Mallorca-Wahlkampf in Berlin

Auf der ITB ging es am Mittwoch (4.3.) weniger um Geschäftsabschlüsse als politische Stimmungsmache

05.03.2015 | 13:08
Optimismus allerorten: Tourismusminister Martínez im Gespräch mit Meliá-Hotelier Gabriel Escarrer.

Eigentlich dreht sich auf der ITB in Berlin ja alles um den Tourismus. Doch in diesem Jahr scheint unter der geschäftigen Oberfläche an allen Ecken und Enden der beginnende Wahlkampf auf den Balearen hervor. Und da die Reiseveranstalter erst am zweiten Tag der ITB (5.3.) ihre Buchungsprognosen für das Inselgeschäft abgeben, bot der Eröffnungstag am Mittwoch reichlich Gelegenheit für Stimmungsmache.

Das beginnt bei der zweiten Vorsitzenden des mallorquinischen Hoteliersverbands (FEHM), Inma de Benito, die der Presse ungefragt erklärte, welch große Bedrohung die von den balearischen Linksparteien geforderte Wiedereinführung der Ökosteuer für die Inselwirtschaft bedeuten würde. Es setzte sich fort bei allerhand Gesprächen mit Vertretern der Reiseveranstalter, die explizit „die hervorragende Tourismuspolitik der vergangenen vier Jahre" lobten, sich dann aber auf Gegenfragen zu den Parteien Podemos, Més und Co „auf gar keinen Fall in die lokale Politik der Zielgebiete einmischen" oder auch nur dazu äußern wollen.

Und es endete mit dem Eigenlob des balearischen Tourismusministers Jaime Martínez (Volkspartei, PP), der mit Zahlen nur so um sich schmiss: In der noch laufenden Nebensaison wurden 20 Prozent mehr Gäste verzeichnet als im Vorjahr, bereits jetzt seien im Ministerium 25 weitere Renovierungsprojekte von Hotels eingereicht worden, und zu Ostern 2015 hätten mit 80 Prozent so viele Häuser geöffnet wie schon lange nicht mehr. Selbstverständlich alles dank des unter der Regierung von José Ramón Bauzá erarbeiteten Tourismusrahmengesetzes.

Dass der spanische Industrie- und Tourismusminister José Manuel Soría sein Erscheinen auf der ITB schon im zweiten Jahr in Folge verdächtig kurzfristig absagte, dürfte dem gemeinen Mallorca-Urlauber wohl relativ egal sein. Nur am Stand der Inseln wird hinter vorgehaltener Hand geschimpft, dass Sorias´ Abwesenheit nicht eben von Wertschätzung des für die spanische Tourismuswirtschaft bedeutenden deutschen Marktes zeuge.

Andererseits hätte der PP-Politker, der sich mit seinem Parteikollegen Bauzá wegen dessen vordergründiger Opposition in Sachen Erdölbohrungen vorsichtig ausgedrückt wohl nicht mehr ganz so gut versteht, wohl ohnehin nur die erneut rekordverdächtige bevorstehende Saison gelobt. Und das kriegt sein balearisches Pendant auch ganz ohne ihn hin: Die Aussichten auf die Hauptsaison sind natürlich hervorragend, nach dem Spitzenjahr 2014 erwarte man ein noch besseres 2015.

Ziemlich genau das war auch schon auf der letzten ITB verkündet worden. Dass es dann nur 1,4 Prozent mehr deutsche Urlauber als 2013 waren und die Einkünfte aus dem Tourismus trotz eines erneuten Rekordsommers 2014 nicht wirklich wuchsen, hat alles seine Gründe: Der deutsche Markt sei auf der Insel schon so stark vertreten, dass die Zuwachsraten per se nur marginal sein könnten. Und dass trotz mehr Besuchern die Einnahmen nicht steigen, liege an der immer kürzeren Verweildauer auf der Insel: Während sich die Deutschen früher durchschnittlich 13 Tage am Strand aalten, sind es heute nur noch acht Tage.

Und daran kann, so scheint es, auch das von Politikern, Veranstaltern und Hoteliers allseits so viel gelobte neue Tourismusrahmengesetz nichts ändern.

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