Nun müssen die Briten dran glauben

In der skandalumwobenen Urlauber-Hochburg ist das viel diskutierte Regelwerk in Kraft getreten. In der Nacht zum Mittwoch (10.6.) griff die Polizei nicht ein

10.06.2015 | 10:51
Nun müssen die Briten dran glauben

Nach Inkrafttreten der Benimm-Regeln im Urlauberdorado Magaluf im Westen von Mallorca haben sich junge Urlauber in der Nacht zum Mittwoch (10.6.) ungeachtet der Anwesenheit von Polizisten mit nackten Oberkörpern im Freien gezeigt. Zudem tranken einige von ihnen Alkohol. Beides ist dem am 21. Mai verabschiedeten Regelwerk zufolge eigentlich verboten.

Dass die Polizei nicht eingriff, dürfte mit dem Machtvakuum nach dem Ausgang der Regionalwahl am 24. Mai zu tun haben. „Bürgermeister Manuel Onieva ist geistig schon aus dem Amt geschieden", so Pep Tirado, Vorsitzender des Verbands der touristischen Einzelhändler und Dienstleister (Acotur), über den abgewählten Politiker der konservativen Volkspartei (PP). Wie er bei einem Besuch im Rathaus festgestellt habe, sei weder eine Sondereinheit zur Kontrolle gebildet worden, noch der versprochene Flyer für die großangekündigte Informationskampagne gedruckt worden.

Dass in Magaluf, wo bislang Alkohol- und Sex-Exzesse das Image bestimmen, von nun an dennoch andere Seiten aufgezogen werden, daran ließ zumindest Rathaus-Sprecher Juan Feliu keinen Zweifel. Auch ohne Sondereinheit und Broschüren werde die Polizei nun kontrollieren und aufklären, sagte er. Die Gnadenfrist für Geldbußen gelte zudem ausschließlich für die Auflagen zum Alkoholkonsum. Sowohl hinsichtlich der neuen Vorschriften für die umstrittenen Kneipen­touren (Pubcrawling) als auch bei Urlaubern, die etwa blank ziehen, gebe es von Anfang an Geldbußen.

Die Benimm-Regeln der Gemeinde Calvià waren nach dem Vorbild derer der Playa de Palma gestrickt und nach langer Debatte am 21. Mai einstimmig verabschiedet worden. Statt einem eigenen neuen Regelwerk änderte der Gemeinderat drei bestehende Verordnungen. Fortan verboten ist etwa der Alkohol­konsum auf offener Straße ab 22 Uhr, die Mitnahme von Glasflaschen an den Strand, Exhibitionismus, laute Musik und die Inanspruchnahme von sexuellen Dienstleistungen. Wirte dürfen Kneipen-Touren nur noch für maximal 20 Personen und höchstens einmal pro Abend anbieten und nicht mit Sex- oder Trinkspielchen werben.

Überblick: Die Regeln im einzelnen

Sichtbares Zeichen der neuen Auflagen ist ein gemeinsam mit dem Rathaus entworfenes Schild, das auf Spanisch und Englisch auf das Alkoholverbot verweist und in Lokalen und Pubs aufgehängt werden soll. „Wir wollen nach der Politik des Laissez faire nicht von einem Tag auf den anderen zum Polizeistaat werden", so Tirado. Nun müssten Unternehmer, Reiseveranstalter, Politik und Medien an einem Strang ziehen und vor allem Erziehungsarbeit leisten.

Wie lange die Übergangsfrist beim Alkoholkonsum gilt, ist ungewiss. „Ich glaube nicht, dass sich diesen Sommer noch etwas ändern wird", so Feliu. Er betont aber, dass Bars schon jetzt weder Gläser noch Plastikbecher mit Alkohol im Freien servieren dürften.

Und wie geht es an der Playa de Palma weiter?

Ohnehin wird es Sache der künftig regierenden Sozialisten (PSOE) sein, die an diesem Samstag (13.6.) Alfonso Rodríguez zum neuen Bürgermeister wählen wollen, den weiteren Kurs vorzugeben. Es dürfte sich wenig ändern: Schließlich hatte auch die PSOE als Opposition das neue Regelwerk mitgetragen. Und Rodríguez ist ebenfalls für harte Hand – wenn erst einmal die ­Informationsphase abgeschlossen ist.

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