50 Paar Füße sind genug

In einem der beliebtesten Wanderreviere auf Mallorca – dem Pla des Pouet oberhalb von Valldemossa – gilt ab März ein Besucherlimit

29.01.2016 | 14:14
Ab hier dann womöglich kein Durchlass mehr: ein Projektmitarbeiter am Zugang zum „Mönchsgeier-Berg".

Mehr als 45.000 Menschen pro Jahr seien zu viel. Zu viel für ein Stück Tramuntana, für den angeschlagenen Steineichenwald und die Jahrhunderte alten Wege. Die beliebte Wanderroute von Valldemossa hoch zum Pla des Pouet und von dort weiter zu den Aussichtspunkten na Torta und ses Puntes, zur Einsiedler-Höhle Ermità Guillem oder zum Cami de l´Arxiduc soll deshalb künftig nur noch gut 20.000 Personen pro Jahr offenstehen. Ab dem 1. März gilt ein Limit von 50 Besuchern pro Tag – die sich zuvor anmelden müssen.

Die Zugangsbeschränkung, die erstmals einen von Mallorcas Wanderklassikern trifft, ist Folge des im Sommer 2014 gestarteten Landschaftspflegeprojekts Muntanya del Voltor (Mönchsgeier-Berg). In Absprache mit den Eigentümern und der Gemeinde Valldemossa übernahm die Naturschutz-Stiftung Fundació Vida Silvestre de la Mediterrània (FVSM) das Sorgerecht für ein mehr als 300 Hektar großes Privatgrundstück oberhalb von Valldemossa. In der Folge wurden nicht nur Wege oder Trockensteinmauern instand gesetzt und der Wald aufgeforstet, sondern erstmals auch Statistiken über die Wanderer geführt.

Zwischen Oktober 2014 und Oktober 2015 zählten die Projektmitarbeiter am Informationshäuschen am Dorfrand von Valldemossa, wo der Aufstieg zum Pla des Pouet beginnt, zur Wanderhauptsaison im Frühjahr und Herbst teils weit über 300 Personen am Tag. Wobei nur gut ein Drittel einheimische Bergsportler und Ausflügler bildeten, der Rest waren ausländische Urlauber – allen voran Deutsche, die über ein Viertel der 45.000 registrierten Wanderer ausmachten. Ein Großteil davon kam im Rahmen geführter Wanderungen, die Reiseveranstalter und Outdoor-Unternehmen anbieten.

Nun ziehen die Projektverantwortlichen die Notbremse. „Wir müssen den Druck auf die Landschaft reduzieren", sagt Juan José Sánchez Artés, FVSM-Geschäftsführer und Leiter des Projekts. Das sei nicht nur im Sinne der Grundstückseigentümer, die ihre Anwesen andernfalls ganz und gar abriegeln könnten, sondern komme auch den Wanderern zugute. „Das ist doch eine ganz andere Erfahrung, ob man mit 300 anderen durch ein Gebiet trampelt oder dort nur 50 Leute unterwegs sind", sagt Sánchez.

Das nun geplante Kontingent steht Einzelpersonen ebenso offen wie Gruppen, wobei die Gruppenstärke 15 Personen nicht überschreiten darf. Geführte Gruppen von kommerziellen Touranbietern sind zudem nur noch montags bis freitags zugelassen, während die Wochenenden, an denen die Routen erfahrungsgemäß besonders überlaufen sind, einheimischen Wanderern vorbehalten bleiben sollen.

Sánchez zufolge sind auf den Wegen oberhalb von Valldemossa mehr als 100 Unternehmen – internationale Namen, aber auch kleine lokale Veranstalter – unterwegs, denen man fortan besser auf die Finger schauen will. „Die Wanderführer müssen uns künftig ihre Lizenz und eine Kopie ihrer Versicherung vorlegen." Denn auch in dieser Hinsicht liege in Mallorcas Bergwelt noch vieles im Argen. „Wir hatten immer wieder Guides, die sich fast versteckt haben, als sie von den Projektmitarbeitern angesprochen wurden. Das waren völlig absurde Situationen vor den Augen der Touristen", erzählt Sánchez.

Dass das neue Zugangslimit auf Widerstand stößt, glauben die Initiatoren nicht. Einer der am Projekt beteiligten Finca-Besitzer, der nicht namentlich genannt werden will, hofft insbesondere auf das Verständnis der deutschen Besucher. Ihnen sei das Konzept des Privat­eigentums oftmals besser vertraut als so manchem Mallorquiner. Auch Juan José Sánchez ist optimistisch: Ein Abschnitt, in dem Wiederaufforstungsarbeiten stattfinden, durfte von Anfang an nur begrenzt passiert werden. „Da gab es nie Probleme, die Leute zeigten sich immer sehr einsichtig, und das wird auch jetzt der Fall sein."

Zumal man Wanderer ohne Reservierung nicht einfach wieder nach Hause schicken, sondern ihnen Alternativrouten aufzeigen werde. Eine Option sei die offizelle GR221-Route, über die man ebenfalls zum Reitweg des Erzherzogs und weiter nach Deià gelange. Und ganz in der Nähe des künftig teilweise gesperrten Gebiets führe sogar ein öffentlicher Weg an der Ermità vorbei zum Cami de l´Arxiduc – der sich allerdings aktuell in miserablem Zustand befindet und kaum ausgeschildert ist. „Aber vielleicht versteht die Balearen-Regierung ja diesen Wink mit dem Zaunpfahl und tut nun ­endlich was für die Serra, statt immer nur mit ihr Werbung zu machen", poltert Sánchez.

Xisco Colom, Vorsitzender des Dachverbands von Mallorcas Bergsportvereinen, sieht der Zugangsbeschränkung gelassen entgegen. „Wir haben mit den Projekt­verantwortlichen bereits ein Abkommen unterschrieben, dass unsere Vereinsmitglieder jederzeit freien Zutritt zu den Routen haben." Im Gegenzug jedoch müssen sie ab und zu bei Reinigungsaktionen oder Arbeitseinsätzen im „Muntanya del Voltor"-Gebiet mithelfen. Unklar sei noch, wie mit den Wandergruppen der Vereine verfahren wird und ob diese eine Anmeldung benötigen. „Insgesamt kommt uns so eine Initiative entgegen, da wir wahrscheinlich mehr Zulauf bekommen", sagt Colom.

Gar nicht begeistert ist hingegen ein Bergführer des Dachverbands, der nicht namentlich genannt werden will. „Hier werden unter dem Vorwand des Umweltschutzes Wege gesperrt, die seit Jahrhunderten öffentlich genutzt werden, früher von Köhlern oder Holzsammlern, heute von Wanderern." Dass Letztere so viel Schaden anrichteten, sei schlichtweg falsch. „Wanderer lieben und achten die Natur in der Regel, werden von den Projektverantwortlichen nun aber als Kriminelle
dargestellt und bestraft."

Anmeldungen ab März über E-Mail: valldemossa@procustodia.org

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