Sa Feixina-Denkmal: Palma beschließt Abrissplan

Die Ankündigung der linken Stadtregierung, das Monument aus der Franco-Zeit zurückzubauen, stieß in der Bevölkerung auf Widerstand

14.04.2016 | 09:38
Kontrovers: An Allerheiligen 2015 eskalierte die Gedenkfeier am Denkmal im Park sa Feixina, dabei wurde neben spanischer und republikanischer Flaggen auch die Fahne der faschistischen Falange geschwenkt.
Kontrovers: An Allerheiligen 2015 eskalierte die Gedenkfeier am Denkmal im Park sa Feixina, dabei wurde neben spanischer und republikanischer Flaggen auch die Fahne der faschistischen Falange geschwenkt.

Die Linksregierung in Palmas Rathaus hat beschlossen, trotz des Protests eines ihrer symbolträchtigsten Wahlversprechen umzusetzen: Das während der Franco-Diktatur errichtete Denkmal im Park sa Feixina soll nach einigem Hin und Her nun doch in diesem Frühjahr abgerissen werden. Darauf haben sich die Regierungsparteien im Rathaus am Mittwoch (13.4.) geeinigt, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Der Abriss soll 169.800 Euro kosten und werde nach Ablauf der im balearischen Gesetzesblatt veröffentlichten Einspruchsfrist beginnen. Das Denkmal werde komplett abgetragen, nur der Sockel bleibe bestehen.

Das Denkmal spiegelte vor allem in den vergangenen Monaten die beiden Gesichter eines Landes wider, das Jahrzehnte lang in ein franquistisches und ein republikanisches Lager gespalten war. Das wuchtige Monument soll an den Untergang des Franco-Kreuzers „Baleares" erinnern, der im Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) von den Republikanern versenkt worden war und 186 Menschen das Leben kostete. Nachdem ein Gutachten zu dem Schluss gekommen war, dass der Monolith keinerlei künstlerischen oder historischen Wert habe, hatte Mallorcas seit vergangenem Jahr ebenfalls links regierter Inselrat davon abgesehen, das Bauwerk unter Schutz zu stellen. Und so ­beschlossen die Linksparteien PSOE, Més und Podemos im Oktober 2015 den Abriss des 1949 fertiggestellten Denkmals – das in ihren Augen nach wie vor für die Unterdrückung während der Diktatur (1939–1975) steht, auch wenn sämtliche Franco-Symbole bereits 2010 unter der damals sozialistischen Bürgermeisterin Aina Calvo entfernt worden waren.

Amtsnachfolger José Hila (PSOE) wollte noch einen Schritt weiter gehen, hatte die Rechnung aber offenbar ohne Denkmalschützer und Anwohner gemacht. Federführend im Kampf um den Erhalt des Monuments sind die Bürgerini­tiative „Salvem es Monument de sa Feixina", der sich inzwischen knapp 20 Nachbarschaftsvereine angeschlossen haben, sowie die Denkmalschutzvereinigung ARCA, die von namhaften mallorquinischen Architekten wie Pere Nicolau, dem Schaffer des Parc de la Mar, unterstützt wird.

Nachdem bereits Mitte Februar Dutzende Bürger einem Aufruf der Bürgerinitiative gefolgt waren und im Park von sa Feixina für den Erhalt des Denkmals demonstriert hatten, wolle man nun gerichtlich gegen den Entschluss der Stadtregierung vorgehen, erklärte Tomeu Berga, der Sprecher von „Salvem es Monument de sa Feixina". Neben den Einsprüchen, die die Initiative beim Inselrat und bei der Stadtverwaltung einreichte, wurde am 11. März auch Anzeige beim Kulturministerium in Madrid erstattet – wo nach wie vor die konservative Volkspartei (PP) das Sagen hat und man sich deshalb, anders als von Inselrat und Stadtregierung, eine „positive Antwort" erwarte, so Berga. Hoffnungsvoll stimmt ihn zudem ein Gespräch mit der balearischen Delegierten der Zentralregierung, Teresa Palmer (PP), die „vermitteln könnte, damit sa Feixina nicht abgerissen wird".

Das Monument zu entfernen, verstoße nicht nur gegen das „Gesetz über das historische Erbe", argumentieren die Abriss-Gegner, sondern auch gegen die Ley de Memoria Histórica. Mit dem „Gesetz des historischen Andenkens", das die sozialistische Zentralregierung 2007 erlassen hatte, sollen die Bürgerkriegs- und Diktaturopfer beider Lager gewürdigt werden. Artikel 15 zufolge dürfen Überbleibsel aus der Franco-Zeit stehen bleiben, wenn künstlerische und architektonische Motive den Erhalt rechtfertigten – oder wenn sie keine Verherrlichung der Franquisten darstellten. Letzteres sei beim Obelisken von sa Feixina schon seit 2010 nicht mehr der Fall, heißt es in einem juristischen Gutachten, das die ­Bürgerinitiative erstellen ließ. Damals habe die Stadtverwaltung schließlich – genau demselben Gesetz Rechnung tragend – alle Franco-Symbole entfernt und das Monument damit dem Kontext der Diktatur enthoben. Die stattdessen in fünf Sprachen angebrachten Schriftzüge stünden nun für „den demokratischen Willen, die Gräueltaten der Kriege und Diktaturen niemals zu vergessen".

Rückendeckung gab den Abriss-Gegnern lange Zeit ein Präzedenzfall im galicischen Vigo. Dort hatte der Oberste Gerichtshof Anfang 2015 das Vorhaben gestoppt, ein zu Franco-Zeiten errichtetes Kreuz abzureißen, da dieses keine an den Diktator erinnernden Elemente mehr aufwies. Mit der faschistischen Symbolik sei jedoch nicht die Daseinsberechtigung des Denkmals verschwunden, hatte der Richter sein Urteil begründet. Es diene heutzutage vielmehr dazu, gegenwärtigen und zukünftigen Generationen die Geschichte näherzubringen und sie zum Nachdenken anzuregen, damit die Opfer beider Lager nicht in Vergessenheit gerieten. Genau dasselbe treffe beim Monument von sa Feixina zu, war man in der Bürgerinitiative überzeugt.

Für zusätzlichen Aufruhr im Streit um die Zukunft des Monolithen sorgte ein Gutachten des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS), der unter anderem die UNESCO in denkmalschützerischen Fragen berät. In dem Schreiben spricht sich das Gremium wegen des hohen kulturellen und sozialen Stellenwerts klar für den Erhalt des Monuments aus und forderte Schutz- und Unterhaltsmaßnahmen. Pikantes Detail: Der Brief war bereits am 1. Februar im Rathaus eingegangen, von der Stadtverwaltung aber offenbar unter Verschluss gehalten worden. Erst die Tageszeitung „El Mundo" brachte das Gutachten ans Tageslicht.

Während Bürgermeister Hila stets beteuerte, dass alle erforderlichen juristischen Gutachten vorlägen und einem Abriss nichts mehr im Wege steht, veröffentlichte die Tageszeitung „Última Hora" eine Umfrage, wonach nicht nur Denkmalschützer und Aktivisten, sondern auch ein Großteil der Bevölkerung anderer Meinung ist: Dem Forschungsinstitut IBES zufolge, das 900 Personen befragte, sind 78 Prozent der Mallorquiner gegen den Abriss. Hinter den Befürwortern verbergen sich indes größtenteils Podemos-Wähler, heißt es. Die Denkmalschutzvereinigung Arca appellierte deshalb vor allem an die Sozialisten im Rathaus, ihre Entscheidung rückgängig zu machen. Dies sei kein Zeichen von Schwäche, sondern vielmehr von Demokratiefähigkeit und politischer Größe.

Um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen, eröffnete Arca Ende März in ihren Räumen im Carrer Can Oliva 10 in Palma sogar eine Fotoausstellung über den Erbauer des Denkmals, Francisco Roca Simó. Er zählt laut Arca zu den bedeutendsten Inselarchitekten des 20. Jahrhunderts, dessen Abkehr vom Modernismus und Hinwendung zum Rationalismus in seinem letzten Werk im Park sa Feixna bestens zum Ausdruck komme.

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