"Touristen, die sich eine Woche lang betrinken wollen, brauchen wir nicht"

Palmas Bürgermeister José Hila will keine Sauftouristen mehr - die Playa de Palma ist allerdings immer noch voll von ihnen, zeigte sich beim Ortstermin mit dem Rathauschef

05.07.2016 | 09:28
Wieso dieser gequälte Blick? Bürgermeister José Hila mit einer Gruppe fröhlicher deutscher Urlauber.
Wieso dieser gequälte Blick? Bürgermeister José Hila mit einer Gruppe fröhlicher deutscher Urlauber.
Fotogalerie: Bürgermeister schaut am Strand nach dem Rechten

Nach einem Jahr im Amt ist Palmas Bürgermeister José Hila vor allem auf seine Volksnähe stolz: Mehr als 250 Bürger hat er persönlich in seiner Ratsstube empfangen. Außerdem sei er jeden Tag in der Stadt unterwegs, um sich ein Bild von den Sorgen und Nöten der Menschen zu machen, so der Sozialist. Zum Interview über den verschärften Kampf gegen die Saufgelage rund um den Ballermann kommt Hila am Donnerstagnachmittag (16.6.) ebenfalls an den Ort des Geschehens. Beim gemeinsamen Spaziergang dringen stellenweise deutsche Schlager an die Promenade, gelegentlich werden die Antworten des Rathaus­chefs von ein paar gröhlenden Urlaubern unterbrochen, und auf dem Mäuerchen mischen ein paar Jungs Wodka-Cola in Plastikbechern. Dazu gibt es Oliven, Chips und leise Musik.

Ist das, was diese Jungs machen, jetzt eigentlich verboten?
Das hängt davon ab, ob sie die Lautstärke noch lauter drehen oder ob sie das den ganzen Tag machen. Das ist alles Ermessenssache. Die Verordnung untersagt im Prinzip alles, was andere Urlauber stören könnte, die große Mehrheit will schließlich einfach den Strand genießen.

Die Hinweisschilder sind diesbezüglich nicht sehr eindeutig, wie laut darf man Musik hören, wie weit darf man sich betrinken?
Normalerweise sind Gesetze nirgends öffentlich ausgehängt. Das Gesetz ist gültig und wir haben zusätzlich Schilder aufgestellt, obwohl das nicht nötig wäre, wir könnten die Leute auch so belangen. Das ist wie bei den Verkehrsregeln, die muss man kennen und befolgen. Die Schilder dienen vor allem der Vorbeugung.

Wer entscheidet dann, ob es sich um ein Trinkgelage handelt und ein Bußgeld verhängt wird?
Uns geht es nicht darum, Bußgelder zu verhängen, sondern darum, bestimmte Verhaltensweisen zu verhindern. Wir wollen kein Geld einnehmen, sondern erreichen, dass die Leute hier ihren Urlaub genießen können – aber ohne sich zu betrinken und andere zu belästigen.

Warum verkündet man die Bußgeld-Bilanz dann in einer eigens einberufenen Pressekonferenz?
Es ist wichtig, dass die Leute mitbekommen, dass es uns ernst ist. Die Nachricht ist, dass wir die Verordnung umsetzen. Außerdem ist es wichtig, die Bürger über die Tätigkeiten der Stadtverwaltung zu informieren, das ist Teil der Transparenz.

Was sagen Sie zu den Beschwerden, die Polizei würde dem Treiben weiterhin tatenlos zusehen?
Wenn man bedenkt, dass bereits sehr viele Bußgelder verhängt wurden, haben diese Leute wohl nicht ganz recht. Ich habe ja nicht gesagt, dass ich die Playa de Palma in einem Jahr komplett verändern werde. Das ist der Anfang, wir haben die Polizeipräsenz erhöht, die Verordnung verschärft und nun beginnen wir, sie umzusetzen. Aber das wird dauern. Zudem brauchen wir die Mithilfe der Anwohner und Unternehmer.

Vor einigen Wochen gab es eine Inspektion im Bierkönig, bei der angeblich festgestellt wurde, dass die tatsächliche Kapazität des Partytempels weitaus größer ist als die in der Betriebsgenehmigung vermerkte. Warum passiert da nichts, haben die Behörden Angst vor den Big Playern?
Weil wir niemandem etwas schuldig sind, brauchen wir auch keine Angst zu haben, sondern können so strikt sein, wie wir sein werden. Allerdings erfordern solche Sanktionen ihre Zeit, da der betroffene Unternehmer das Recht hat, Widerspruch einzulegen. Wir sind ja keine Diktatur. Das Bußgeld wird nicht im Augenblick der Inspektion einkassiert. Ob es eine Sanktion gibt, wird sich erst nach der Einspruchsfrist zeigen. Entscheidend ist vielmehr, dass wir diese Kontrollen in den Lokalen durchführen, wie wir es auch angekündigt haben.

Und wie ist das bei den Knöllchen für Trinkgelage am Strand?
Genauso. Auch da gibt es eine Einspruchsfrist, in der jeder Betroffene seine Argumente vorbringen kann.

Vom harten Durchgreifen ist seit einigen Jahren die Rede und am Ende wird trotzdem weitergetrunken und -gefeiert – macht sich die Stadtverwaltung nicht allmählich lächerlich?
Ich staune manchmal wirklich sehr über diese Debatten. Jede halbwegs zivilisierte Stadt möchte, dass es im öffentlichen Raum gesittet zugeht und die Leute sich verantwortungsvoll benehmen. Wenn sich hier
200 Leute besaufen, ist das unzivilisiertes Verhalten, und ich weigere mich, dieses Verhalten auch nur eine Sekunde zu rechtfertigen. Das wollen wir hier in Palma nicht, und das ist völlig legitim. Wir haben inzwischen so viele Besucher, dass wir wählerisch sein können – und Touristen, die sich eine Woche lang betrinken wollen, brauchen wir nicht. Die verursachen mehr Kosten, als sie Nutzen bringen. Wir bemühen uns, dass die Playa de Palma als Urlaubsziel aufgewertet wird – die Hoteliers zum Beispiel haben viel Geld in Sanierungsprojekte gesteckt – und diese Qualitätssteigerung muss sich auch im Umfeld bemerkbar machen. Es kann nicht so weitergehen wie bisher, es muss besser werden.

Würden Sie Geld für ein Fünf-Sterne-Hotel an der Playa de Palma ausgeben?
Ich war noch nicht in den neuen Hotels. Aber ich gehe davon aus, dass die internationalen Ketten, die diese Hotels eröffnen, wissen, dass es dafür einen Markt gibt. Und wer hierher kommt, bleibt nicht eine Woche an der Playa, die Leute erkunden die ganze Insel.

Ein leidiges Thema sind die vielen fliegenden Händler. Wie wollen Sie denen beikommen, wenn laut Medienberichten sogar die Polizei kapituliert?
Was wir tun, ist die Polizeipräsenz zu erhöhen. Denn wenn sie einen Polizisten sehen, verschwinden sie.

Das ist aber doch nur ein Katz-und Maus-Spiel?
Aber irgendetwas muss man ja tun. Zumindest setzt man so ein Limit. Wenn keine Polizei hier wäre, würde sich das herumsprechen und im Sommer kämen noch mehr Händler, auch vom Festland. Die andere Sache ist, Alternativen für die Verkäufer zu suchen. Indem man ihnen einen Raum bietet, wo sie ihre Produkte legal verkaufen können, oder indem man sie bei der Suche nach einem anderen Job unterstützt.

Während unseres Spaziergangs haben uns keine Straßenhändler belästigt, auch die Urlauber haben sich gut benommen – ist Ihnen etwas anderes negativ aufgefallen?
Das (zeigt auf herumliegenden Müll), es gibt überall Mülltonnen, da kann man das doch reinwerfen. Aber im Großen und Ganzen ist hier alles in Ordnung. Die Playa de Palma ist kein Katastrophengebiet. Es geht deshalb lediglich darum, die Exzesse einzudämpfen, nichts weiter.

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