Auf in die Geschenkeschlacht

Mit dem Black Friday ist auf der Insel das Weihnachtsgeschäft in die heiße Phase gegangen. Zugute kam die Verkaufsaktion vor allem den Warenhäusern. Dort wird auf Teufel komm raus auf Kredit gekauft

07.12.2014 | 11:19
Kaufen, kaufen, kaufen: Der Handel freut sich über ein gut anlaufendes Weihnachtsgeschäft
Kaufen, kaufen, kaufen: Der Handel freut sich über ein gut anlaufendes Weihnachtsgeschäft

Spätestens seit am Freitagabend (28.11.) in Palma die Weihnachtsbeleuchtung angeknipst wurde (s. S. 34-35), ist der Run auf die Weihnachtsgeschenke eröffnet. Diesmal fiel der Startschuss der Weihnachtszeit zusammen mit dem Black Friday, einer seit vergangenem Jahr auch auf Mallorca praktizierten Verkaufsidee aus den USA. In zahl­reichen Geschäften, vor allem den großen Einkaufszentren auf der Insel, gab es rund um das vergangene Wochenende Rabatte bis zu 50 Prozent auf ausgewählte Produkte. Zudem hatten viele bis Mitternacht geöffnet. Der Erfolg des Black Fridays gilt unter den Branchenvertretern als Indiz für ein gutes Weihnachtsgeschäft. Jedoch frohlocken manche mehr, manche weniger.

Anzeichen dafür, dass nach Jahren der Rezession auf Mallorca der Konsum wieder anzieht, gibt es noch weitere. Etwa die neuesten Zahlen des Nationalen Statistik-Instituts: Im Oktober wurde für die Balearen ein Umsatzanstieg im Einzelhandel von 6,7 Prozent gegenüber Oktober 2013 registriert. Damit lief zumindest in diesem Monat die wirtschaftliche Erholung auf den Inseln deutlich besser als im Landesdurchschnitt, wo der Prozentsatz nur um 2,1 gestiegen ist. Hauptgrund für die größere Kauflust dürfte die stetig abnehmende Zahl der Arbeitslosen sein.

Gerade die großen Shopping-Zentren auf der Insel profitierten vom Black Friday. So etwa der Elektronikfachmarkt Media Markt in Palmas Ocimax-Zentrum, der einen enormen Kundenansturm verzeichnete. „Wir haben an den drei Tagen 30 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr gemacht, wobei das auch daran liegt, dass wir 2013 schon Tage vor dem Black Friday eine große Rabattaktion hatten", sagt Filialleiter Florian Buch. Auch sonst laufe das Weihnachtsgeschäft wie geschmiert.

Ähnlich gut die Laune beim Warenhaus-Riesen El Corte Inglés. In den beiden Filialen an den Avenidas und Jaume III. sei der Zulauf am Wochenende sehr gut gewesen, sagt Pressesprecher Antonio Sánchez. Deutlich besser als im vergangenen Jahr. „Dieses Jahr waren viel mehr Geschäfte in der Innenstadt dabei, mehr Menschen haben den Black Friday wahrgenommen." Umsatzzahlen will Sánchez nicht nennen – „weil wir die von unseren Konkurrenten nicht kennen" –, auch hier aber ist der Trend für das Weihnachtsgeschäft eindeutig: „Wir erwarten in diesem Jahr zum ersten Mal seit 2007 wieder einen Umsatzanstieg." Die Menschen hätten wieder mehr Geld in der Tasche.

Den Freitag unterschätzt
Etwas vorsichtiger ist man bei Pimeco, dem Branchenverband, in dem sich vornehmlich kleinere Geschäfte zusammengeschlossen haben. Ihr Präsident Bernat Coll gibt gegenüber der MZ zu, dass man den Effekt des Black Friday unterschätzt habe. „Wenn wir geahnt hätten, dass das so viele Leute zum Einkaufen animiert, hätten noch viel mehr Geschäfte mitgemacht."

So sei der vergangene Freitag aus Sicht der kleineren Händler höchst unterschiedlich verlaufen. In manchen Straßen, so etwa in der Carrer Tous i Ferrer, wo ein kleines Orchester die Passanten unterhielt, seien die Verkäufe sehr gut ­gewesen. Andernorts, wo das Publikum nicht unterhalten wurde und viele Läden wie gewohnt nur bis 20 Uhr geöffnet hatten, habe man von den Menschenmassen nichts mitbekommen. „Wir müssen uns da für das kommende Jahr besser absprechen", sagt Coll.

Was das Weihnachtsgeschäft angehe, könne er bisher nur Schätzungen abgeben. Zwischen „einem und vier Prozent", mehr Umsatz erhofft sich Coll. Wenn die Temperaturen jetzt endlich fallen sollten, würden die Menschen zum Kauf von Winterjacken oder Stiefeln animiert werden.

Gelegenheit dazu gibt es in den kommenden Wochen genug. Neben den üblichen Öffnungszeiten sind auch die Sonntage 7.12., 14.12., 21.12. und 28.12. verkaufsoffen. Ab dem 7. Januar, nach den Heiligen Drei Königen, beginnen dann wieder die rebajas, der mittlerweile nicht mehr gesetzlich festgelegte Schlussverkauf.

Pump ist Trumpf
Auch sonst läuft vieles wie gehabt. Während in den kleineren Geschäften meist noch bar oder zumindest mit Karte an Ort und Stelle bezahlt wird, leben die Warenhäuser stark vom Konsum auf Pump. Vor allem El Corte Inglés hat sich in den vergangenen Jahren zum­ Spezialisten für Finanzierungsangebote entwickelt. Größere Anschaffungen werden sehr häufig in Raten gezahlt.

In diesem Jahr, so Sprecher Antonio Sánchez, habe man neue Kleinstkredite im Wert von 300 oder 600 Euro konzipiert. Der Kunde kann diesen Betrag vor Weihnachten ausgeben, gezahlt wird dann ab dem 28. Februar 2015 – je nach Wunsch auch in Raten.

Während die meisten Finanzierungsangebote des Corte Inglés keine Zinsen vorsehen, wird bei den Mikrokrediten ein kleiner Beitrag fällig. Gerade auf Mallorca spiele das Kaufen auf Pump eine wichtige Rolle: „Das hängt damit zusammen, dass viele Menschen hier nicht das ganze Jahr über regelmäßige Einnahmen haben", vermutet Sánchez. Generell funktioniere die Zahlung gut, natürlich gebe es immer auch Menschen, die die Raten doch nicht begleichen könnten. „Meist einigt man sich dann mit längeren Fristen." Im Extremfall komme es allerdings zum Gerichtsverfahren.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 4. Dezember (Nummer 761) lesen Sie außerdem:

- Balearen bei Arbeitsunfällen spanienweit an der Spitze
- Hoffnung für unerreichbare Kapelle: Neue Zufahrt für Consolació
- Air Berlin schließt Pakt mit Palma
- Altes Dilemma: Neue Endesa-Stromrechnung im MZ-Check
- Polizei fasst Steinewerfer

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