Polizeiskandal: Ein Beamter wollte Sex mit Wirtsfrauen

Die Ermittlungen um die Polizisten, die die Betreiber von Bars und Diskotheken in Palma erpresst haben sollen, bringen immer mehr Details ans Tageslicht

30.10.2015 | 15:54
Beamte der Nationalpolizei stellten Akten in der Hauptwache der Policía Local in Palma sicher.

Die Abgründe im Korruptionsskandal um Palmas Policía Local werden immer tiefer: Wie die Vernehmung weiterer Lokalbetreiber ergab, soll einer der beschuldigten Polizisten von den Wirten sogar Sex mit deren Ehefrauen verlangt und im Gegenzug angeboten haben, die Lokale vor der Schließung zu bewahren. Dies berichtete die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" am Freitag (30.10.).

Einer der Betroffenen, ein aus der Dominikanischen Republik stammender Mann, erklärte gegenüber den Ermittlern, dass er sich auf das unmoralische Angebot eingelassen habe, weil die Bar die einzige Möglichkeit darstellte, finanziell über die Runden zu kommen. Ein weiterer Lokalbetreiber, der ebenfalls Anzeige erstattet hat, berichtete von einem ähnlichen Erpressungsversuch. Ob seine Frau und der Beamte letztlich Sex gehabt hätten, konnte der Mann aber nicht sagen.

Wegen des Verdachts, Betreiber von Bars und Diskotheken erpresst zu haben, die kein Schutzgeld zahlen oder nicht auf ihre Forderungen eingehehn wollten, wurden am Sonntag (25.10.) neun Beamten festgenommen, sieben von ihnen sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Allerdings ist Ermittlungsrichter Manuel Penalva überzeugt davon, dass die Polizisten, die der Kontrolleinheit Patrulla Verde sowie der Präventiveinheit GAP angehören, bei ihrem kriminellen Tun von hohen Mandatsträgern sowohl in der Polizeiwache als auch in Palmas Rathaus gedeckt wurden.

Wie im Rahmen der erneuten Festnahmen ans Tageslicht kam, sollen sich die kriminellen Machenschaften der Beamten nicht nur auf die Partymeile an der Playa de Palma beschränkt haben. Betroffen sind offenbar auch Lokale am Paseo Marítimo, an der Plaça Gomila sowie in mehreren Gewerbe­gebieten in Palma. Bislang liegen der Polizei nach Informationen der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca" Anzeigen von mehr als 20 Unternehmern vor. Die beschuldigten Beamten sollen mit zusätzlichen Kontrollen und Bußgeldern gedroht und Dokumente gefälscht haben, um den Betreibern der Nachtlokale das Leben zu erschweren. Manche von ihnen sahen sich den Ermittlern zufolge sogar gezwungen, ihre Läden zu schließen.

Um die meist ungerechtfertigten Kontrollen zu verschleiern, sollen die Beamten teils gar keine Protokolle angefertigt oder diese manipuliert haben. Außerdem vermuten die Ermittler, dass die bei den Razzien sichergestellten Drogen nicht oder nur teilweise auf der Polizeiwache abgegeben wurden. Den Rest sollen die beschuldigten Polizisten selbst konsumiert oder verkauft haben, so der Verdacht. Unternehmer dagegen, die sich auf das böse Spiel der korrupten Polizisten einließen und sich mit Geld oder Gegenleistungen – die Rede ist vor allem von Freigetränken und kostenlosem Sex in einschlägigen Etablissements– freikauften, seien von Inspektionen verschont oder vor ihnen gewarnt worden.

Ermittlungsrichter Penalva geht davon aus, dass die Beamten auf diese Weise pro Woche an die 500 Euro kassierten – verpackt in unscheinbaren Briefumschlägen. Einer der Polizisten, der bereits im Sommer 2013 im Rahmen der Ermittlungen gegen die Hells Angels auf Mallorca vorübergehend festgenommen wurde, soll sich sogar 1.000 Euro wöchentlich dazuverdient haben. Er hat den zahlungswilligen Lokalen offenbar auf privater Basis Sicherheitsdienste angeboten, die wiederum von seinen Kollegen von der Policía Local ausgeführt wurden.

Den am Sonntag festgenommenen Beamten legt der Ermittlungsrichter nicht nur Bildung einer kriminellen Vereinigung, Erpressung und Nötigung zur Last, sondern auch Delikte wie Bestechlichkeit, Bedrohung, sexuelle Nötigung, Strafvereitelung, Amtsmissbrauch und Dokumentenfälschung. Darüber hinaus besteht in den Augen von Manuel Penalva kein Zweifel mehr daran, dass das korrupte Treiben sowohl in der Führungsebene der Policía Local, als auch im zuständigen Fachbereich in Palmas Stadtverwaltung bekannt war. In den Akten soll die Rede von drei früheren Polizeichefs und mehreren Kommunalpolitikern sein.

Genannt werden unter anderem Gabriel Torres, der frühere Leiter der Patrulla Verde, der in den Augen der Ermittler als einer der wichtigen Strippenzieher gilt und angeblich vom derzeitigen Chef der Policía Local gedeckt wird, und der ehemalige Vizechef der Policía Local, Rafael E., der zwar selbst nicht an den Erpressungen beteiligt gewesen sein soll, jedoch Hinweisen seiner Untergebenen, die den Verdacht äußerten, bei der Patrulla Verde würde nicht alles mit rechten Dingen zugehen, nicht nachgegangen sein soll. Beschuldigt wird zudem der frühere Stadtrat für Bürgersicherheit, Guillem Navarro, der unrechtmäßige Sanktionsmaßnahmen abgesegnet haben soll und deshalb schon Anfang des Jahres vom Ermittlungsrichter vernommen wurde.

Denn während die mutmaßlich kriminellen Beamten „von oben" geschützt worden seien, hätten aufrichtige Kollegen, die verdächtige Machenschaften anzeigten, mit Sanktionen rechnen müssen, erläutert Ermittlungsrichter Penalva. Von diesen Disziplinarverfahren hätten auch die Verantwortlichen im Rathaus gewusst. Um den korrupten Apparat aufrecht zu erhalten, sei es zudem nötig gewesen, bestimmte Posten mit Leuten zu besetzen, die zu Straftaten bereit waren – und damit ist in den Augen des Richters auch der Grund gefunden, weshalb die polizeiinternen Beförderungsprüfungen manipuliert worden waren, wie sich schon 2014 herausstellte.

Bekannt wurde der Polizeiskandal bereits Anfang des Jahres. Seitdem gab es immer wieder Hausdurch­suchungen – auch in der Polizeihauptwache – und Festnahmen. 25 von insgesamt 900 Ortspolizisten sind nach jetzigem Kenntnisstand darin verwickelt, einige von ihnen wurden vom Dienst suspendiert. Palmas Stadt­verwaltung kündigte indes drastische Reformen und eine Restrukturierung der Policía Local an, um den bislang schwersten Korruptions­skandal aufzuarbeiten. /sts

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