Korruptionsskandal in Palmas Ortspolizei weitet sich aus

Mehr als 20 Unternehmer werfen Beamten Erpressung vor - erneute Hausdurchsuchung in Polizeiwache - Stadtverwaltung kündigt Reformen an

30.10.2015 | 15:54
Die Ermittler sichern Beweismaterial.

Nach der vorläufigen Festnahme von acht Beamten der Ortspolizei in Palma de Mallorca am vergangenen Wochenende kommen immer mehr Details über die Vorwürfe ans Licht. So sollen die Polizisten im großen Stil Unternehmer des Nachtlebens an der Playa de Palma sowie in weiteren Vergnügungsvierteln erpresst haben. Bislang sind nach Informationen der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" Anzeigen von mehr als 20 Unternehmern eingegangen.

Betroffen sind demnach auch Lokale am Paseo Marítimo, an der Plaza Gomila sowie in Gewerbegebieten. Die beschuldigten Polizisten sollen mit zusätzlichen Kontrollen gedroht und Dokumente gefälscht haben. Unternehmer dagegen, die sich mit Präsenten oder Geld freikauften, seien von Inspektionen verschont oder vor ihnen gewarnt worden. In Folge der laut den Ermittlern bandenmäßig organisierten Erpressungen seien auch einige Läden Pleite gegangen.

Die Vorwürfe werden gegen neun Beamte erhoben, die am Sonntag festgenommen wurden. Darunter war - entgegen der Meldung des "Diario de Mallorca", die auch die MZ wiedergab - nicht Joan Miquel Mut, bis vor einigen Wochen Chef der Policía Local.

Mehrere der Polizisten waren schon im Zuge anderer Ermittlungen vorübergehend festgenommen worden – vor allem im Zusammenhang mit Bestechlichkeitsvorwürfen an der Partymeile der Playa de Palma.

Ermittler der Nationalpolizei nahmen unterdessen am Montag eine weitere Hausdurchsuchung in der Polizeiwache von San Fernando vor und stellten umfangreiches Beweismaterial sicher.

Die Stadtverwaltung von Palma de Mallorca kündigte unterdessen drastische Reformen und eine Restrukturierung an, um den bislang schwersten Korruptionsskandal in der Ortspolizei aufzuarbeiten. Mehrere Beamte seien vom Dienst suspendiert worden, andere habe man versetzt, hieß es in einer Pressekonferenz am Montag (26.10.). Betroffen seien nach jetzigem Kenntnisstand 25 von insgesamt 900 Ortspolizisten. /ff

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