Versalzung: Zu nah an der Küste gebaut

Santanyí kämpft mit mieser Wasserqualität – vor allem, weil Meerwasser in die Grundwasservorkommen vordringt. Diese Salzwasserintrusion in der Gemeinde analysiert jetzt auch eine spanienweite Studie

11.08.2016 | 01:00
Meerwasser und Grundwasser sind in der Tiefe oftmals nur durch die unterschiedlich hohe Dichte getrennt – ein fragiles Gleichgewicht.
Meerwasser und Grundwasser sind in der Tiefe oftmals nur durch die unterschiedlich hohe Dichte getrennt – ein fragiles Gleichgewicht.

Santanyí ist für Geologen, die sich mit dem Phänomen der Versalzung des Trinkwassers beschäftigen, in jeder Hinsicht ein Paradebeispiel: Die Gemeinde versorgt sich zu 100 Prozent mit Grundwasser, dessen Vorkommen unweit des Meeres liegen. Urlauber und Zweithausbesitzer treiben alljährlich während der heißen Sommermonate den Wasserverbrauch in die Höhe – die Bevölkerung wächst dann von 11.000 auf bis zu 50.000 Personen. Und aufgrund seiner Lage an der Südostküste ist die Gemeinde bislang abgeschnitten von anderen Versorgungsquellen auf der Insel.

Santanyí drängte sich also geradezu auf, um neben Gebieten auf den Kanaren und an der Festlandküste in eine Studie der katalanischen Fachhochschule UPC über die sogenannte Salzwasser­intrusion aufgenommen zu werden. Für die Anwohner, die seit Jahren über die miese Wasserqualität klagen und sich in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, ist das ein schwacher Trost – die Wissenschaftler sammeln erst mal nur Daten, um sie auszuwerten.

Um die Frage, wie die Lage in den Griff zu bekommen ist, kümmert sich die Firma Gest Ambiental, die für die Gemeinde die Versorgungslage analysiert. „Derzeit sind drei der vier Grundwasservorkommen, auf die Santanyí zurückgreift, stark mit Meerwasser verunreingt", erklärt der zuständige Koordinator Miquel Lliteras. Das liege neben der Nähe zum Meer und der übermäßigen Nutzung an der Beschaffenheit der Reservoirs, die zum Meer hin offen sind.

Zwar gibt es eine natürliche Barriere – das Salzwasser hat eine höhere Dichte als das Süßwasser. Doch wird zu viel Süßwasser entnommen, kommt das empfindliche hydrostatische Gleichgewicht in der Tiefe durcheinander: Das Wasser fließt vom dichteren zum weniger dichten Medium, bis die Druckverhältnisse ausgeglichen sind. Und was dann aus den Hähnen fließt, ist in den seltensten Fällen trinkbar.

Was also tun? Zunächst einmal können auch kleinere Korrekturen helfen. „Wenn man eine Pumpe fünf oder zehn Meter höher anbringt, kann sie in manchen Fällen wieder Süßwasser abschöpfen", erklärt Lliteras. Solche Maßnahmen prüfe man bei sämtlichen Brunnen. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, das Grundwasser weiter landeinwärts zu fördern, wo die Gefahr für die Salzwasserintrusion geringer ist. Das geschieht derzeit im Fall von Cala d´Or. Der Küstenort wird genauso wie das von schlechter Trinkwasserqualität geplagte Portocolom der Nachbargemeinde Felanitx in Zukunft von einem Brunnen in der Gemeinde Manacor versorgt. Die Leitungen seien verlegt, derzeit liefen letzte Qualitätsanalysen.

Denkbar sind weiterhin Wasseraufbereitungsanlagen. Das Problem: In der Gemeinde Santanyí sind neun verschiedene Konzessionsfirmen für die Wasserversorgung zuständig, die alle ihr eigenes Ding machen – eine historisch gewachsene Struktur aus einer Zeit, als die Versorgung der kleinen Ortsteile, und nicht eine kohärente Wasserpolitik, im Vordergrund stand. Inzwischen sei immerhin ein Kommunikationsprotokoll auf den Weg gebracht worden, meint Lliteras. Um aber eine gemeinsame Aufbereitungsanlage zu bauen, müssten die lokalen Leitungen erst einmal vernetzt werden.

Langfristig hofft die Gemeinde darauf, an die inselweite Infrastruktur des balearischen Wasserwirtschaftsamts angeschlossen zu werden – bislang reicht die nur bis Santa Maria, bis Ende der Legislaturperio­de 2019 aber womöglich bis Manacor. Über dieses Netz könnte Santanyí Wasser der Sa-Costera-Quelle bei Sóller oder aus den Entsalzungsanlagen kaufen. Diese stehen weit entfernt in Palma, Andratx und Alcúdia. „Logisch wäre gewesen, dass man nach der Anlage in Palma zunächst eine im regenarmen Südosten gebaut hätte", klagt Lliteras. Da aus dem Leitungsanschluss so schnell nichts werden dürfte, wurde inzwischen auch der Bau einer eigenen Entsalzungsanlage ins Spiel gebracht. Meerwasser gibt es ja schließlich genug. /fk

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