Illegale Baulizenzen: Der lange Schatten von Hidalgo

Port d´Andratx kämpft noch heute mit den Nachwirkungen des Korruptionsskandals. Ein Fallbeispiel

14.05.2016 | 10:15
Auf der linken Seite das Anwesen des Schweizers, rechts das Haus des Deutschen im Schutzgebiet.
Auf der linken Seite das Anwesen des Schweizers, rechts das Haus des Deutschen im Schutzgebiet.

Es verwundert nicht so sehr, dass sich die in diesem Artikel geschilderte Posse um illegale Baulizenzen und die Mauschelei um eine nachträgliche Legalisierung auf dem Gemeindegebiet von Andratx zuträgt. Schließlich hatte dort die Korruption im Immobiliensektor unter dem Bürgermeister Eugenio Hidalgo (konservative Volkspartei, PP) zwischen 2002 und 2006 Hochkonjunktur. Viele Lizenzen gab der Rathauschef ohne legale Grundlage heraus, seine eigene Luxusvilla stand auf einem nicht als Bauland ausgewiesenen Grundstück. „Inzwischen haben wir aus den Fehlern gelernt und handhaben das Thema streng", sagt der Bürgermeister von Andratx, Jaume Porsell, gegenüber der MZ.

Der folgende Fall aber reicht zurück bis in die Amtszeit von Hidalgo, der für seine Vergehen bereits mehrere Jahre im Gefängnis saß. Es geht konkret um zwei Grundstücke nahe der Straße zwischen Camp de Mar und Port d´Andratx – auf einer Anhöhe gelegen und mit schönstem Meerblick gesegnet. Das linke Grundstück (siehe Foto oben) mit dazugehöriger Villa gehörte zunächst einem deutschen Ehepaar, das im Jahr 2000 auch die benachbarte Parzelle kaufen wollte, um zu verhindern, dass dort gebaut würde.

Aus dem Rathaus hieß es beruhigend, dass es sich bei besagtem Gelände zu großen Teilen um einen sogenannten bewaldeten ARIP (area rural de interés pasajístico) handelt, also ein besonders geschütztes Gebiet, auf dem ohnehin nicht gebaut werden dürfe. Daraufhin verzichteten die Deutschen auf den Kauf der Nachbarparzelle – und fielen aus allen Wolken, als kurze Zeit später Bagger anrückten und direkt oberhalb der Grundstücksgrenze ein stattliches Herrenhaus errichteten. Verärgert verkauften sie ihre Villa Ende 2008 an einen Schweizer – nennen wir ihn Daniel Berner – und kehrten der Insel den Rücken.

Zwischenzeitlich gab es bereits ein Verwaltungsgerichtsurteil vom Juli 2006, das die Eigentümer der Finca im ARIP dazu verpflichtete, „die bauliche Legalität wiederherzustellen". Im Klartext bedeute das, so Miguel Reus vom Bufete Buades, der den Schweizer betreut, dass das Haus abgerissen werden müsste. Es gehört seit 2004 dem Deutschen Dieter Schmidt, auch dies ein geänderter Name. Er erklärt gegenüber der MZ, dass er das Grundstück seinerzeit mit Baugenehmigung gekauft habe, die von seinem Anwalt geprüft und als rechtens befunden wurde. „Erst durch das Urteil erfuhren wir, dass die Lizenz illegal war."

Im Jahr 2011 bestätigte ein Urteil des balearischen ­Oberlandesgerichts den Rechtsspruch des Verwaltungsgerichts aus dem Jahr 2006 und verurteilte die Vorbesitzer der Finca des Deutschen sowie Hidalgo und die ­beteiligten Architekten zu Geld- und Freiheitsstrafen. Seither herrscht wieder Stillstand. Und das, obwohl sich inzwischen auch der Naturschutzverband GOB der Sache angenommen hatte. Sprecherin Margalida Ramis sagt: „Es ist eine Schande und wirklich zum Verzweifeln, wie man sich hier über den Landschaftsschutz, aber auch über die Rechtssprechung hinwegsetzt."

Laut Informationen von Anwalt Miguel Reus hat Dieter Schmidt derzeit rund um sein geschütztes Grundstück verschiedene Parzellen Land aufgekauft. Der Deutsche bestätigt das gegenüber der MZ, will aber derzeit keine Details nennen. Ab einer Grundstücksfläche von 50.000 Quadratmetern ist eine Bebauung selbst in einem ARIP legal. Das Ursprungsgrundstück wies lediglich 5.000 Quadrameter ARIP-Fläche auf, der große Rest bestand aus ARIP boscoso und ANEI (area natural de especial interés), zwei Schutzzonen, in denen überhaupt nicht gebaut werden darf.

Inzwischen kommt der Deutsche nach Schätzungen von Miguel Reus bereits auf die 50.000 Quadratmeter, allerdings mit Zukäufen, die sein Gelände nur minimal berühren und teilweise sogar durch öffentliche Wege zerschnitten werden. Etwas, das der Bürgermeister bisher nicht erfahren haben will. „Wenn das stimmt, dann wird der Bericht zur nachträglichen Legalisierung negativ ausfallen", erklärt Porsell gegenüber der MZ. „Aber das prüfen wir gerade." Klar ist bisher nur, dass das noch dauern kann. So lange will der Schweizer noch durchhalten. „Wenn das Thema durch ist, kann ich mir aber gut vorstellen, dass wir wieder in die Schweiz zurückgehen." Und Schmidt beteuert gegenüber der MZ, dass er es als seine Pflicht ansehe, seinen Bau zu legalisieren, zu welchem Preis auch immer. „Wir sind ja in einer gewissen Weise Mitbetroffene der ganzen Sache."

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