Brand auf Fähre vor Mallorca war laut Gericht ein Unglück

Der Richter in Palma stellte das Strafverfahren deshalb ein - die Versicherungen, die Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen müssten, wollen das nicht hinnehmen

06.12.2015 | 11:20

Der Brand, der Ende April auf der Fähre "Sorrento" ausgebrochen war, steht nicht in Zusammenhang mit einer Straftat. Zu diesem Ergebnis kam nun ein Richter in Palma de Mallorca, der das strafrechtliche Ermittlungsverfahren damit eingestellt hat. Schadenersatzansprüche können nun nur noch auf zivilem Wege geltend gemacht werden, heißt es.

Auf dem zur Fährgesellschaft Transmediterranea gehörenden Schiff, das unterwegs von Palma nach Valencia war, war am 28. April 2015 etwa 18 Seemeilen vor der Insel Dragonera an der Westküste von Mallorca ein Feuer ausgebrochen. Die 157 Passagiere konnten mit Rettungsbooten an Bord des Baleària-Schiffes "Puglia" gebracht werden und so sicher zurück nach Palma gelangen. Drei Personen wurden verletzt und bereits zuvor mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Das Wrack harrte noch Tage nach dem Brand auf hoher See aus, ehe es in den Hafen von Sagunto bei Valencia geschleppt wurde. Von dort soll das Wrack, das nicht mehr repariert werden kann, demnächst in die Türkei gebracht werden, wo es ausgeschlachtet wird.

Video: Feuer auf der Passagierfähre "Sorrento"

Weil sich an Bord der ausgebrannten Fähre auch 98 leere und 25 beladene Lastwagen, sieben Autos, vier Lieferwagen und ein Motorrad befanden, stehen Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe im Raum. Mehr als 100 Passagiere und Transportunternehmen haben deshalb Anzeige erstattet. Weil die Ermittlungen der Guardia Civil zu dem Schluss gelangten, dass eine Straftat, also Brandstiftung oder Nichteinhaltung der Wartungsvorschriften, auszuschließen und das Feuer als Unglücksfall einzustufen ist, stellte der zuständige Richter in Palma das Verfahren vorerst ein. 

Das Unternehmen Acciona, das die Fähre über seine Tochtergesellschaft Transmediterranea betrieb, sowie der Schiffseigner Grimaldi zeigten sich mit dem Entschluss zufrieden. Die Anwälte der Versicherungen, die nun für den Schaden aufkommen müssten, halten diesen Schritt jedoch für verfrüht, da noch kein abschließender Ermittlungsbericht vorliege, und fordern weitere Ermittlungen. Sachverständigen und Spezialisten der Guardia Civil arbeiten seit Monaten an dem Fall, um die Brandursache zu klären. Fest steht bisher, dass das Feuer im Transportraum auf Deck 4 ausgebrochen war und sich rasend schnell ausgebreitet hatte. Die anfängliche These, dass ein Kurzschluss in einem Kühltransporter Schuld war, wurde schnell wieder verworfen.  /sts

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