Die Angst der Olivenbauern vor dem Feuerbakterium

In Italien hat der Erreger bereits Tausende Hektar vernichtet – nun soll auf der Insel mit Kontrollen vorgebeugt werden

28.05.2015 | 02:30
Befallene Olivenbäume in Italien: Wenn Blätter und Äste absterben, hilft nur noch der Kahlschlag.

Her mit den Papieren, heißt es in den kommenden Wochen auf der Insel – doch ausnahmsweise bezieht sich die Ausweiskontrolle nicht auf Menschen, sondern auf Pflanzen. Den Gärtnereien und Baumschulen auf den Balearen stehen Inspektionen von Mitarbeitern des Landwirtschaftsministeriums ins Haus – die Besuche sind Teil eines Kontrollplans, den die Autonomen Regionen gemeinsame mit dem zuständigen Ministerium in Madrid erarbeitet haben. Die darin festgehaltenen Maßnahmen sollen verhindern, dass sich das Bakterium Xylella fastidiosa von Italien aus nach Spanien und auf die Inseln ausbreitet. Sollte das nicht gelingen, steht den Olivenbauern ein Albtraum bevor: Schon jetzt blicken sie bang nach Süditalien.

Dort wurde das Bakterium im Jahr 2013 bei Lecce in der Region Apulien erstmals offiziell nachgewiesen und vernichtete seither bereits 100.000 Hektar Olivenbäume – das entspricht in etwa einem Drittel der Fläche Mallorcas. Ein Heilmittel gibt es nicht, derzeit kann man die weitere Ausbreitung nur verhindern, indem man die befallenen Bäume fällt und samt Wurzel verbrennt.

Damit die mehrere hundert Jahre alten Olivenbäume in der Serra de Tramuntana, deren Anblick nicht nur Urlauber in Entzücken versetzt, diesem Schicksal entgehen, sind nun Andreu Juan und seine Mitarbeiter gefragt. Der für Pflanzen­gesundheit zuständige Abteilungsleiter beim Landwirtschaftsministerium in Palma erklärt, was es mit dem Kontrollplan auf sich hat: „Wir werden in den Gärtnereien eine ganze Liste verschiedener importierter Zier- und Nutz­pflanzen auf einen möglichen Befall unter­suchen." Zudem nehmen die Inspektoren auch in den Anbau­gebieten auf den Inseln Kontrollen vor – und zwar nicht nur bei Oliven-, sondern auch bei Zitrusbäumen und in den Weinstöcken. Denn das sogenannte Feuerbakterium befällt eine Vielzahl von Wirtspflanzen: Der in Apulien wütende Erreger wurde Wissenschaftlern zufolge über den Import von Oleander und Kaffee-Ziersträuchern aus Puerto Rico eingeschleppt.

Auf dem amerikanischen Kontinent ist das Bakterium seit Langem gefürchtet: In Südamerika vernichtete es ganze Zitrusernten, in Nordamerika machte es den Weinbauern schwer zu schaffen. In Italien hingegen, erklärt Experte Juan, wüte ein Stamm der Xylella fastidiosa, der bisher ausschließlich Olivenbäume betreffe – zumindest auf den ersten Blick. „Es gibt auch Pflanzen, die zwar infiziert sind, selbst aber keine Symptome aufweisen", so Juan – dies sei gerade bei den Kaffeepflanzen der Fall, in denen das Bakterium nach Europa gekommen ist.

Übertragen wird die Krankheit durch Insekten: In Apulien ist es der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA zufolge vor allem die Wiesenschaumzikade Philaenus spumarius, die den Erreger als sogenannter Vektor von Pflanze zu Pflanze transportiert. Die blattsaugenden Tiere ernähren sich von den Säften mediterraner Nutzpflanzen wie Oliven-, Mandel- oder Zitrusbäumen, nehmen das Bakterium dabei auf und verbreiten es weiter. Der Erreger wiederum breitet sich im sogenannte Xylem aus, dem Leitgewebe, mit dessen Hilfe innerhalb des Baumes Wasser und Nährstoffe transportiert werden – so lange, bis die Bakterien die Leit­bahnen verstopfen. Blätter und Zweige infizierter Bäume bekommen zunächst trockene Stellen, verwelken dann und werden am Ende ganz abgeworfen.

Die Schutzmaßnahmen, die Juan und Kollegen nun treffen, sind von der EFSA empfohlen worden: Die europäische Behörde sieht bislang keine andere Möglichkeit, als den Import von potenziellen Wirtspflanzen sorgfältig zu überprüfen. Die Kontrolle von Pflanzen und Sträuchern aus Südamerika und Afrika übernehmen Zollbeamte deshalb schon in den Häfen der Insel, bereits eingeführte Gewächse werden in den Baumschulen, die sie zum Kauf anbieten, untersucht. „Das sind auf allen vier Inseln eine ganze Menge Pflanzen", so Juan. Die aufwendigen Kontrollen hält er für mehr als angebracht – kämpft er mit dem Palmrüssler doch schon seit Jahren gegen einen anderen Pflanzenschädling, der durch striktere Präventions­maßnahmen vielleicht gar nicht auf die Insel gelangt wäre.

Doch während die befallenen Palmen nur Zierpflanzen sind, geht es bei den Olivenbäumen um geschätzte Nutzpflanzen, die einen nicht unwesentlichen Teil zur Inselwirtschaft beitragen: Auf Mallorca beträgt die Anbaufläche für Olivenbäume 8.100 Hektar, allein ein Viertel davon liefert das mit einem eigenen Qualitätsgütesiegel (DO) ausgezeichnete „Oli de Mallorca". Den Olivenölproduzenten, aber auch den Besitzern von Mandel- und Zitrusfrüchteplantagen soll nun mit Prospekten und Informationsveranstaltungen erklärt werden, welche Vorsichtsmaßnahmen das Ministerium ergreift. Grund zur Panik sieht Juan derzeit noch nicht. „Aber man muss da schon vorsichtig sein", fügt er hinzu. Und verzieht sein Gesicht, als habe sich gerade der Palmrüssler in sein Gedächtnis gebohrt.

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