ITB BERLIN

Bühne frei für die Touristensteuer

Finten statt Konfrontationskurs auf der ITB: Die Linksregierung trommelt inmitten der Euphorie über die kommende Saison für ihre neue Abgabe. Von Befürwortern, Zweiflern und Gegnern

10.03.2016 | 13:58
Mission Ecotasa in Berlin: Tourismusminister Barceló, Ministerpräsidentin Armengol, Tourismusdirektorin Carbonell (v.li.).
Mission Ecotasa in Berlin: Tourismusminister Barceló, Ministerpräsidentin Armengol, Tourismusdirektorin Carbonell (v.li.).

Da staunten die Delegierten aus dem balearischen Tourismusministerium nicht schlecht: Fünf Prozent des Übernachtungspreises sollten sie im Hotel in Berlin zusätzlich entrichten. Das wäre die City Tax, hieß es an der Rezeption. Dabei ist die nur für Touristen fällig, nicht aber für beruflich Reisende – und zum Privatvergnügen war Tourismus-Generaldirektorin Pilar Carbonell in der Vorwoche der Tourismusmesse ITB nun wirklich nicht in die Bundeshauptstadt gereist.

Vielmehr wollte sie den Deutschen Reiseverband persönlich vom Sinn und Zweck der neuen Urlaubersteuer auf den Balearen überzeugen – der der DRV nach wie vor nicht ganz wohlgesonnen scheint, obwohl sie mit 0,25 bis maximal 2 Euro pro Nacht im Vergleich zu deutschen Städten und Kurbädern als wahres Schnäppchen daherkommt. Und kommen soll sie nun definitiv, diktierten Ministerpräsidentin Francina Armengol (PSOE) und Tourismusminister Biel Barceló (Més) der versammelten Inseljournaille beim Messeauftakt am Mittwoch (9.3.) in die Schreibblöcke.

Ab 1. Juni werde die „Steuer für nachhaltigen Tourismus" erhoben – wie schon seit Monaten angekündigt. Dass die Buchungszahlen für den bevorstehenden Sommer trotzdem in Rekordhöhen schnellten, werteten die Politiker als erstes gutes Zeichen. Vom Vorhaben, am Messestand der Balearen eine große Pressekonferenz zu geben, hatte man in allerletzter Minute allerdings wieder abgesehen – vielleicht weil die Steuer zu Hause in Palma nach wie vor das Parlament passieren muss und die Protestpartei Podemos immer mal wieder für Überraschungen oder kurzfristige Meinungsänderungen gut ist.

Ebenso wankelmütig wirken die deutschen Reiseveranstalter und die mallorquinischen Hoteliers. Vom anfänglichen Konfrontationskurs ist einerseits nicht mehr viel zu spüren – zumindest in offiziellen Statements stößt die Urlaubersteuer nicht mehr auf knallharte Ablehnung. Andererseits wartet aber so mancher Steuerkritiker insgeheim doch sehnlichst auf das nächste Mikrofon oder den nächsten Journalistenanruf, um ordentlich vom Leder zu ziehen.

Nach dem Treffen der Ministeriumsvertreter mit dem DRV etwa sprachen beide Seiten von ­einvernehmlichen Tönen, Pilar Carbonell reiste zufrieden wieder nach Palma. Wenige Tage erklärte der Reiseverband einem englischen Medium, dass die Urlaubersteuer die Balearen als Reiseziel deutlich teurer mache und deshalb vor allem ärmere Familien um den Mallorca-Urlaub bringe. Tourismusminsiter Barceló sieht das alles gelassen. „Das ist die übliche Show." Wie im Theater habe in der Diskussion um die Öko-Steuer eben jeder seine Rolle, der er gerecht werden müsse.

Richtig sauer stieß dem Minister hingegen eine Pressemitteilung auf, die Mallorcas Umweltverband Gob pünktlich zum Messestart zusammen mit der am Bodensee ansässigen Stiftung Global Nature Fund verbreitete. Die Balearenregierung solle auf der ITB endlich Klartext reden, hieß es in der Schlagzeile. Gemeint war damit, dass die Verwendung und die Zweckbindung der eingenommenen Mittel transparent kommuniziert werden müsse. Nach zig Treffen mit den Umweltschützern, die Barcelós Ministerium als wichtigste Verbündete in Sachen Öko-Steuer betrachtet, kam so ein Seitenhieb gar nicht gut an.

Zumal von mangelnder Kommunikation kaum die Rede sein kann: Eine Liste mit möglichen Projekten aus den Bereichen Umweltschutz und nachhaltiger Tourismus wurde schon vor Wochen veröffentlicht. Inzwischen hat sich immerhin auch das Parlament darauf geeinigt, dass die Einnahmen in erster Linie der Umwelt zugute kommen sollen und bei der Auswahl der Projekte zum Teil auch die Bürger mitentscheiden. „Wollen diese Leute, dass wir das Geld schon mal ausgeben, bevor wir überhaupt den ersten Euro mit der Steuer eingenommen haben?", fragte sich ein Ministeriumsmitarbeiter angesichts des Gezeters.

Offenbar ja – denn andernfalls scheinen die Zweifler nicht zu überzeugen zu sein. Xisco Fullana etwa, Marketingdirektor der Hotelgruppe Hipotels, hat im Prinzip nichts gegen die Steuer und glaubt auch an keine größeren Schwierigkeiten beim Einkassieren. „Die Deutschen werden das zahlen ohne zu protestieren, bei den Spaniern ist das was anderes", sagt Fullana – wohlwissend, dass in den Hipotels-Häusern in Cala Millor und Sa Coma zu 80 Prozent Deutsche absteigen. Richtig gutheißen will er das Vorhaben letztlich dennoch nicht. „Weil keiner weiß, was mit dem Geld passiert." Und so lange das nicht gesichert sei, könnte die Steuer ein zweites Mal scheitern, wie es schon die erste, von einem Linkspakt 2001 eingeführte Ecotasa tat. Würde die Steuer hingegen in vollem Umfang dafür verwendet werden, die Insel für die Touristen noch ansehnlicher zu gestalten, für saubere und sichere Straßen zu sorgen oder in die Jahre gekommene Urlaubergebiete auf Vordermann zu bringen, wäre die Sache eine andere. „Dem würde ich voll und ganz zustimmen."

Diese Bedingung stellt auch Hans Müller, der den Bereich Hoteleinkauf Spanien und Portugal bei Thomas Cook leitet und mit den Steuereinnahmen die Wasserversorgung oder die Müllabfuhr optimieren würde. Da es solche konkreten Ansagen bisher vonseiten der Regierung nicht gebe, erteilt Müller der Steuer weiterhin eine Abfuhr. „Es werden auf den Balearen schon genug Steuereinnahmen durch den Tourismus generiert. Warum müssen nun wieder die Gäste zahlen?"

Allerdings geht es dem Touristiker nicht nur darum, den Geldbeutel der Urlauber zu schonen – sondern auch den seiner eigenen Branche. Dass die Öko-Steuer auf den allerletzten Drücker beschlossen und Hals über Kopf eingeführt wird, stellt die Reiseveranstalter vor eine organisatorische Herausforderung: „Wir haben gegenüber unseren Kunden eine Informationspflicht", erklärt Müller. Preisänderungen – oder aber am Zielort zusätzlich anfallende Kosten – müssen demnach umgehend mitgeteilt werden. „Damit können wir aber erst beginnen, wenn wir von der Balearenregierung die offizielle Ansage haben, wie es nun läuft." Möglicherweise innerhalb von Wochen müssen dann Tausende Mallorca-Urlauber per Brief, E-Mail oder Telefon kontaktiert werden. Dies bedeute einen enormen Arbeitsaufwand.

Bei so viel Aufregung kann die Dame am Stand der Insel Sylt nur mit dem Kopf schütteln – wer dort Ferien macht, ist schließlich mit 3,20 Euro Kurtaxe am Tag dabei. „Machen Sie das mit der Steuer! Ich würde das richtig gut finden, Mallorca ist so eine schöne Insel, die hätte es verdient."

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen

Lokales

Heftige Regenfälle verursachen Verkehrschaos

Mehrere Straßen mussten gesperrt werden

Flüchtlingsboot vor Mallorca entdeckt

Flüchtlingsboot vor Mallorca entdeckt

Guardia Civil nimmt neun Personen wegen Verdacht auf illegale Einwanderung fest

Wetterdienst warnt vor starken Schauern auf Mallorca

Wetterdienst warnt vor starken Schauern auf Mallorca

So wird das Wetter am Freitag (23.9.) und am Wochenende

Motorradfahrer schwebt nach Unfall in Lebensgefahr

Der 19-jährige Motorradfahrer prallte am Freitagnachmittag (23.9.) nahe Port d'Alcúdia mit einem...

Streit um neuen Standort des Oktoberfests in Santa Ponça

Streit um neuen Standort des Oktoberfests in Santa Ponça

Ladenbesitzer kritisieren die Sperrung des Parkplatzes

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |