Bischof von Mallorca verhindert Kunstraub durch Nonnen

Die Schwestern versuchten am Dienstag (19.5.), heimlich Bilder aus ihrem früheren Konvent wegzuschaffen

20.05.2015 | 10:43
Die Arbeiter mussten die Altarbilder auf Anordnung des Erzbischofs wieder abladen.

Im letzten Moment ließ der Bischof von Mallorca eingreifen – und so eine Kunstraub der eher ungewöhnlichen Art verhindern. Denn die Auftraggeber, die am Dienstag (19.5.) einen Lastwagen zum früheren Kloster Sant Jeroni in Palma de Mallorca bestellt hatten, waren keine kriminelle Bande – sondern Hieronymitinnen, die Ordensschwestern, die bis Juni 2013 in dem Konvent gelebt hatten.

Offenbar hatten die Nonnen seit ihrem Auszug schon bei früheren Gelegenheiten wertvolle Möbel und katalogisierte Gegenstände aus dem Kloster mitgenommen – der Orden und das Erzbischoftum streiten seit Jahren um die Besitzverhältnisse rund um das Kloster, derzeit liegt die Angelegenheit bei Gericht. Die Nonnen beanspruchen den aus dem 15. Jahrhundert stammenden Besitz ebenso für sich wie das Bistum.

Der Versuch, am Dienstag zahlreiche historische Altarbilder von unschätzbarem Wert abtransportieren zu lassen, scheiterte am Eingreifen eines Stellvertreters von Bischof Javier Salinas. Als dieser gegen 13 Uhr vor Ort erschien, hatten die von den Nonnen beauftragten Arbeiter bereits einen Großteil der Bilder auf den Lkw geladen. Weder waren die Arbeiter für einen solchen Kunsttransport geschult, noch handelte es sich um ein für solche Zwecke geeignetes Fahrzeug.

Zudem war kein Vertreter des Inselrates anwesend, der für die Überwachung von geschützten Kulturgütern zuständig ist. Das gesamte Kloster hat den Status eines BIC (bien de interes cultural), weshalb keinerlei Gegenstände daraus entwendet werden dürfen.

Laut Augenzeugen kam es zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen der Oberin des Hieronymitinnen-Klosters in Inca und dem Kirchenvertreter. Das Kloster in dem Städtchen im Inselosten beherbergt die vier Nonnen, die als letzte im Sant Jeroni-Kloster in Palma gelebt hatten.

Noch ist unklar, ob die Nonnen die Bilder lediglich in das Kloster von Inca bringen lassen oder tatsächlich außerhalb der Insel verkaufen lassen wollten. In der Vergangenheit hatte der Orden, dessen oberste Vertreterin in Barcelona sitzt, auf dem Festland zahlreiche Gebäude aus dem eigene Besitz veräußert. /lex

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