Wassersparen im Hotel: Flatrate für die Dusche

Trotz Investitionen in die Umwelttechnik und Appellen an die Hotelgäste verbrauchen Urlauber deutlich mehr Wasser als Residenten

11.08.2016 | 01:00
Wassersparen im Hotel: Flatrate für die Dusche
Wassersparen im Hotel: Flatrate für die Dusche

Einen Grund zum Duschen gibt es eigentlich immer während des Sommer-Urlaubs – vor dem Frühstück, nach dem Insel-Ausflug, vor dem Partyabend, nach dem Strandbesuch. „Laut unseren Zahlen verbrauchen Urlauber deutlich mehr Wasser als Residenten", sagt Neus Truyol, Leiterin der Stadtwerke Emaya, die einen Großteil der Playa de Palma versorgen. Demnach kommt ein Palma-Einwohner im Schnitt auf 119 Liter am Tag, ein Urlauber auf bis zu 278 Liter – mehr als das Doppelte. „In diesem Sommer müssen wir uns auf einen Spitzenverbrauch einstellen."

Just in den Monaten, wenn es auf Mallorca am wenigsten regnet und am heißesten ist, steigern die Urlauber nicht nur durch ihre Anwesenheit, sondern auch durch ihr Nutzungsprofil den Wasserverbrauch. Auch deswegen fordert die Umweltschutzvereinigung GOB, die Zahl der Touristen auf Mallorca zu begrenzen – die Ressourcen der Insel reichten schlichtweg nicht aus. Dabei gehe es nicht nur um das Duschen. Da wären auch Pools und Spa, Großküchen, Wäschereien und nicht zu vergessen die Klimaanlagen.

In der Urlaubsbranche dagegen sieht man sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Mehr als 70 Prozent der Hoteliers hätten längst ein Umweltprogramm aufgelegt, heißt es in einer Pressemitteilung von Mallorcas Hoteliersverband (FEHM) – vor allem im Zuge von Hotelsanierungen habe die Branche in ressourcensparende Maßnahmen investiert. Der Verbrauch pro Tourist und Mallorca-Aufenthalt sei im vergangenen Jahr um 26,3 Prozent auf 280 Liter zurückgegangen, an der Playa de Palma sogar um
40 Prozent auf 232 Liter.

Sparpotenzial gibt es eine Menge, wie das Beispiel des Hotels Sol Beach House in Magaluf zeigt – die mallorquinische Hotelkette Meliá hat das Haus im Rahmen des 2007 unternehmensweit gestarteten Nachhaltigkeitsprojekts „Save" umgerüstet. So wurden 2015 an den Waschbecken in allen Zimmern Durchflussbegrenzer installiert: Der kostengünstige Aufsatz reduziert die Wassermenge um die Hälfte, der Wasserstrahl wirkt dank dem luftigeren Strahl aber trotzdem voll. „Die Urlauber haben nichts gemerkt", ist sich Hoteldirektor Ignacio Cebrián sicher. Ähnliches gilt für die Duschen, die mit Sparbrausen nachgerüstet worden seien. Damit fließt nicht nur weniger Wasser durch die Leitung, es wird auch an der Energie gespart, die zur Erwärmung notwendig ist.

Investiert wurde zudem in die Pooltechnik. Statt wie früher die Becken teilweise zu entleeren und neu zu befüllen, kommt nun ein automatisiertes System zum Einsatz, das durchgehend filtert sowie Temperatur und Chlor kontrolliert. Gerade im Hochsommer, wenn die Hotelgäste großzügig Sonnencreme auftragen, mache sich die Einsparung bemerkbar, so Cebrián.

Ein dritter Bereich mit großem Sparpotenzial ist das Rohrleitungssystem, dessen Sanierung freilich teurer ausfällt. Immerhin rund 70 Prozent der Rohre im Mallorca Beach House, die zum Teil noch aus der Zeit der Eröffnung im Jahr 1969 stammten, habe man inzwischen ersetzt, so Cebrián. Die restlichen Rohre seien im kommenden Winterhalbjahr an der Reihe. Bereits für das vergangene Jahr könne man einen Rückgang des Wasserkonsums pro Urlauber und Aufenthalt von 200 auf 180 Liter vermelden. Von solchen Initiativen könne sich mancher Privathaushalt durchaus eine Scheibe abschneiden.

Die Umweltschutzvereinigung GOB bestätigt das ernsthafte Bemühen vieler Hoteliers beim
Wassersparen, Sprecherin Margalida Ramis verweist jedoch darauf, dass die Motive nicht nur im Umweltschutz lägen. Es gehe schließlich auch darum, Kosten zu sparen und das Image aufzupolieren. „Die Hoteliers wollen nicht an der Wasserkrise auf Mallorca schuld sein." Zudem wolle sich die Branche mit einer verantwortungsvollen Politik bewusst von den sich breitmachenden Ferienvermietern absetzen.

In Palma wird laut Emaya mehr als die Hälfte des Wassers in Privathaushalten verbraucht, dahinter folgen Handel und Gewerbe mit knapp 22 Prozent. Die Hotelbranche kommt auf 6,3 Prozent, die restlichen 17 Prozent versickern infolge von Lecks. Wie viel Wasserverbrauch auf die Urlauber entfällt, ist dabei nicht nur wegen der boomenden Ferienvermietung schwer zu sagen. Da wären auch die vielen Zweithausbesitzer, von denen viele einen Pool ihr Eigen nennen – diese (Langzeit-) Urlauber sind ebenfalls als Privathaushalte ausgewiesen.

Nur bedingt zu kontrollieren ist außerdem das Verhalten der Urlauber: Man kann ihnen schließlich nicht verbieten, drei Mal am Tag zu duschen, den Wasserhahn beim Zähneputzen geöffnet zu lassen oder jeden Tag auf frische Handtücher zu bestehen. „Das ist nun mal alles inklusive", meint Hoteldirektor Cebrián. Und die Wirksamkeit von Aufklebern auf dem Badezimmerspiegel, die zum Wassersparen auffordern, lässt sich auch nicht messen. Zumindest einmal im Jahr, am Tag des Wassers, zeige man den Urlaubern aber in Workshops, wie es um ihren Verbrauch bestellt sei, so der Hoteldirektor. Ein Teil der Hotelgäste sei für solche Demonstrationen durchaus empfänglich.

Trotz der Bemühungen in der Branche seien die bisherigen Ergebnisse noch nicht ausreichend, meint Emaya-Chefin Truyol. „Der Verbrauch in den Hotels ist unter anderem infolge der Pools, der Grünanlagen und der Reinigungssysteme weiterhin sehr hoch." Um die Versorgung im Sommer zu garantieren, planen die Stadtwerke deswegen langfristig vor – der Verbrauch der Hotels im Stadtbezirk Palma schnellt von 66.500 Kubikmetern im Januar auf 418.500 Kubikmetern im August in die Höhe. „Wir schonen bewusst das Grundwasser und die Stauseen Cúber und Gorg Blau, deren Wasser wir dieses Jahr nur im Sommer verwenden", so Truyol. Stattdessen werde man auf das Wasser der Entsalzungsanlagen zurückgreifen, das man allerdings teuer vom balearischen Wasserwirtschaftsamt einkaufen müsse.

Die Hoteliers stehen beim Wassersparen aber nicht nur wegen der knappen Ressourcen auf Mallorca in der Pflicht. Marcos Tejerina, Leiter Ressourcenmanagement bei der Hotelkette Meliá, verweist auch auf Forderungen der Reiseveranstalter sowie immer mehr umweltbewusster Urlauber gerade aus Nordeuropa. Für solche Gäste sei es in modernen Häusern beispielsweise durchaus denkbar, beim Check-out zusammen mit der Rechnung den individuellen Verbrauch eines Hotelzimmers auszuweisen. /fk

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