus exklusiv und trage zur viel beschworenen Belebung der Neben­saison auf Mallorca bei. „Stellen Sie sich vor, wie es ist, im Leuchtturm den Sonnenuntergang oder ein Gewitter zu erleben", so der Präsident. „Solche Orte sind oft Monate im Voraus ausgebucht."

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