Knappes Gut Wasser: Golfplätze unter Generalverdacht

Angesichts der drohenden Trockenheit auf Mallorca soll auch die Bewässerung der Greens unter die Lupe genommen werden. Es kommt fast nur Wasser aus Kläranlagen zum Einsatz. Aber es gibt Ausnahmen

25.06.2016 | 02:30
Nichts geht ohne Filtern: nachbereitetes Wasser in einen Bewässerungsteich auf einem Golfplatz.
Nichts geht ohne Filtern: nachbereitetes Wasser in einen Bewässerungsteich auf einem Golfplatz.

Wenn in Mallorcas Hochsommer wochenlang der Regen ausbleibt, ist am Straßenrand statt sattem Grün nur verdörrtes Unkraut auszumachen. Nicht so auf den Golfplätzen – dank Bewässerung wird auf sattem Grün gespielt. Die Annahme, dass dabei nicht nur Wasser aus Kläranlagen zum Einsatz kommt, so wie es das Gesetz vorschreibt, hat die Regionalpartei Més per Mallorca auf den Plan gerufen: Der Abgeordnete David Abril stellte jetzt im Balearen-Parlament die Anfrage, welche Golfplätze Trinkwasser verwenden.

Erlaubt ist das nicht – zumindest nicht für alle Plätze auf den Balearen, die nach 1988 gebaut wurden. Stattdessen sollen sie das Wasser aus Kläranlagen beziehen. Dass das fast alle 24 Golfplätze so machen, kann die Leiterin des Wasserwirtschafts­amts Juana María Garau bestätigen. Laut den jüngsten Zahlen, dem Wasserwirtschaftsbericht von 2012, stammten 8,95 Hektokubikmeter – also knapp 9 Millionen Liter – von Kläranlagen. Brunnen steuerten nur 0,3 Hektokubikmeter Wasser bei.

Für die Grundwasser-Nutzung kommen Golfplätze in Frage, die vor 1988 erbaut wurden. Als Konzessionsinhaber genannt werden in dem Bericht Golf Son Servera und Golf Pollença. Miguel Tugores, Greenkeeper in Pollença, verweist jedoch gegenüber der MZ darauf, dass man bereits seit rund 15 Jahren nur noch Wasser der Kläranlage von Alcúdia verwende. „Die Pumpanlage haben wir längst abgebaut."

Im Fall des 1967 gegründeten Platzes von Son Servera wurde bei der Erweiterung 2012 nach Angaben von Direktor Stefano Bortolotti die Infrastruktur für die Bewässerung mit gereinigtem Brauchwasser geschaffen und eine Bewässerungsgemeinschaft ins Leben gerufen. Die Verpächter des Platzes seien Partner dieser comunidad, heißt es in einer Antwortmail an die MZ: „Unsere Verträge und vor allem die technische Beschreibung des Projektes sehen vor, dass die Verpächter dem Club Wasser in genügender Menge und erforderlicher Qualität für den Betrieb eines Golfplatzes zur Verfügung stellen."

Eine weitere Ausnahme ist die Nutzung von Wasser aus den Entsalzungsanlagen von Alcúdia und Andratx. Das sieht laut Garau der unter der PP-Vorgängerregierung beschlossene Wasserwirtschaftsplan von 2013 vor. Zahlen, inwieweit dies in Anspruch genommen wird, lägen aber nicht vor. Die Option ist jedenfalls nicht billig: Die Tarife wurden jetzt erhöht – in Alcúdia um 40 Cent auf 1,40 Euro pro Kubikmeter, in Andratx auf 1,50 Euro.

Dass die Golfplätze überhaupt unter die Lupe genommen werden, führt Federico Knuchel, Präsident des balearischen Verbands der Golfplatzbetreiber, auf ideologische Gründe zurück, auf die Diffamierung des Sports als elitäres Vergnügen. Dabei seien die Golfplätze ein „Musterbeispiel" dafür, wie Brauchwasser sinnvoll zum Einsatz komme. Da zudem viele Kläranlagen nicht so effektiv arbeiteten, wie es das Gesetz vorschreibe, schulterten die Platzbetreiber Mehrkosten für die Aufbereitung. Die Mängel räumt auch der Wasserwirtschaftsbericht ein: Zwar würden 72 Prozent des Abwassers mit Klärstufe drei behandelt, doch „aus verschiedenen Gründen wie Wartung, Ausfällen, etc. wird nicht immer die zu erfüllende Qualität erreicht."

Vor allem der hohe Nitrat- und Salzgehalt mache zu schaffen, heißt es auf einem anderen Golfplatz, dessen Betreiber nicht namentlich in Erscheinung treten wollen. Investiert wurden hier knapp 1,5 Millionen Euro für eine Filteranlage, hinzu kämen 100.000 Euro jährlich für Wartung und Strom. Für den ­besonders kurz geschnittenen und deshalb empfindlichen Rasen auf den sogenannten Grüns, wo eingelocht wird, komme zusätzlich eine Osmose-Anlage zum Einsatz.

Nicht gelten lässt man die Argumente der Golfbranche beim Umweltschutzverband Gob. Wenn es um ein so heikles Thema wie Wasserknappheit gehe, müsse alles auf den Prüfstand, argumentiert Sprecherin Margalida Ramis – und die campos de golf stünden als Freizeitangebote nun einmal „ganz weit unten" auf der Prioritätenliste. Vor einigen Jahren sei man gegen Plätze vorgegangen, die illegal Trinkwasser benutzt hätten, so Ramis – was daraus geworden sei, ließe sich aber heute nicht mehr sagen.

Garau vom Wasserwirtschafts­amt hat Verständnis für die Klagen über die Qualität des geklärten Wassers, verweist aber auch darauf, dass es größtenteils gratis an die Plätze abgegeben werde. „Was wollen sie denn sonst auch mit dem Wasser machen?", hält ein Golfplatzbetreiber dagegen. „Wir nehmen denen ein ökologisches Problem ab."

Laut Bericht entfallen auf die Golfplätze rund fünf Prozent des geklärten Wassers. Rund 20 Prozent werden für die Bewässerung von Feldern und zu einem kleineren Teil öffentliche Grünflächen genutzt. Die restlichen rund 75 Prozent fließen bislang ungenutzt in Sturzbäche oder direkt ins Meer.

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