Hotels in Leuchttürmen: "Viel Platz für Romantik"

Der Deutsche Tim Wittenbecher plant drei Projekte auf Mallorca. Wie das funktioniert, hat er bereits in Deutschland gezeigt

30.11.2014 | 08:50
Leuchtturm-Fan Tim Wittenbecher vor dem Faro Pescador in Kantabrien an der Nordküste Spaniens
Leuchtturm-Fan Tim Wittenbecher vor dem Faro Pescador in Kantabrien an der Nordküste Spaniens
Hotels in Leuchttürmen: "Viel Platz für Romantik"

Sechs Leuchttürme auf Mallorca sollen laut den Plänen der balearischen Hafenverwaltung in Hotels umgewandelt werden (MZ berichtete). Im Fall von drei Projekten auf der Insel – Cap Blanc, Cap Gros und Capdepera – hat der Deutsche Tim Wittenbecher gute Karten. Der 47-Jährige hat bereits den Lotsenturm Usedom sowie den Leuchtturm Dagebüll für Gäste umgerüstet, ein dritter ist in Vorbereitung.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, Hotels in Leuchttürmen einzurichten?
Darauf kam ich zusammen mit meiner Frau. Sie ist Architektin, ich bin Wirtschaftsingenieur. Wir besuchen selbst gerne besondere Unterkünfte und haben ähnliche Projekte in Holland entdeckt, etwa einen Hafenkran, in dem man übernachten kann. Als dann ein Leuchtturm auf Usedom zum Verkauf stand, hatten wir die Idee, dort etwas Ähnliches einzubauen.

Kann man dieses Konzept eins zu eins auf Mallorca übertragen?
Bei unseren Objekten in Deutschland wohnen die Gäste im Turm selbst – das ist möglich, weil die Laterne keine Lampe mehr hat. Die Leuchttürme auf Mallorca dagegen sind noch in Betrieb. Geplant ist, dass sich die Hafenverwaltung weiter um die Signalsysteme kümmert. Wir inszenieren zwar den Turm – man lebt quasi wie ein Leuchtturmwärter –, aber man wohnt nicht oben im Turm, sondern im unteren Teil des Komplexes.

Sie entwickeln also ein ganz anderes Konzept als in Deutschland?
Wir machen das inzwischen seit sechs Jahren und wissen, was sich die Gäste vorstellen. Diesen romantischen Ansatz wollen wir so gut es geht auf Mallorca übertragen. Bei den spanischen Leuchttürmen haben wir mehr Platz, um etwa eine Bar, einen Kamin oder auch einen Whirlpool zu integrieren – romantische Konzepte, die in Deutschland einfach nicht möglich waren. Wir inszenieren Orte, wo man einen Drink nehmen, aber auch einen Heiratsantrag machen kann.

Kann man sich eher auf Hotels oder Herbergen einstellen?
In Wirklichkeit ist es kein Hotel – es gibt keine Lobby, es gibt keinen 24-Stunden-Liftservice –, sondern eher irgendetwas zwischen Herberge und Aparthotel, etwas Einmaliges. Wir können vielleicht von einem mediterranean hideaway sprechen. Man kann die Tür hinter sich schließen und sich auf sich selbst konzentrieren.

Wie haben Sie die Objekte auf Mallorca ausgewählt?
Es sind alles wunderschöne Gebäude in einmaligen Lagen, und es ist ein magischer Moment, wenn man die Pforte durchschreitet. Wir waren vor kurzem am Leuchtturm in Capdepera: Man ist da alleine, man schaut auf Menorca, und genauso wie der Leuchtturmwärter sieht man den ersten Sonnenstrahl am Morgen. Cap Blanc hat diese hohe Klippe, von der man hinunterblickt. Bei jedem dieser Türme stellt sich ein besonderes Gefühl ein.

Wenn die Anlagen größer sind als in Deutschland, müssen Sie auch deutlich mehr Geld in die Hand nehmen, oder?
Obwohl wir die Türme auf Mallorca im Gegensatz zu Deutschland nicht kaufen, fallen die Investitionen höher aus. Wir gestalten mehr bewohnbare Fläche und mehr Umgebung, etwa in Form einer
Terrasse oder eines romantischen Platzes für den Sonnenuntergang.

Wie hoch würden also die Investitionen ausfallen?
Manche Türme sind noch in ganz gutem Zustand, andere schon etwas verfallen. Gerade bei Cap Blanc wird es Zeit einzugreifen. Die Behörden haben zwar sicher­gestellt, dass die Gebäude nicht einstürzen und die Technik einwandfrei funktioniert, aber ansonsten nur das Nötigste getan. Ich rechne mit einem höheren, sechsstelligen Betrag pro Turm. Unter einer halben Million Euro kann man so ein Projekt nicht machen.

Wie lange läuft die Konzession?
Sie wird gewöhnlich für bis zu 35 Jahre vergeben, es soll aber auch eine Laufzeit bis zu 50 Jahren geprüft werden.

Wie erleben Sie den Umgang mit den spanischen Behörden?
Die Behörde in Palma macht einen sehr guten Eindruck. Es steht ein Mitarbeiter bereit, der Englisch spricht und mich am Flughafen abholt. Aber bei den Fortschritten hapert es ein bisschen. Man will es, aber es kommt nicht richtig ins Rollen. Die Behörden in Deutschland dagegen sind eher unfreundlich und umständlich, aber sie verfolgen einen klaren Plan, und wenn ich den erfülle, komme ich ans Ziel. Aber laut meiner Erfahrung – ich habe in der Spielindustrie viel mit Spanien zusammengearbeitet – kommen wir am Ende ans Ziel.

Wie restriktiv sind die Auflagen für bauliche Veränderungen?
Wir haben ein konkretes Konzept eingereicht, darunter etwa auch einen Pool, das ist bislang als machbar eingestuft worden. Aber das habe ich noch nicht schriftlich. Unsere Pläne sind allerdings auch sehr behutsam – da sind keine 20 Betten in einem Nebenhaus geplant.

Wie steht Mallorca mit dieser Initiative international da?
Leuchttürme werden weltweit nach und nach durch andere Sicherungssysteme ersetzt und zum Beispiel auch schon in Kroatien touristisch genutzt. Aber mit dem Ansatz, Leuchttürme für die private Nutzung freizugeben, die weiterhin noch in Betrieb sind, ist Spanien einen Schritt voraus. Inzwischen sind wir auch mit der griechischen Regierung in ähnlichen Gesprächen.


Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 6. November (Nummer 757) lesen Sie außerdem:

- Call-Center CCES24 wächst weiter
- Das neue Büro ist nur der Anfang: Podemos startet auf der Insel durch
- Ben Amics werden 20
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- Die Mandel im (Klima) Wandel: Problem Temperaturanstieg

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