Ex-Ministerin: Krankenhaus-Vergabe wurde manipuliert

Aina Castillo sagte am Dienstag (1.9.) im Korruptionsfall Son Espases aus

02.09.2015 | 02:30
Aina Castillao am Dienstag (1.9.).

Die frühere balearische Gesundheitsministerin Aina Castillo hat eingeräumt, dass das Vergabeverfahren für den Bau des Landeskrankenhauses Son Espases auf Mallorca manipuliert wurde. Ex-Premier Jaume Matas habe Anweisung gegeben, bei dem Verfahren den Bauriesen OHL zu begünstigen, so die Ex-Politikerin bei ihrer Vernehmung durch Untersuchungsrichter José Castro am Dienstag (1.9.).

Die Ex-Ministerin konnte aber nach Angaben ihres Anwalts keine Informationen zu möglichen Schmiergeldzahlungen liefern. Sie habe lediglich im Auftrag von Matas einen Briefumschlag mit Anweisungen für die Bewertung der eingegangenen Angebote übergeben.

Das Krankenhaus ist das größte Bauprojekt der jüngeren Geschichte von Mallorca. Die Staatsanwaltschaft hatte im Juli offiziell Anklage erhoben. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass das Ausschreibungsverfahren in der Regierungszeit der Volkspartei (PP, 2003-2007) gleich mehrfach manipuliert wurde. Der Auftrag ging letztendlich nicht an den ursprünglichen Favoriten des Ex-Premiers – den Baukonzern OHL –, sondern an den Mitbewerber Dragados-FCC, hinter dem Florentino Pérez steht, Unternehmer und Präsident von Real Madrid.

Das undurchsichtige Vergabeverfahren ist nur ein Kapitel im Skandal um den Bau im Norden Palmas. Schon die Wahl des Standorts in unmittelbarer Nähe des historischen Klosters La Real sorgte für jahrelange Debatten und stellte das Mitte-Links-Bündnis, das den Bau in der Legislaturperiode 2007-2011 schließlich ausführte, vor eine Zerreißprobe. Der Kompromiss bestand in Nachbesserungen, um den Komplex besser in die Landschaft zu integrieren. Zusätzlich verzögerten archäologische Funde den Bau, der das zu klein gewordene Klinikum Son Dureta ersetzte. Eröffnet wurde Son Espases Ende 2010. Die Mehrkosten sollten sich auf 280 Millionen Euro belaufen.

Matas ist nach einer Haftstrafe in Segovia derzeit wieder auf freien Fuß. Gegen den langjährigen Balearen-Premier der Volkspartei PP (1996-1999 und 2003-2007) und spanischen Umweltminister (2000-2003) laufen zahlreiche weitere Verfahren wegen mutmaßlicher Korruptionsdelikte. Ermittelt wird im Fall Palma Arena wegen Unregelmäßigkeiten rund um den Bau der gleichnamigen Radsportarena sowie der angeblichen persönlichen Bereicherung des Ehepaares Matas.  /ff

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