Prozessauftakt gegen den Ex-Pfarrer von Can Picafort

Priester soll Zehnjährige wiederholt vergewaltigt haben. Staatsanwaltschaft fordert 42 Jahre Haft. Erstmals könnte ein Geistlicher auf Mallorca wegen Missbrauch ins Gefängnis gehen

04.07.2016 | 10:05
Der beschuldigte Pfarrer (links) neben dem damaligen Bischuf Jesús Murgui.

Am Montagmorgen (4.7.) beginnt in Palma der Prozess gegen den ehemaligen Pfarrer von Can Picafort, der sich wegen Kindesmissbrauch und Vergewaltigung vor Gericht verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft auf Mallorca fordert 42 Jahre Haft für den 64-Jährigen.

Dem Beschuldigten Pere B. wird vorgeworfen, in den Jahren 1997 und 1998 eine zu dem Zeitpunkt zehnjährige Ministrantin wiederholt an intimen Stellen berührt zu haben. Später soll er das Mädchen mehrmals in seinem Wagen zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Ausgenutzt habe er dabei, dass er das Kind im Auto nach Hause brachte, so die Vorwürfe der Anklage.

Ein Mitarbeiter der Gemeinde hatte die Vorfälle bereits im Sommer 1997 zur Anzeige gebracht und gab dabei an, den Priester beobachtet zu haben, wie er die Ministrantin in einem Nebenraum der Kirche sexuell belästigt hätte. Die heute Volljährige stritt diese Augenzeugenberichte damals ab. Später begründete sie ihr Verhalten damit, dass der Pfarrer sie bedroht und zum Lügen gezwungen hatte. Im November 2012 zeigte sie die Vorfälle selbst an.

Die Kirche bestrafte Pere B. im Jahr 2013 bereits mit Exkommunizierung und schuf mit dieser Maßnahme einen Präzedenzfall für ganz Spanien. Es war das erste Mal, dass ein Priester in Spanien wegen Missbrauch aus der Kirche ausgeschlossen wurde. Kurz zuvor hatte der damalige Papst Benedikt die Devise "null Toleranz" gegenüber Missbrauchsfällen in der Kirche ausgegeben. Im Jahr 2015 entschädigte das Bistum die junge Frau mit 30.000 Euro.

Kirche und Gesellschaft werden den am Montag beginnenden Prozess aufmerksam verfolgen. Erstmals droht einem Priester auf Mallorca eine Haftstrafe wegen Missbrauch. Neben der damaligen Ministrantin werden auch weitere mutmaßliche Opfer sowie Priesterkollegen und Nonnen als Zeugen aussagen. /tg

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