Wer macht hier Kasse?

„Habgier" und „Niedertracht": Mallorcas Bischof streitet mit Nonnen um ein Kloster

26.07.2016 | 09:40
Das traute Zusammensein täuscht: Der Bischof und die ehemals im Jeroni-Kloster wohnenden Nonnen sind sich spinnefeind.
Das traute Zusammensein täuscht: Der Bischof und die ehemals im Jeroni-Kloster wohnenden Nonnen sind sich spinnefeind.

Ein schon länger schwelender hässlicher Zwist in der katholischen Insel-Kirche beschäftigt dieser Tage mal wieder die Medien. In einer Anzeige werfen mehrere Nonnen des Hieronymitinnen-Ordens Bischof Javier Salinas nichts weniger als „Habgier" vor – bekanntlich eine der sieben Todsünden. Die jerónimas, wie sie auf Spanisch genannt werden, ärgern sich darüber, dass sich die Diözese als Eigentümerin ihres im Volksmund Sant Jeroni genannten Klosters in Palma hat registrieren lassen. Die letzten fünf dort verbliebenen Gottesfrauen waren 2014 in das Kloster Sant Bartomeu in Inca umgezogen – aus Altersgründen, aber auch wegen des schlechten Gebäudezustands. Damals wurde festgestellt, dass das Kloster, das teilweise aus dem 15. Jahrhundert stammt, offiziell gar keinen Eigentümer hatte.

Das war insofern ungünstig, weil die Gottesfrauen eigentlich geplant hatten, das Kloster (ohne Kirche) an den Meistbietenden zu verkaufen und mit der Hälfte der Erlöse andere Häuser des Ordens zu finanzieren (die andere Hälfte des Geldes sollte an die Caritas gehen). Die Provinzialoberin Sor Maria Trinitat Cabrero habe dem Bischof das Problem der Eintragung ins Grundbuch sowie ihre Verkaufsabsichten bei einem Treffen am 5. November 2014 geschildert, so María del Pilar Rosselló, die Anwältin der Nonnen. Auf die Bitte, die ­Überschreibung an die Hieronymitinnen zu ermöglichen, habe der Oberhirte jedoch mit Ausflüchten reagiert. Das Treffen sei in Wirklichkeit „eine Falle" gewesen, so die Anwältin in der 2015 gestellten Anzeige. „In Wahrheit begehrte der Bischof das Kloster, er wollte die Schlüssel." Salinas ließ Sant Jeroni am 30. Dezember dann tatsächlich auf die Diözese überschreiben. „Kann man sich eine größere Niedertracht vorstellen?", empört sich die Anwältin.

Der Verdacht: Bischof Salinas fand an den Plänen zum Verkauf Gefallen und will jetzt selbst Kasse machen. Ein schmuckes Boutique-Hotel würde das Kloster, das offiziell nach der mit Erobererkönig Jaume I. verwandten heiligen Elisabeth von Thüringen (1207–1231) benannt ist, allemal abgeben, zumal es sich am Ostrand der Altstadt befindet und sogar ein wenig Meerblick hat. In einer Stellungnahme weist die Diözese derlei allerdings weit von sich. Man wolle Mitglieder eines anderen Ordens in dem Kloster unterbringen, heißt es.

Ärger zwischen den Nonnen und Salinas hatte es bereits im Mai 2015 gegeben, als der Bischof die Überführung unter anderem von wertvollen Altarbildern nach Inca in letzter Minute verhindern ließ. Arbeiter hatten damals die Kunstwerke im Auftrag der Nonnen bereits in einen Lkw geschafft. Die Gottes­frauen argumentierten, Holzwürmer und Nagetiere würden den Gemälden und anderen Kulturgütern schaden.

Der Streit könnte ein gutes Ende finden, wenn eine Idee realisiert werden würde, die schon seit zwei Jahren im Raum steht: Die Stiftung Amadip Esment, die sich die Eingliederung von Behinderten ins Arbeitsleben auf die Fahnen geschrieben hat, will dort ein Museum, eine einfache Herberge und ein Restaurant einrichten. Zudem sollen die Gärten ökologisch bewirtschaftet und wieder Gottesdienste in der Kirche abgehalten werden. Die Nonnen dürften dann sogar aus Inca zurückkehren.

Die Hieronymitinnen, so heißt es, könnten sich das gut vorstellen, zumal das Wirken der Stiftung im Sinne der von Papst Franziskus progagierten neuen Bescheidenheit der Kirche sei. Auch Inselrats-Chef Miquel Ensenyat unterstützt das Vorhaben. Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Stiftung fordert, dass die Diözese nicht mehr als Eigentümer fungiert. Ob Bischof Salinas das Sahnestück wieder aus der Hand gibt, ist fraglich.

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