Ein Jahr ohne Malén

Am 2. Dezember 2013 verschwand spurlos bei Son Ferrer in Calvià ein 15-jähriges Mädchen. Kundgebung am Sonntag (30.11.) in Santa Ponça

01.12.2014 | 10:14
Mit Fotos wie diesen suchen Familie und Freunde im Internet die vermisste Malén Ortiz. Fotos: Facebook Malén Zoe Ortiz desaparecida
Mit Fotos wie diesen suchen Familie und Freunde im Internet die vermisste Malén Ortiz. Fotos: Facebook Malén Zoe Ortiz desaparecida

Viele sind mittlerweile abgerissen, doch an einigen Orten auf Mallorca hängen sie noch, die Din-A4-Blätter mit dem Schwarz-Weiß-Foto von Malén Ortiz. 40.000 Kopien haben ihre Familienangehörige und Freunde verteilt, um Hinweise auf ihren Verbleib zu erhalten – und auch, damit sie nicht in Vergessenheit gerät. Am Sonntag (30.11.) versammelten sich zudem rund hundert Personen in Santa Ponça, um an das Schicksal zu erinnern.

Seit knapp einem Jahr fehlt jede Spur von dem Mädchen, das am 2. Dezember 2013 irgendwo zwischen Magaluf und der benachbarten Wohnsiedlung Son Ferrer verschwand.

Bis heute weiß niemand, was damals geschah. Nur die letzten Minuten vor ihrem Verschwinden konnten die ermittelnden Polizei­beamten rekonstruieren. Malén, die im Alter von fünf Jahren aus Argentinien auf die Insel kam, lebte ebenso wie ihr drei Jahre jüngerer Bruder bei ihrem Vater Alejandro Ortiz in Cala Vinyes. Die Eltern hatten sich schon vor Jahren getrennt.

Am Tag ihres Verschwindens fiel dem Mädchen auf dem Heimweg von der weiterführenden Schule in der Siedlung Galatzó auf, dass sie ihren Haustürschlüssel vergessen hatte. Sie stieg an der Bushaltestelle vor der Touristen­attraktion „Pirates Adventure" in Magaluf aus und rief um 15.25 Uhr zunächst ihren Freund an, um zu fragen, ob sie bei ihm vorbeikommen könne. Gegen 15.30 Uhr wollte sie auch ihrem Vater Bescheid sagen, erreichte in dessen Büro aber nur die Sekretärin. Sie richtete ihm aus, dass sie bei ihrem Freund zu Mittag essen werde.

Dann machte sich Malén mit ihrem neongrünen Skateboard auf in Richtung der Wohnung ihres Freundes in Son Ferrer. Aufnahmen einer Sicherheitskamera an der Straße zwischen den beiden Orten zeigen, wie das mit rosafarbenen Turnschuhen, löchriger Jeans und Jeansjacke bekleidete Mädchen vorbeilief – es sollte das letzte Lebenszeichen sein. Um 15.40 Uhr wurde ihr Handy ausgeschaltet, am Abend meldete ihr Vater sie bei der Polizei als vermisst.

Ortspolizei, Feuerwehr und Guardia Civil durchkämmten daraufhin tagelang die Umgebung von Son Ferrer. Auch der Aussage eines Zeugen, er habe sie am Nachmittag ihres Verschwindens in Begleitung eines Jugendlichen auf dem Weihnachtsmarkt in Santa Ponça gesehen, gingen die Beamten nach – ohne Erfolg.

Zunächst mehrten sich die Hinweise auf ein freiwilliges Verschwinden. Nicht zuletzt wegen eines Videos, das der Vater im Internet veröffentlichte und auf dem er Malén bat, zurückzukehren – jeder begehe mal einen Fehler, hieß es darin, über alles lasse sich reden. Auch die Mutter des Mädchens, die vier Tage nach dessen Verschwinden von einer ­Asienreise auf die Insel zurückkehrte, wandte sich per Video an Malén und flehte sie an, zurückzukehren.

Die Suche nach dem Mädchen ging weiter, doch mittlerweile erwartete man bereits das Schlimmste: Per Hubschrauber flog die Polizei die Küste rund um Magaluf ab, über unzugänglichem Gebiet kamen Drohnen mit Kameras zum Einsatz, Taucher suchten die Seen des benachbarten Golfplatzes ab, eine eigens aus Madrid eingeflogene ­Hundestaffel durchstreifte die Wohnung von Maléns Freund sowie ein verlassenes Grundstück, das als Jugendtreffpunkt galt – vergebens.

Maléns Vater Alejandro Ortiz setzte eine Belohnung für Hinweise über den Verbleib seiner Tochter aus. Zunächst 3.500 Euro, wenige Wochen später erhöhte er die Summe auf 30.000 Euro, die Freunde und Familie zusammengelegt hätten. Im Mai 2014 legte Ortiz nach und bot 80.000 Euro. Doch niemand meldete sich.

Schon kurz nach ihrem Verschwinden riefen Vater und Freunde zu Gedenkmärschen für Malén auf, liefen symbolisch die Strecke ab, die das Mädchen als letztes zurücklegte – das tun sie immer noch, an jedem 2. eines Monats.

Anfang 2014 gab es kurz Hoffnung: Auf Maléns Seiten in den sozialen Netzwerken beobachtet die Polizei Aktivitäten. Die Ermittlungen aber ergaben, dass es nicht die Verschwundene selbst war, die Freundschaftsanfragen bestätigte und Mails verschickte, sondern eine computerbegabte 18-Jährige, die Malén zwar nicht kannte, durch ihre Aktion aber helfen wollte, sie zu finden.

Für Verwirrung sorgte im Juli die Meldung, dass Alejandro Ortiz wegen Misshandlung einer Ex-Freundin verhaftet worden war – er wurde wieder freigelassen, darf sich der Frau und deren Mutter aber nicht mehr nähern. Mit dem Verschwinden Maléns, betonte die Polizei damals, habe das nichts zu tun.

Auf einer eigens angelegten Internetseite stellte Ortiz schon im Januar Fotos seiner Tochter ein, auch bei Facebook gibt es eine Seite für Malén – hier haben ihre Freunde unter anderem zum 16. Geburtstag am 28. Oktober gratuliert. Am Sonntag (30.12.) wollen sie sich zum Jahrestag von Maléns Verschwinden erneut treffen. Damit die Polizei nicht aufhört, zu suchen. Und damit das Mädchen nicht in Vergessenheit gerät.

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