Mohamed H.: verhinderter Polizist, Schiedsrichter, einsamer Wolf

Der 26-jährige Marokkaner, der am Dienstag (19.4.) gefasst wurde, soll über das Internet Terroristen angeworben haben

21.04.2016 | 14:51
Mohamed H.: verhinderter Polizist, Schiedsrichter, einsamer Wolf

Acht Jahre pfiff Mohamed H. als Schiedsrichter Basketballspiele auf Mallorca – bis er sich Ende 2015 von seinen Kollegen verabschiedete. „Er sagte, dass er eine Weile aufs Festland oder auch ins Ausland gehen würde", erzählt Claudio Torres über den am Dienstag (19.4.) Festgenommenen gegenüber der MZ. Er kannte Mohamed H. nicht nur vom Basketball, sondern hatte vor einigen Jahren auch eine Zeit lang mit ihm in einer WG gewohnt, bevor dieser wieder zu seinen Eltern gezogen war.

Eigentlich wollte Mohamed H. Polizist werden. Doch weil er keine spanische Staatsbürgerschaft hatte, wurde er abgelehnt. Sein Geld verdiente er als Koch in einem Hotel in Santa Ponça.

In der Basketballszene fiel Mohamed H. zunächst weder als übertrieben religiös noch als Sympathisant des Islamischen Staates auf und machte auf die meisten einen zurückhaltenden Eindruck. „Er war aber schon ein merkwürdiger Typ, er hatte auf WhatsApp ein Profilfoto im Army-Look", so Torres. „Ihm gefielen schwere Maschinen, Waffen, Boxen und überhaupt Kampfsportarten." Wie außerdem der Facebook-Seite des Festgenommenen zu entnehmen ist, verbrachte der junge Mann seine Freizeit auch mit taktischen Geländespielen wie Paintball.

Das Training diente offenbar als Vorbereitung auf Einsätze in Syrien und im Irak, wie es in der mallorquinischen Presse heißt. Auf Facebook finden sich aber auch zahlreiche widersprüchliche Einträge. Dazu gehört etwa ein Profilfoto, das in den Farben der französischen Flagge eingefärbt ist, aus Solidarität mit den Opfern der dortigen Anschläge. Oder ein Video, das davor warnt, sich aus Unzufriedenheit dem Islamischen Staat anzuschließen.

Nach Mallorca kam der jetzt Festgenommene als Jugendlicher. Zunächst lebte er mit seinen Eltern und zwei jüngeren Schwestern in Palmas Stadtteil Es Rafal, vor rund einem Jahr zog die Familie nach Son Gotleu. Die Nachbarn bekamen ihn dort allerdings nicht oft zu sehen – Mohamed H. verbrachte offenbar die meiste Zeit vor dem Computer.

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