Hells Angels: Was gibt die Akte her?

Ein Blick in den Ermittlungsbericht zeigt: Die Youssafi-Brüder haben mehr auf dem Kerbholz als Hanebuth. Und: Viele Beweise gibt es nicht

25.02.2015 | 17:35
Hanebuth wird dem Haftrichter vorgeführt, die beim Rocker-Boss gefundene Kutte, Kahlil Youssafi bei seiner Festnahme (v.li.).

Rund 60 Seiten umfasst der vergangenen Woche vorgelegte Abschlussbericht, in dem Richter Eloy Velasco die Machenschaften der Hells Angels teils sehr detailliert rekonstruiert. Ob all die Indizien und Beweise, die größtenteils auf Telefonmitschnitten, Zeugenaussagen und bei der spanischen Polizei erstatteten Anzeigen beruhen und in dem Dokument recht wirr und zusammenhangslos wiedergegeben werden, am Ende für eine Verurteilung ausreichen, ist allerdings weiterhin fraglich. Bisher hat die Madrider Staatsanwaltschaft nicht einmal entschieden, ob sie überhaupt gegen alle oder einen Teil der 55 Beschuldigten Anklage erheben wird. Obwohl Velasco sich eine Entscheidung innerhalb von 15 Tagen ausbat, werde es in diesem Fall um einiges länger dauern, da erst einmal alle Beteiligten die Unterlagen erhalten und Übersetzungen angefertigt werden müssten, teilte ein Gerichtssprecher mit. Die MZ warf unterdessen einen Blick in den Ermittlungsbericht.

Die Strippenzieher

Beim ersten Anlauf der Hells Angels, ein Mallorca-Chapter zu installieren, spielten im Herbst 2009 laut Ermittlungsbericht das Chapter Luxemburg Nomads und dessen Präsident Fardad Bagherzadeh eine tragende Rolle. Auch Necati Arabaci, damaliger Präsident des Chapters Nomads Turkey in Izmir und seit Hanebuths Inhaftierung als neuer, jedoch selbst in Rocker-Kreisen umstrittener, Europa-Boss im Gespräch, soll 2010 auf der Insel gewesen sein. Die Posten im ersten Mallorca-Chapter wurden weitgehend mit Gefolgsleuten von Bagherzadeh und Arabaci, die Richter Velasco per internationalem Haftbefehl dingfest machen will, besetzt. Präsident wurde der aus der Türkei übergesiedelte Evangelos C. Zu seinen wichtigsten Handlangern sollen die Brüder Khalil und Abdelghani Youssafi gezählt haben, die damals noch den Anwärterstatus „Prospects" hatten und Anfang 2011 zu Mitgliedern ernannt wurden.
Nach der Auflösung des Mallorca-Chapters Ende 2011 wurde Ende 2012 erneut versucht, auf der Insel Fuß zu fassen. Dieses Vor­haben steht laut Ermittlern in direktem Zusammenhang mit Frank Hanebuth. Bereits im Oktober 2011 soll er zusammen mit den Youssafi-Brüdern nach Madrid geflogen sein, um bei den spanischen Hells Angels wegen einer Club-Neugründung vorzusprechen. Khalil wurde im neuen Chapter schließlich zum Vizepräsidenten, Abdelghani zum Schatzmeister. Als Präsident fungierte ein gewisser Norbert K., wobei der nur als Strohmann diente und der wahre Chef Hanebuth gewesen sein soll. Hierfür spricht Velasco zufolge auch, dass man unter seinen Habseligkeiten bei der Großrazzia im Juli 2013 auf Mallorca die Kutte mit der Aufschrift „President Mallorca" fand.

Die Anklagepunkte

Das mit Abstand längste Sünden­register haben Khalil und Abdelghani Youssafi. Ihnen legt Velasco 13 bzw. 11 Straftatbestände zur Last, darunter Menschen- und Drogenhandel, Zwangsprostitution, Geldwäsche, Erpressung und Strafvereitelung. Frank Hanebuth müsste sich hingegen nur wegen sechs Straftatbeständen verantworten. Sein Hannoveraner Anwalt Götz von Fromberg ist deshalb immer noch gelassen: „Wenn das alles ist, bin ich nach wie vor optimistisch." Fast allen Beschuldigten – mit Ausnahme einiger Polizisten – wirft Velasco Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor. In der Liste der Anzuklagenden finden sich auch die Frau von Khalil Youssafi und die Lebensgefährtin von Hanebuths Vertrautem Paul Engelke, der Nötigung, Bedrohung und Geldwäsche vorgeworfen wird. Auch sie lebte auf der Finca in Lloret de Vistalegre auf Mallorca, wo die beiden Männer 2013 verhaftet wurden.

Frauenhandel und Prostitution

Dem Bericht zufolge soll Hanebuth über die Youssafi-Brüder und andere Mittelsmänner für 120.000 Euro die Table-Dance-Bar Red Palace an der Playa de Palma und für 150.000 Euro den Club 97 im Gomila-­Viertel erworben haben. In beiden Etablissements sollen Frauen, die unter anderem aus Deutschland auf die Insel gebracht wurden, zur Prostitution gezwungen worden sein. Für die Koordination war maßgeblich Khalil Youssafi verantwortlich, der in Telefonaten von „vier Stück, zwei Tänzerinnen und zwei normale" spricht oder für ein Event um „ein bisschen Material" bittet. Wie aus den Abhörprotokollen hervorgeht, verdienten die Frauen pro Tag 25 Euro plus 50 Prozent ihrer Einnahmen und wurden je nach Bedarf zwischen den Clubs hin- und hergeschickt. In mehreren Fällen sollen die Frauen zu Schönheitsoperationen genötigt worden sein, da sie als Prostituierte nicht „mit schwarzen Zähnen und kleinen Brüsten" herumlaufen könnten. Als Beweise werden zudem die Aussagen von drei Tschechinnen angeführt, die im Mai 2013 Anzeige erstatteten. Ihnen hatte man Jobs als Hostessen versprochen, doch
stattdessen sollten sie anschaffen gehen. Als sie sich weigerten, wurden sie in einer Wohnung in Can Pastilla eingesperrt. Bereits Ende 2011 hatte ein Deutscher Anzeige erstattet, weil seine Tochter – die zugleich die Lebensgefährtin von Abdelghani Youssafi sein soll – zur Prostitution gezwungen wurde. Daneben wussten die Ermittler von einem Treffen zwischen Hanebuth und Luigi de M., dem vor einigen Wochen wegen mutmaßlicher Geldwäsche und Steuerhinterziehung festgenommenen Betreiber des Globo Rojo. Der Kauf von Palmas bekanntestem Bordell hätte mit Geld aus der Schweiz finanziert werden sollen, letztlich kam das Geschäft aber nicht zustande.

Die Komplizen von der Polizei

Rückendeckung erhielten die Hells Angels dem Bericht zufolge von mindestens vier Polizeibeamten. Die wichtigste Rolle soll Ortspolizist Nicanor G. gespielt haben, der Khalil Youssafi vor Kontrollen und Razzien seiner Kollegen im Red Palace und anderen Lokalen warnte. Zu den Beschuldigten zählt außerdem Carlos V. von der Policía Local, der unter anderem nach einer Messer­stecherei die Anzeige gegen einen Hells Angels gelöscht haben soll – gegen Bezahlung.

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