Inselrat restauriert Mallorcas Wach- und Warntürme

Bis zu 26 historische Zeugnisse kommen in Frage - was es mit den Türmen auf sich hatte

29.07.2016 | 10:11
Der Turm von Cala Figuera in der Gemeinde Calvià ist in schlechtem Zustand.

Der Inselrat auf Mallorca legt ein Programm zur Restaurierung der Wachtürme an der Inselküste auf. Bis zu 26 der historischen Zeugnisse, der Zustand als gut oder mittelprächtig eingestuft wurde, sollen wieder instand gesetzt werden - sofern dies die Besitzer der Grundstücke beantragen.

Insgesamt sind auf Mallorca rund 60 Wachtürme erhalten. Die meisten von ihnen wurden im 16. und 17. Jahrhundert erbaut. Unterscheiden lassen sich Warntürme, von denen aus durch Feuer- oder Rauchzeichen vor einer drohenden Gefahr gewarnt wurde und die vor allem an der Küste erbaut wurden, sowie reine Beobachtungs- und Wachtürme. Seit 1949 stehen sie unter Denkmalschutz.

Das jetzt aufgelegte Programm sieht vor, dass der Inselrat die nötigen Fach- und Arbeitskräfte für die Restaurierung stellt. Für einen Zeitraum von vier Jahren stehen jeweils bis zu 500.000 Euro zur Verfügung. Der Besitzer wiederum muss die Materialkosten tragen.

Erbaut wurden die Türme, nachdem die spanische Seemacht um 1500 einige afrikanische Gebiete erobert hatte und sich dort allmählich eine gewaltige Piratenflotte formierte. Um das westliche Mittelmeer zu verteidigen, holte sich die spanische Krone Festungsbaumeister ins Land und ließ vor allem im Laufe des 16. Jahrhunderts die "Piratentürme" errichten. Sie bestanden in der Regel aus gewölbeartig gebauten Kammern über zwei Etagen sowie einer Zisterne zur Versorgung mit Trinkwasser. Der Eingang befand sich meist mehrere Meter über dem Boden und konnte nur durch eine Strickleiter erreicht werden. Als Baumaterial dienten Blöcke aus Marés-Gestein.

Die zwei bis vier Mann pro Turm verfügten in der Regel über eine Kanone sowie einige Handfeuerwaffen. In der Regel durfte nur einer von ihnen den Turm verlassen, um Nahrung zu beschaffen. Sichteten die Männer feindliche Schiffe, schlugen sie am Tag per Rauchzeichen, in der Nacht per Feuersignal Alarm und gaben diesen von Turm zu Turm weiter, bis auch die Herrscher in Palma vor der Gefahr gewarnt waren.

Das zahlte sich aus: Nachdem in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bei Überfällen bis zu 1.500 Piraten über Küstenorte und ihre ­Bewohner hergefallen waren, bewährte sich im Jahr 1561 das Frühwarnsystem bei einem Angriff auf Sóller. Die Falle schnappte zu, die Mallorquiner töteten einen Großteil der Piraten. Von da an sollten nur noch wenige Angriffe von Erfolg gekrönt sein, und im Jahre 1571 wurde schließlich die Piratenflotte von Chaireddin Barbarossa zerschlagen. Von da an waren Überfälle selten, sie hielten aber bis Mitte des 19. Jahrhunderts an.

Eine Dokumentation der Türme in Wort und Bild hat der Deutsche Jens Händel auf der Website www.mallorca-torres.de zusammengestellt (hier geht es zum vollständigen MZ-Archiv-Artikel).   /ff

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