Richter empfiehlt Anklage gegen 55 Hells Angels

Gut eineinhalb Jahre nach der Großrazzia auf Mallorca will der Madrider Untersuchungsrichter Eloy Velasco Mitgliedern und Komplizen des Rocker-Clubs den Prozess machen

04.02.2015 | 12:07
Rockerboss Frank Hanebuth im Juli 2013 nach seiner Festnahme in Lloret de Vistalegre.

Gut eineinhalb Jahre sind vergangen, seit bei einer Großrazzia auf Mallorca 24 Personen aus dem Umfeld der Hells Angels zumindest vorübergehend festgenommen worden. Nun hat sich endlich der ermittelnde Richter in Madrid, Eloy Velasco, zu Wort gemeldet und den lang ersehnten Abschlussbericht vorgelegt. Daraus geht hervor: Er will 55 Mitgliedern der Rockerbande beziehungsweise Komplizen den Prozess machen. Gegen die Verdächtigen soll unter anderem wegen Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, Zwangsprostitution, Menschenhandel, Betrug, Freiheitsberaubung und Geldwäsche Anklage erhoben werden.

Velasco bemüht dazu ein sogenanntes "beschleunigtes Verfahren". Gegen die Rocker wird bereits seit 2009 ermittelt. Zudem stellte Velasco den Antrag an die Staatsanwaltschaft, gegen elf weiter Verdächtige, denen man bisher nicht habhaft wurde, Haftbefehle zu erlassen.

Teils gegen Kautionszahlungen sind inzwischen bis auf Rockerboss Frank Hanebuth und einen seiner mutmaßlich wichtigsten Handlanger auf der Insel, einen der Youssafi-Brüder, alle im Juli 2013 Festgenommenen wieder auf freiem Fuß . Einem Gerichtssprecher in Madrid zufolge dürfen sie aber das Land bis auf Weiteres nicht verlassen. Hanebuth wurde nach rund drei Monaten vom Gefängnis in Palma in eine Haftanstalt in Cádiz in Südspanien verlegt.

In dem 95 Seiten umfassenden, nun vorgelegten Ermittlungsbericht heißt es, dass eine der Hauptaktivitäten der Hells Angels auf Mallorca die Zuhälterei gewesen sei. Hierzu sollen die Rocker junge Frauen auf die Insel gebracht und zur Prostitution gezwungen haben. Auch von Geldwäsche und Scheinfirmen ist die Rede. Zum Kreis der Festgenommenen zählten 2013 auch drei spanische Polizisten, die den Rockern Informationen beschafft und deren kriminelle Machenschaften gedeckt haben sollen.

Hinter den Hells Angels waren die Ermittler bereits seit 2009 her, als diese auf Mallorca ein eigenes Chapter gegründet hatten. 2011 wurde der Insel-Ableger, an dessen Aufbau laut Ermittlungsbericht maßgeblich aus der Türkei nach Mallorca übergesiedelte Hells Angels beteiligt gewesen sein sollen, jedoch nach einer Massenschlägerei mit Mitgliedern des Gremium-Motorradclubs wieder aufgelöst. Ende 2012 startete dann eine zweite Gruppe einen Neuanlauf. Im Zuge dessen soll sich wenige Monate vor der Großrazzia auch der früher in Hannover agierende Rockerboss Hanebuth auf der Insel niedergelassen haben.

Laut einer vorherigen Version dieses Artikels ist die Anklage bereits erhoben worden. Richtig ist: Der Untersuchungsrichter empfiehlt sie.

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