Trockenheit auf Mallorca: Tankwagen, entsalztes Wasser und viele Appelle

Die Landesregierung schlägt Alarm wegen der Pegelstände in der Inselmitte. Wir fassen den Stand der Dinge zusammen

15.08.2016 | 09:02
Trockenheit auf Mallorca: Tankwagen, entsalztes Wasser und viele Appelle

Ein orangefarbener Streifen durchzieht die Landkarte von Mallorca, er reicht von Ses Salines an der Südküste bis Santa Margalida an der Nordostküste und umfasst zehn Gemeinden. In Ariany, Campos, Maria de la Salut, Montuïri, Petra, Porreres, Sant Joan, Santa Margalida, Ses Salines und Vilafranca gilt ab sofort eine Warnstufe wegen Trockenheit. Das restliche Mallorca ist gelb eingefärbt: Hier gilt noch die Stufe der Vorwarnung. Noch, wie Joana María Garau betont, Leiterin des balearischen Wasserwirtschaftsamts. Wenn es nicht bald regne, werde sich die Situation weiter verschärfen. Bislang liegen die Niederschläge knapp 20 Prozent unter den Vorjahreswerten.

Die vierstufige Skala – sie reicht von „stabil" (estable) über „Vorwarnung" ­(prealerta) und „Alarm" (alerta) bis „Notstand" (emergencia) – hatte die balearische Landesregierung im Frühjahr eingeführt. Die Aktualisierung Ende vergangener Woche dient der Orientierung und als Anlass für Appelle, hat aber erst mal keine konkreten Auswirkungen. Denn ein Notfallgesetz für Trockenheit gibt es bislang nicht, das Balearen-Parlament wird es voraussichtlich erst kommendes Jahr verabschieden. Der Aufforderung an die Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern, eigene Notfallpläne auf den Weg zu bringen, sind bislang Palma, Calvià oder Manacor gefolgt. Andere Kommunen wie Pollença, Alcúdia oder Marratxí dagegen noch nicht.

Die Pegelstände sinken weiter

Die Grundwasserreserven sind im Juli erwartungs­gemäß weiter zurückgegangen – gemessen wurde inselweit ein durchschnittlicher Pegelstand von 44 Prozent. Das sind drei Prozentpunkte weniger als im Juni und zehn Punkte weniger als im Juli vergangenen Jahres. Ähnlich niedrige Werte habe man zuletzt vor zehn Jahren gemessen. Garau spricht von einem „moderaten Rückgang" seit März, der einerseits die ausgebliebenen Regenfälle widerspiegele, andererseits aber auch das im Frühjahr aufgelegte Sofortprogramm der Landesregierung.

Auf Ibiza, wo im Juli ein durchschnittlicher Pegelstand von 35 Prozent gemessen wurde, gilt weiterhin die Vorwarnstufe. Im grünen Bereich ist auf den Balearen lediglich noch Menorca bei 53 Prozent.

Inselmitte: Appelle an die Bürgermeister

Zuständig für Sparmaßnahmen und Restriktionen auf Mallorca sind die Gemeinden. Garau appellierte deswegen an die Bürgermeister der Inselmitte, angesichts der Warnstufe weitere Schritte zum Wasser­sparen zu unternehmen, zum Beispiel bei der Straßenreinigung, der Bewässerung von Gärten, dem Befüllen von Pools oder öffentlichen Strand­duschen im Fall der Küstengemeinden. In den meisten Rathäusern der Inselmitte kamen diese Appelle allerdings nicht gut an. Die Rede war in ersten Reaktionen von unnötiger Panikmache. Man sei längst aktiv geworden, hieß es etwa im Rathaus von Montuïri. In Campos sprach Bürgermeister Sebastià Sagreras gegenüber der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca" von Pegelständen, die denen der Vorjahre entsprächen. Man überlege aber, die Tarife für Abnehmer mit übermäßig hohem Verbrauch he­raufzusetzen. Von möglichen Engpässen will keiner der betroffenen Bürgermeister etwas wissen.

Tankwagen in der Tramuntana im Einsatz

Auch wenn für das Gebiet der Tramuntana an der Nordküste weiterhin die Stufe der Vorwarnung gilt, beschreibt das Wasserwirtschaftsamt die dortige Lage ebenfalls als kritisch. Denn ­während das Umland von Palma und die Inselmitte an das inselweite Wassernetz und damit an die großen Grundwasserdepots und Entsalzungsanlagen angeschlossen sind, müssen sich die Tramuntana-Gemeinden mit Quellen oder Brunnen selbst versorgen. Mehrere Kommunen hätten sich inzwischen wegen der Probleme an die Landesregierung gewandt, so Garau. Man suche nun zusammen nach Lösungen. Diskutiert wird beispielsweise über den Ausbau des inselweiten Leitungsnetzes gen Nordküste, aber auch über den möglichen Bau lokaler Entsalzungsanlagen – ein Vorschlag aus dem Rathaus in Deià.

Puigpunyent hat bereits Tankwagen im Einsatz – sie bringen ­erstmals entsalztes Meerwasser in die Tramuntana. Getankt wird es an einer am 18. Juli in Betrieb ­gegangenen „Wassertankstelle" am Depot von Son Pacs nördlich von Palma – der Bau der rund 60.000 Euro teuren Anlage ist Teil des Maßnahmenpakets der Landegierung. Das balearische Wasserwirtschaftsamt (Abaqua) verkauft das Wasser an Puigpunyent zu einem Preis von 70 Cent pro Kubikmeter.

Auch die Gemeinden Banyalbufar und Deià in der Tramuntana müssen inzwischen Trinkwasser in Tankwagen ordern. Dort wie auch in Estellencs oder Valldemossa haben die Rathäuser Restriktionen für den Wasser­verbrauch erlassen – Pool befüllen und Garten bewässern ist strikt verboten. In Gemeindeteilen von Deià außerhalb des Ortskerns wie Llucalcari oder Cala de Deià läuft das Wasser aus dem Hahn seit dieser Woche nur noch an bestimmten Wochentagen. Banyalbufar hat den Fincas außerhalb des Ortskerns bereits ganz und gar das Wasser zugedreht, sie müssen sich nun über Brunnen selbst versorgen.

Entsalzungsanlagen laufen auf vollen Touren

Abgeschlossen sind inzwischen die Instandsetzungsarbeiten in der Entsalzungsanlage in der Bucht von Palma. Lief sie in den vergangenen Jahren wegen hoher Betriebskosten und Haushaltskrise im Minimalbetrieb, sind inzwischen alle neun Produktionslinien aktiv. Das Gleiche gilt für die kleineren Anlagen in Camp de Mar und Port d´Alcúdia, die in den vergangenen Jahren sogar ganz stillstanden. Geprüft wird inzwischen sogar ihre Erweiterung.

Der Stadtbezirk Palma bezieht inzwischen mehr als ein Drittel des benötigten Trinkwassers aus dem Meer, nachdem die Stauseen Cúber und Gorg Blau mit etwas über 40 Prozent rund 30 Punkte unter dem Pegelstand vom Vorjahr liegen. Und auch die Sa Costera-Quelle an der Nordküste – ihr Wasser wird bis nach Palma gepumpt – gibt im Moment nichts mehr her.

Video: ein Flug über den Stausee Cúber am 9. August

Die zunehmende Wertschätzung der Entsalzungsanlagen spiegelt sich auch in der Erhöhung des Tarifs für entsalztes Wasser wider, das zur Bewässerung auf Golfplätzen eingesetzt wird, und zwar um 45 Prozent auf 1,45 Euro pro Kubikmeter. Betroffen davon ist der Golfplatz von Alcanada, der bislang als Einziger auf Mallorca von dieser Möglichkeit Gebrauch macht. 2015 wurden dort gut 21.000 Kubikmeter Wasser gekauft.

Kampf den Lecks

Schwer messbar ist unterdessen der Fortschritt der Gemeinden bei dem Ziel, die Wasserleitungen in Ordnung zu bringen. Erst die nächste inselweite Statistik wird zeigen, ob der Anteil des im Netz verloren gehenden Wassers von zuletzt 26 Prozent gesenkt wurde.

Zumindest melden zahlreiche Kommunen Sanierungsarbeiten. Die Stadt Manacor stellt etwa jeden Dienstag im August in einem Viertel das Wasser ab, um dort Lecks zu reparieren. Die Digitalisierung der Systeme soll zudem helfen, Störungen schneller und effektiver zu finden.

Die Mandelernte leidet

Nach den Futterpflanzen im Winterhalbjahr werden nun auch Obst- und Mandelbäume auf Mallorca Opfer der Trockenheit. Die Trockenfrüchte sind schon früher reif als sonst – allerdings kleiner und von schlechterer Qualität, wie die Bauern beklagen. Auch die Getreideernte ist laut dem Verband der Landwirte (Asaja) hinsichtlich Qualität und Quantität „ziemlich schlecht" ausgefallen, die Rede ist von Verlusten bis zu 65 Prozent.

Da sich zudem die versprochenen Hilfen für die Ausfälle bei der Futterernte zwischen November und Februar verzögern, wächst der Unmut. Bislang wurde erst rund die Hälfte der knapp 700 Subventionsanträge bearbeitet. Die Bauern können beim Ankauf von Futtermitteln auf Zuzahlungen von 35 bis 40 Prozent hoffen, wobei die Mittel ausreichen – von den zur Verfügung gestellten zwei Millionen Euro dürfte die Hälfte übrig bleiben.

Urlauber, spart Wasser!

Urlauber, die noch nichts von der zunehmenden Wasserknappheit auf Mallorca mitbekommen haben sollten, klärt inzwischen eine eigene Kampagne auf. An die Hotels gingen in einer Auflage von 50.000 Exemplaren Türaufhänger, die auch auf Deutsch zum Wassersparen auffordern. Einen Beitrag leisten könnten die Urlauber zudem über die im Juli eingeführte Touristensteuer: Es mehren sich Vorschläge, die Einnahmen in die Infrastruktur zur Wasserversorgung zu investieren.

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