Gefährliches Baden: Deutsche stirbt im Meer vor Can Picafort

Augenzeugen kritisieren, dass zu wenig vor gefährlichen Strömungen gewarnt worden sei

23.08.2016 | 15:10

Was tun im Notfall?

  • Wer im Meer in eine Unterströmung gerät, die insbesondere an der Ostküste hin und wieder auftreten, sollte nicht gegen die Strömung anschwimmen. Das kostet zu viel Kraft. Am besten ist es, zur Seite aus der Strömung zu schwimmen. Je weiter man sich aus dem gefährlichen Zentrum der Strömung entfernt, desto schwächer wird sie.
  • Wer einem Schwimmer zu Hilfe kommen will, sollte nicht allein sein, um nicht selbst in eine Notlage zu geraten. Wenn möglich, Hilfsmittel zum Auftrieb mitnehmen, im Idealfall professionelle Rettungsringe, zur Not tut es aber auch eine stabile Luftmatratze.
  • An den Stränden Mallorcas zeigen verschiedenfarbige Fahnen unter anderem an den Türmen der Rettungsschwimmer an, ob es gefährlich ist, zum Baden ins Mittelmeer zu gehen. Grün bedeutet keine Gefahr, Gelb mahnt Schwimmer zur Vorsicht, bei Rot ist das Baden verboten. Zudem gibt es noch zwei weitere Farben: Orange zeigt an, dass ein Rettungsschwimmerturm aktuell nicht besetzt ist, bei Lila wurden Quallen in der Nähe gesichtet.

„Wir waren Muscheln sammeln, da spürte ich den Sog schon an den Füßen und wunderte mich, dass doch so viele Menschen weit draußen auf dem Meer waren", schreibt eine MZ-Leserin auf Facebook über den Strandtag in Can Picafort am Donnerstag vergangener Woche (11.8.), wo lediglich die gelbe, nicht aber die rote Flagge gehisst gewesen sei. „Kaum saß ich, rannten die Sanitäter und ein Arzt mit Defibrillator an uns vorbei – ich bekomme jetzt noch Gänsehaut."

Eine 52-jährige deutsche Urlauberin konnte gegen 11 Uhr nur noch tot aus dem Wasser geborgen werden. Ihr Ehemann und ein weiterer Begleiter, die nach Zeugenaussagen ebenfalls bis zu den Bojen rausgeschwommen waren, wurden gerettet.

Während die Ortspolizei gegenüber der MZ von einer roten Flagge am Strand von Can Picafort spricht – absolutes Badeverbot –, sind sich mehrere MZ-Leser sicher, vor Ort eine gelbe Flagge gesichtet zu haben. Sie bedeutet, dass Baden gefährlich und nur unter Auflagen erlaubt ist. Dabei war die See an der Nordostküste seit Tagen aufgewühlt. Am selben Tag wurde ein 49-jähriger Schwede, der in eine gefährliche Unterströmung an der Playa de Muro geraten war, gerettet, am Samstag zuvor waren dort sechs Menschen vor dem Ertrinken bewahrt worden.

Welche Flagge wehte nun in Can Picafort? Ortspolizei wie MZ-Leser haben wohl beide in gewisser Hinsicht recht. Nach Angaben von Toni Nadal, dem Sicherheitskoordinator der Gemeinde Santa Margalida in Can Picafort, war an den Hochsitzen der Rettungsschwimmer die gelbe Flagge gehisst. Zusätzlich habe man an dem Tag Abschnitte mit gefährlichen Strömungen mit roten Flaggen im Sand markiert, so wie üblich. „Diese Strömungen treten immer an denselben zwei, drei Stellen auf", so Nadal.

Die Deutsche sei mit ihrem Mann und dem Begleiter zwar nicht an einem dieser mit roter Flagge markierten Abschnitte ins Wasser gegangen, habe sich aber nicht an die Auflagen gehalten. Die gelbe Flagge bedeute nämlich, dass man nicht weiter hinausschwimmen dürfe, als man noch mit eigenen Füßen stehen könne, erklärt der Sicherheitskoordinator und warnt davor, dass viele Badegäste die gelbe mit der grünen Flagge (Baden erlaubt) gleichsetzten.

Allerdings ist die Bedeutung der gelben Flagge nicht einheitlich geregelt, sondern Sache der jeweiligen Kommune, gibt Toni Carrió, Koordinator der Rettungsschwimmer an der benachbarten Playa de Muro, zu bedenken. „Bei uns bedeutet Gelb, dass Rettungsschwimmer die Benutzung von Luftmatratzen verbieten und unter Zwölfjährige nicht allein ins Wasser dürfen", so Carrió über die Regelung in der Gemeinde Muro. Auch hier würden gefährliche Abschnitte separat mit Rot markiert – und in einem solchen sei der gerade noch gerettete Schwede ins Wasser gegangen. Die Unterströmung habe 80 Meter ins Meer gereicht.

Dass viele Badegäste die Flaggen missachten, bestätigt auch die deutsche Rezeptionistin eines Hotels am Strand von Can Picafort, die beim Unglück von vergangener Woche als Übersetzerin hinzugerufen wurde und dem unter Schock stehenden Mann der Ertrunkenen schließlich erklären musste, dass seine Frau nicht in ein Krankenhaus, sondern in die Leichenhalle gebracht werde. Während die Rettungssanitäter umringt von zahlreichen Schaulustigen noch um das Leben der Frau gekämpft hätten, seien andere Badegäste unbekümmert mit der Luftmatratze ins Wasser. Auch eine rote Flagge schrecke viele Urlauber in der Regel nicht, so die Deutsche, die seit sechs Jahren an der Rezeption arbeitet. „Sie freuen sich vielmehr über die hohen Wellen, während die Rettungsschwimmer hin- und herrennen und pfeifen."

Im Fall von Can Picafort kritisieren MZ-Leser, dass die roten Flaggen im Sand schlecht sichtbar gewesen seien und die Unfallstelle zu spät als Gefahrenzone markiert worden sei. „Erst nach dem Unglück wurden zwei kleinere rote Flaggen links und rechts neben dem Unglücksort wenig sichtbar direkt in den Sand gesteckt", heißt es in der E-Mail eines Augenzeugen. Auch am Hochsitz sei nach dem Unglück eine rote Flagge gehisst worden, erklärt die deutsche Rezeptionistin. Koordinator Nadal hingegen versichert, dass alle Stellen mit gefährlichen Strömungen bereits am Morgen markiert worden seien, ansonsten aber am Strand die gelbe Flagge gehisst gewesen sei.

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