So erlebten Mallorquiner den Terror in Brüssel

Die europäische Hauptstadt ist Mallorca so nah wie nie. Mehrere Insulaner erlebten die Explosionen direkt vor Ort

24.03.2016 | 10:13
"Ich sah Verletzte mit zerfetzten Kleidern aus dem schwarzen Qualm herauskommen."
"Ich sah Verletzte mit zerfetzten Kleidern aus dem schwarzen Qualm herauskommen."

Die Reaktionen auf die Anschläge in Brüssel zeigen auch, wie eng Europa zusammengewachsen ist. Die Attentate in der Hauptstadt des Kontinents trafen die Mallorquiner wie eine Schreckensnachricht aus dem eigenen Land. Und viele Mallorquiner erlebten die Anschläge in der europäischen Hauptstadt hautnah. Nur durch Zufall wurde keiner von ihnen verletzt.

Nur wenige Sekunden schützten die Mallorquinerin Piedad Marín Sánchez vor den Explosionen im Flughafen Zaventem. Die Richterin aus Palma war kurz davor, das Abflugsterminal zu betreten.

"Ich hatte mein Hotel um zehn vor acht verlassen, und wir erreichten den Terminal nach zehnminütiger Fahrt mit dem Bus. Da haben wir die Explosion gehört und gesehen, wie die Menschen herausrannten, von den Glasscherben verletzt und blutend", berichtet Marín, die sich auf dem Rückweg nach Palma befand, nachdem sie ihre in Belgien lebende Tochter besucht hatte. Ursprünglich hatte sie die Rückreise bereits für Sonntag gebucht. Durch den Fluglotsenstreik in Frankreich war der Flug auf Dienstag verschoben worden. Da der Flughafen nun geschlossen ist, sucht sie verzweifelt einen Rückflug nach Palma.

Eine weitere junge Mallorquinerin entkam dem Terror nur um wenige Minuten. Beatriu Marín arbeitet im Brüsseler Büro des Centro Balears Europa und sitzt morgens für gewöhnlich in der U-Bahn Richtung Büro. Aufgrund des Anschlags im Flughafen änderte sie ihre Routine und wollte mit dem Bus zum Unglücksort fahren, um für mehrere Medien darüber zu berichten. Während sie noch an der Bushaltestelle wartete, explodierte in der Metrostation Maelbeek eine weitere Bombe. "Ich sah, wie sie die ersten Toten heraustrugen und die Verletzten mit zerfetzten Kleidern aus dem schwarzen Qualm herauskamen", berichtet sie schockiert.

Antoni Vicens aus Sóller arbeitet im Büro der balearischen Landesregierung in der europäischen Hauptstadt. Die U-Bahn-Station, in der die Bombe explodierte, hatte er nur wenige Minuten vorher verlassen. Er hörte den Lärm, sah eine dichte schwarze Wolke und eine große Schar von Polizisten.

Auch Radrennprofi Vicente Reynés, Mallorquiner aus Deià im schweizerischen Team IAM Cycling, erlebte die Folgen des Attentats bei seiner Reise nach Brüssel. Das Team hatte einen Flug nach Paris gebucht. Bei der Landung erfuhren die Radsportler von den Attentaten und trafen auf einen Flughafen voller Sicherheitspersonal. Die Weiterreise bis nach Brüssel wurde zur wahren Odyssee: "Nichts schien zu funktionieren. Das Telefonnetz war zusammengebrochen. Busse und Züge fuhren nicht", erzählt der Mallorquiner, der ursprünglich am Mittwoch (23.3.) an einem Wettkampf teilnehmen sollte.

Der in Brüssel lebende mallorquinische Musiker Marc Melià erlebte die Explosionen aus sicherer Entfernung in seiner Wohnung. "Wir haben die Rettungswagen und die Hubschrauber gehört", berichtet Melià. "Die Bevölkerung war gerade dabei, die Angst nach den Attentaten von Paris zu vergessen, jetzt sind wir wieder alle im Schock."

"Wir wussten schon lange, dass uns die Dschihadisten im Visier hatten, aber man hofft ja immer, dass nichts passiert", erklärt die mallorquinische Politikern Rosa Estaràs, die für die PP (Volkspartei) als Abgeordnete im Europaparlament sitzt. Den Unglückstag erlebte sie aus sicherer Entfernung von der Insel aus, weil ein Magen-Darm-Virus sie am Montag von der Reise nach Brüssel abgehalten hatte. Die ehemalige Vizepräsidentin der Balearen-Regierung sprach von "Wut, Frust, Mitleid und Angst" in Bezug auf die "fürchterlichen" Attentate. "Sie hatten es auf unser Viertel abgesehen", erklärt sie nach den Bombenanschlägen im Flughafen und der vom Europa-Viertel viel benutzten U-Bahn-Station Maelbeek.

Die Gruppe der Mallorquiner im Europa-Parlament versuche nun, am Mittwoch zur Insel zurückzukehren. Die parlamentarische Arbeit sei vorerst unterbrochen.  /tg

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