Es gibt viel zu tun ...

... ein 26-Jähriger will es anpacken. Joan Groizard ist auf den Balearen für (eneuerbare) Energie zuständig

24.02.2016 | 17:04
Keine Angst, auf Mallorcas Straßen liegenzubleiben: Joan Groizard, Generaldirektor für Energie, mit seinem neuen Elektroauto.

Wenn eine politische Mammut­aufgabe vor einem liegt, ist es zumindest ein Anfang, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Joan Groizard, der der sauberen Energie auf Mallorca zum Durchbruch verhelfen will, zählt seit rund drei Monaten zu den ganz wenigen Besitzern eines Elektroautos auf der Insel. Gut 13.000 Euro hat der Generaldirektor für Energie bei der balearischen Landesregierung nach Abzug der in Spanien gewährten Subventionen für seinen Renault Zoe ausgegeben. „Die Menschen haben Angst, mit dem Elektroauto liegen zu bleiben", so Groizard. „Dabei sind die meisten Strecken, die man zurücklegt, weniger als fünf Kilometer lang."

Bei seiner Aufgabe im Energieministerium dagegen liegt ein sehr weiter Weg vor dem erst 26-Jährigen. Bislang gibt es nur wenige, kleine Solarparks auf Mallorca, private Photovoltaik­anlagen muss man lange suchen, der Anteil erneuer­barer Energien an der Stromerzeugung auf der Insel liegt unter drei Prozent. Und das Projekt Elektro­mobilität ist bislang nur wenig über schöne Fotos und Politiker-Worthülsen hinausgekommen.

Groizard meidet große Versprechen und versucht sich in der Politik der kleinen Schritte. Kompetenz und Gestaltungswillen darf man ihm trotz seiner Jugend unterstellen. Nach dem Bachelor- und Masterstudium in Umwelttechnologie an der Universität von Cambridge arbeitete Groizard bei einer Londoner Consultingfirma als Berater für nachhaltige Energien. Bei den EU-Wahlen 2014 engagierte sich der LGTB-Aktivist dann für die europäische Grünen-Bewegung Equo, die auch von der Regionalpartei Més per Malloca unterstützt wird.

Solarparks in Warteschleife
Als Generaldirektor im Energie­ministerium kämpft Groizard nun vor allem mit Bürokratie und Zuständigkeitsfragen. Bis ein Solarpark wie das Projekt deutscher Investoren in Manacor (MZ berichtete) von allen zuständigen Insitutionen genehmigt sei, vergingen Jahre. Mitzureden haben nicht nur Kommissionen der Landesregierung, sondern auch der Inselrat und beim Anschluss ans Stromnetz sogar die Zentralregierung. „Schrecklich", sagt der Jungpolitiker. Angesichts dieses Aufwands und Risikos sei es verständlich, dass Investoren nur auf Großprojekte setzten, alles andere sei unrentabel.

Auch wenn das Genehmigungsverfahren für die 50-Megawatt-Anlage in Santa Cirga nach einer politisch motivierten Absage im vergangenen Jahr nun wieder aufgenommen wurde, stünden noch eine Reihe von Formalitäten aus, betont Groizard. Weiter fortgeschritten ist indes eine 16-Megawatt-Anlage auf der Deponie am Heizkraftwerk Es Murterar von Alcúdia. Noch ganz am Anfang steht ein ebenfalls 50 Megawatt umfassendes Projekt in Marina de Llucmajor – hier fehlen noch Unterlagen der Investoren zu den Umweltauflagen – sowie eine weitere 20-Megawatt-Anlage in derselben Gemeinde.

Müssen bei diesen Projekten Bedenken zum Landschaftsschutz ausgeräumt werden, gilt der Bau von Windkraftanlagen auf Mallorca als nicht konsensfähig. „Man ist hier einfach nicht daran gewöhnt", meint Groizard. Wegen der starken Zersiedelung der vergangenen Jahrzehnte reduziere sich die umweltpolitische Debatte zumeist auf den Landschaftsschutz. „Die Sache ist aber komplizierter. Was hat das für Auswirkungen auf das Klima, wenn Kohle aus Südafrika nach Mallorca gebracht werden muss?"

Hilfen für Photovoltaik
Bei Solarmodulen auf Privatdächern wiederum ist die Politik der Madrider Zentralregierung das größte Problem. Nach jahrelanger Ungewissheit regelt zwar seit vergangenem Jahr endlich ein neues Dekret den Betrieb von Photo­voltaikanlagen zur Selbstversorgung (autoconsumo). Doch nicht nur, dass der selbsterzeugte Strom nicht ins Netz eingespeist und verkauft werden kann, auch eine „Sonnensteuer" wird auf die Anlagen erhoben – wobei für die Balearen sowie generell für Anlagen unter zehn Kilowatt zumindest eine „vorläufige Ausnahme" gilt.

Damit trotz dieser auch von Groizard kritisierten „Planungsunsicherheit" die eine oder andere Anlage installiert wird, sollen zumindest kleine Impulse gesetzt werden. Zunächst entfiel mit dem Jahreswechsel eine Verwaltungs­gebühr bei der Anmeldung der Anlagen im Energieministerium. Weiterhin können Investitionen zu 15 Prozent – maximal 1.500 Euro – in der Steuererklärung abgesetzt werden. Dummerweise gilt diese Regelung nur für Geringverdiener, sodass etwa ausländische Zweithausbesitzer nichts bekommen dürften. Man prüfe eine Erweiterung, so der Generaldirektor.

Zudem soll klargestellt werden, dass der Stromzähler, nicht wie vom Energieerzeuger Endesa verlangt, außerhalb des Gebäudes angebracht werden muss. Das sei bei älteren Häusern problematisch und verursache erhebliche Mehrkosten. In Zeiten telematischer Datenübertragung könne der Stromversorger nicht auf einen physischen Zugang zum Zähler pochen, argumentiert Groizard.

In Vorbereitung ist auch ein Abkommen mit Banken und Installationsfirmen, um attraktive Kredite anzubieten. Die Idee: Der Besitzer der Anlage soll diese gemäß der ermöglichten Einsparungen nach und nach abbezahlen. „Wir wollen zeigen, dass sich die Investition trotz allem lohnt." Das soll zum Beispiel auch ein geplanter Online-Rechner demonstrieren, der die Zeit bis zur Amortisation angibt.

Auch bei den Photovoltaikanlagen will die Landesregierung mit gutem Beispiel vorangehen. Bis Jahresende sollen Solarmodule auf dem Sportkomplex Prínceps d´Espanya, der Seniorenresidenz Son Llebre und der Jugendstrafanstalt Es Pinaret installiert sowie alle weiteren möglichen Standorte im Rahmen einer Inventur erfasst werden. Auch den Stromanbieter wechselt die Landesregierung: Im Rahmen einer neuen Ausschreibung im ersten Quartal kommen nur noch erneuerbare Energien zum Zug. Freilich steht alles unter Finanzierungsvorbehalt – 690.000 Euro stehen in diesem Jahr zur Verfügung.

Elektroautos ohne Steckdose
Auch für die Förderung von Elektroautos ist der Haushaltsposten gering – ein groß angekündigtes Projekt der PP-Vorgängerregierung mit EU-Subventionen in Höhe von 2 Millionen Euro, mit dem 2.000 Ladestationen auf den Balearen entstehen sollten, kam nie zustande. Die Madrider Zentralregierung hätte dazu ein Gesetz anpassen müssen, was bis jetzt nicht geschehen ist. „Wir versuchen, das Abkommen zu retten", meint Groizard. Für alle Fälle stünden aber 200.000 Euro aus dem Balearen-Haushalt für dieses Jahr bereit – das wären immerhin hundert Stationen.

Bislang weist die Website melib.caib.es balearenweit 39 öffentliche und 36 private Stationen aus, darüber hinaus sechs Schnellladestationen, die Endesa 2015 in Betrieb genommen hat. Neuzugänge gibt es derzeit vor allem in den Kommunen, dank eines von der EU mitfinanzierten Förderprogramms über 800.000 Euro. Zuletzt wurden so Stationen in Sant Llorenç und Sa Coma in Betrieb genommen – ein weiterer kleiner Schritt auf dem langen Weg zu den sauberen Energien.

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