Chiringuito mit Umwelt-Zertifikat: Die Zucchini baut der Chef an

Am Es Dolç-Strand in Colònia Sant Jordi setzt Betreiber Francisco Pizà auf Öko-Produkte – und lässt seine Mitarbeiter radfahren

03.07.2015 | 12:12

„Es ist der Weg, den wir gehen müssen. Ein anderer wird uns nicht bleiben", ist Francisco Pizà überzeugt – und hat deshalb Neuland beschritten. Jedes Jahr machte er die Bar am Strand Es Dolç in Colònia de Sant Jordi, die er mit seiner Firma Espai Nets seit 2007 betreibt, ein wenig umweltfreundlicher.

Und nun ist es vollbracht: Pizàs Chiringuito hat als erste Strandbar – nicht nur der Insel, sondern ganz Europas – das sogenannte EMAS-Zertifikat (Eco-Management and Audit Scheme) erhalten, das Unternehmen für besonders ressourcenschonendes und nachhaltiges Wirtschaften auszeichnet.

Mit ein bisschen Mülltrennen und Recycling war es aber freilich nicht getan, um sich mit dem Öko-Siegel schmücken zu dürfen. „Wir haben hier Solarzellen, Kühlschränke der Energieeffizienzklasse A+, stromsparende LED-Leuchten, umweltverträgliches Spülmittel, Servietten und Küchentücher aus Recyclingpapier", erzählt Pizà.

In der Küche setze man außerdem auf – größtenteils ökologisch angebaute – Produkte aus der näheren Umgebung. Der Tintenfisch werde zwischen Colònia und Cabrera geangelt, den Käse kaufe man bei einem Bauern in der Nähe – und Tomaten, Zwiebeln und Salat stammen sogar von Pizàs eigener Finca. „Die Kroketten machen wir selbst, mit Zucchini aus meinem Garten." Dazu werden frisch zubereitete Fruchtsäfte oder mallorquinischer Bio-Wein serviert.

Doch nicht nur in der Bar wird Umweltbewusstsein groß geschrieben – sondern am ganzen Strand. Espai Nets ist schließlich neben dem Chiringuito auch für den Liegen-, Sonnenschirm- und Tretbootverleih, die Rettungsschwimmer, die Reinigungskräfte für Es Dolç und den benachbarten Es Carbó-Strand und die Holzhäuschen mit Toiletten und Duschen zuständig. „Wir versuchen, so viel wie möglich mit umweltverträglichen Materialien zu arbeiten", sagt Pizà. Liegen und Tretboote etwa werden deshalb mit Öko-Farbe gestrichen, die Mitarbeiter tragen T-Shirts aus Bio-Baumwolle, und die WC-Spülung ist besonders wasserschonend. Außerdem hat Pizá seine Rettungsschwimmer verpflichtet, auch Verbandsmaterial oder Medikamentenreste korrekt zu entsorgen – und mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. „Bei denen, die hier im Ort wohnen, ist das doch kein Problem."

Die Sonnenschirme indes hat Pizà mit seiner Familie selbst angefertigt – aus Càrritx-Gras, das zuhauf in der Serra de Tramuntana wächst. „Wir schneiden es büschelweise ab, bringen es auf die Finca, wo wir es auslegen und von beiden Seiten gut trocknen, und dann wird es an einem Metallring befestigt", erklärt der Mallorquiner. Die Schirme seien wesentlich hübscher als handelsübliche Modelle – nur im Herbst müsse man darauf achten, sie vor den ausgiebigen Regenfällen einzuwintern. „Wenn sie feucht sind, fängt das Gras an zu modern und zerfällt im Frühjahr wie Staub", weiß der Unternehmer aus Erfahrung. Ja, umweltbewusstes Wirtschaften sei eben Ausprobieren und ein stetiger Lernprozess. Wobei er sich viel auf seinen Reisen nach Costa Rica abgeschaut habe, erzählt Pizà – und kommt fast ins Schwärmen. „Von diesem Land können wir uns eine Scheibe abschneiden. Ich habe bisher nirgends so viele Menschen getroffen, die echte Umweltschützer sind, aus Leidenschaft."

Auf Mallorca, ja in ganz Spanien dagegen denke kaum ein Unternehmer so wie er. „Was auch vollkommen logisch ist: Umweltfreundlich zu sein ist schließlich viel teurer als es nicht zu sein." Seine Bio-Baumwoll-Shirts etwa kosten ihn dreimal so viel wie die übliche Ware aus Fernost, für sein Öko-Spülmittel greift er gar zehnmal so tief in die Tasche wie für ein herkömmliches Produkt. Und sogar für das EMAS-Zertifikat selbst musste der Unternehmer zahlen.

Trotzdem ist Pizá überzeugt, dass die Rechnung am Ende auf­gehen wird. „Das lernt man doch in jedem Marketing-Grundkurs: Du musst anders sein als die Konkurrenz." Alleinstellungsmerkmale wie die inselweit beste Küche schieden für eine Strandbar, wo die logistischen Möglichkeiten sehr begrenzt sind, jedoch aus. „Und auch auf die besondere Schönheit der Bedienungen würde ich mich nicht verlassen", sagt Pizà – und setzte stattdessen auf den Umweltschutz.

Daran, dass ihm das EU-Öko-Siegel gute Werbung einbringt, besteht schon jetzt kaum ein Zweifel: Das Fernsehen war schon da, die Zeitungen sowieso. Und sogar Vertreter aus dem Umwelt­ministerium in Madrid haben sich das „grüne" Chiringuito neben örtlichen Politikern und Vertretern aus der Tourismusbranche vergangene Woche vor Ort angeschaut.

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