Verfahren gegen Golf de Andratx: Dementi, aber keine Erklärungen

In Camp de Mar soll der Rasen illegal mit Grundwasser bewässert worden sein. Die Hintergründe

15.09.2016 | 13:51
Die Inspekteure des Umweltministeriums bei der Arbeit.

Dort wo sich früher deutsche Promis die Klinke – oder besser den Golfschläger – in die Hand gaben, ermittelt jetzt die balearische Umweltbehörde. Die Betreiber von Golf de Andratx stehen im Verdacht, illegalerweise und im großen Stil Grundwasser zur Bewässerung der Anlage benutzt zu haben. Sollte sich der Vorwurf bestätigen, droht nicht nur ein schwerer Imageschaden, sondern auch eine Geldstrafe von bis zu einer Million Euro.

Die balearische Landesregierung blieb bei ihrer Anschuldigung zunächst anonym: Man habe auf vier Golfplätzen auf Mallorca Inspektionen durchgeführt und bei einer Anlage "schwere Vergehen" festgestellt, weswegen nun ein "Sanktionsverfahren eingeleitet" worden sei.

Mit den Inspektionen, die sich "über mehrere Monate hinzogen", habe man "auf eine eingegangene Anzeige reagiert", erklärte die Chefin des Wasserwirtschaftsamts, Joana Maria Garau, gegenüber der MZ. Die Inspekteure des Umweltministeriums fanden eine nicht genehmigte Pumpanlage mit einer Tageskapazität von 720 Kubikmetern, mit der gesetzwidrig Grundwasser für die Bewässerung des Rasens gefördert werde. Zusätzlich habe man einen Trinkwasser­speicher gefunden, aus dem ebenfalls bis zu 173 Kubik­meter pro Tag in die Sprinkleranlagen des Greens gepumpt wurden. Am Dienstag vergangener Woche (6.9.) machten sich die Mitarbeiter des Umweltministeriums daran, die Pumpanlage samt 180 Meter Rohrleitungen zu entfernen und die Stromversorgung zu kappen.

Doch mit der Anonymität der Anschuldigung war es schnell vorbei. Die Umweltschutzorganisation Terraferida twitterte: "Wenn es die Regierung nicht sagt, dann sagen wir es: Der Golfplatz, der illegal Wasser fördert, ist Camp de Mar, Andratx!" Der Vorsitzende der balearischen Tourismusagentur Pere Muñoz kündigte wenig später an, Golf de Andratx künftig von Werbemaßnahmen der Landesregierung auszuschließen.

Trotz wiederholter telefonischer und schriftlicher Anfrage der MZ wollte sich der geschäftsführende Gesellschafter des beschuldigten Golfplatzes, Dirk Dünkler, nicht zu den Vorwürfen äußern. Die "Bild-Zeitung" zitiert Dünkler mit dem knappen Statement: "Ich war selbst mehr als erstaunt, als ich darüber gelesen habe. Die Anschuldigungen sind natürlich falsch." Zwei von der MZ befragte Personen aus dem näheren Umfeld des Golfplatzes bestätigten, dass Dünkler die Vorwürfe für "Lügen" halte.

Meinung: Yachthäfen und Golfplätze müssen ihren Wasserverbrauch offenlegen

Auf der unter der Trockenheit leidenden Insel schlug die Nachricht freilich ein wie eine Bombe: Während an vielen Stränden die Duschen abgedreht werden und der Konsum vieler Insel-Haushalte streng rationiert wird, verbrauche der beschuldigte Golfplatz so viel Wasser wie ein 5.000-Einwohner-Ort wie Porreres, Alaró oder Esporles, rechnete Umweltminister Vicenç Vidal persönlich vor. Dem Unternehmen drohe eine Geldbuße zwischen 10.000 und einer Million Euro.

Die Chefin des Wasserwirtschafts­amtes ist da etwas vorsichtiger: „Bislang wissen wir nur, dass es eine illegale Brunnenanlage gibt, die zur Bewässerung eingesetzt wurde." Man kenne zwar die Kapazität der Anlage, aber wie viel Wasser tatsächlich floss, zu welchem Zeitraum und welcher Schaden dabei entstanden­ sei, das müsse nun „mit sehr komplizierten Tests ermittelt werden", so Garau. Da es sich dem Augenschein nach um alte Anlagen handelt, sei es „sehr wahrscheinlich", dass sie schon seit Jahren im Einsatz seien und nichts mit dem Eigentümerwechsel im vergangenen Jahr zu tun haben. Es könne durchaus­ „ein Jahr oder länger dauern", bis man ein endgültiges Ergebnis­ habe und die Strafe fest­legen könne.

Für die Mitglieder und Nutzer des Golfplatzes werfen die Anschuldigungen Fragen auf: Schließlich kaufe der Platz für teures Geld das vorgeklärte Wasser der Kläranlage in Andratx. Das beweise auch der nach Abwasser miefende Teich an Loch 10. „Das stinkt dermaßen nach Fäkalien, dass es sich bestimmt nicht um Grund- oder Brunnenwasser handelt", erklärt einer der langjährigen Nutzer des Golfplatzes. Um aus der nur ungenügend geklärten Flüssigkeit der Kläranlage zur Bewässerung geeignetes Wasser zu machen, durchläuft es die dafür vorgesehene Umkehr-Osmose-Anlage. Allerdings ist es für die Golfspieler in Andratx auch kein Geheimnis, dass dieser Wasserspeicher am Loch 10 lange Zeit trocken war, weil die Reinigungsanlage jahrelang defekt war. Nun scheint sie jedoch wieder im Einsatz zu sein.

Der Vorsitzende der Vereinigung der Golfplatzbetreiber auf den ­Balearen, Federico Knuchel, nimmt seine Kollegen gegen Vorverurteilungen in Schutz: "Eines ist klar", so schiebt er vorweg, "falls hier jemand gegen das Gesetz verstößt, muss er die Konsequenzen tragen." Um dann hinzuzufügen: "Die Golfplätze sind die einzigen auf der Insel, die eben kein Trinkwasser verbrauchen. Weil es ihnen verboten ist. Aber alle anderen – die Fußballplätze, die Grünanlagen der Hotels, die Schwimmbäder, die städtischen Parks – alle benutzen sie Trinkwasser", so Knuchel. "Wenn es ein Gesetz gibt, dann müsste es für alle gleichermaßen gelten." Die Linksregierung messe hier womöglich mit zweierlei Maß und nutze die Golfplätze als Sündenbock für die Wasserknappheit.

Und wenn der Club auch noch Deutschen gehöre, eigne er sich womöglich besonders gut als Sündenbock, argumentieren andere: "Warum dürfen die Boote im Yachthafen jeden Tag mit großen Mengen Trinkwasser abgespritzt werden?", fragt jemand, der sowohl den Golfplatz in Andratx als auch die Segelclubs der Insel gut kennt. "Das müsste auch verboten werden. Aber da sind vielleicht zu viele Mallorquiner dabei, die sich dann aufregen würden."

Für den kriselnden Golfplatz in Camp de Mar ist dies jedenfalls ein weiterer Schlag. Nach einem Insolvenzverfahren im Jahr 2014 wurde der in die Misere gewirtschaftete, ehemalige Promi-Club Anfang 2015 von einer siebenköpfigen deutschen Investoren-Gemeinschaft und Dünkler als deren Manager übernommen. Unter seiner Aufsicht wurde die damals heruntergekommene 18-Loch-Anlage modernisiert und verschönert.

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