Tödlicher Arbeitsunfall an der Playa de Palma: "Stress ist nie gut"

Nach dem Tod zweier Arbeiter auf der Baustelle eines künftigen Hotels am Montag (21.9.) hat sich herausgestellt, dass noch eine Baugenehmigung für die oberen Stockwerke fehlte

22.09.2015 | 14:58
Der Kran hob die heruntergekrachte Betondecke hoch, damit die Toten geborgen werden konnten.

Auf krachendes Getöse folgte unheimliche Ruhe. Von einem Moment auf den anderen standen am Montag (21.9.) kurz nach 11 Uhr vormittags alle Maschinen auf der Baustelle für das künftige Fünf-Sterne-Hotel Llaüt Palace an der Playa de Palma still. Die rund 80 Arbeiter, die seit knapp vier Monaten an der Kreuzung der Straßen Trobadors und Avenida América arbeiteten, hatten in diesem Moment zwei ihrer Kollegen verloren.

Die beiden 31 und 56 Jahre alten Spanier wurden beim Abbau mehrerer Stützstreben und einer Verschalung von einer Betondecke erschlagen und waren sofort tot. Zwei weitere Männer hatten Glück und wurden mit leichten Prellungen und Quetschungen in der Clínica Juaneda in Palma eingeliefert. Die Arbeiten auf dem Gelände wurden bis auf weiteres eingestellt.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass der Bauträger des Hotels bislang lediglich eine Baugenehmigung für das Erdgeschoss hatte. Das erklärte der zuständige Stadtrat von Palma, Antoni Noguera, am Dienstagmittag (22.9.). Die weiteren Stockwerke hätten einer weiteren Genehmigung bedurft, die offenbar nur noch eine Sache von rund zwei Wochen gewesen sei, denn der Sicherheitsplan war bereits abgesegnet. Trotzdem wollte der Bauträger offensichtlich nicht abwarten. "Stress ist nie gut", sagte Noguera in Anspielung auf den Zeitdruck bei den Arbeiten.

Die beiden Leichen zu bergen, war ein kompliziertes Unterfangen - die Betonkonstruktion, unter der die Männer begraben worden waren, hatte ein Ausmaß von etwa 30 Quadratmetern und wog rund 50 Tonnen. Ein großer Kran, der für die Bauarbeiten bereits auf dem Gelände stand, wurde deswegen zum Unglücksort gebracht.

Die Rettungskräfte mussten bei der Bergung der beiden Toten vorsichtig vorgehen, da die Konstruktion weiter nachgeben hätte können. Der erste Leichnam konnte gegen 14 Uhr abtransportiert werden, der zweite wurde erst kurz vor 15 Uhr aus dem Schutthaufen aus Beton, Metall und Holz befreit. Inzwischen waren auch Angehörige der beiden tödlich Verunglückten auf der Baustelle eingetroffen. Einer der beiden Männer hinterlässt eine Lebensgefährtin und eine sechsjährige Tochter. Die beiden Spanier galten als erfahrene Arbeiter.

Im Dunkeln liegen bisher die Ursachen für das Unglück. Die Kollegen der beiden Toten halten es für möglich, dass die beiden Spanier viel zu früh die Holzverschalung des noch nicht getrockneten Betons entfernt hatten. Nach Angaben der Arbeiter war die Betondecke erst am Donnerstag vergangener Woche gegossen worden, am Freitag folgten Detailarbeiten. Die Rede war zudem von "Leichtsinn", die Stützstreben und Holzverschalungen bereits drei Tage später wieder abzubauen. Üblich sei, dass etwa drei Wochen gewartet werde, bis der Beton wirklich getrocknet sei.

Standen die Arbeiter vielleicht unter Zeitdruck? Fest steht, dass der Betreiber des Hotels Llaüt Palace die Baugenehmigungen im Februar dieses Jahres erhalten hatte. Der Zeitraum der Arbeiten wurde auf zwei Jahre genehmigt. Doch der Plan der Verantwortlichen sah vor, das Hotel bereits im kommenden Mai zu eröffnen. Einige der Arbeiter sprachen von großem Stress auf der Baustelle, Kommentatoren im Internet war bereits aufgefallen, dass die Arbeiter nur kurze Pausenzeiten gehabt haben sollen. /jk

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