Entsetzen über Männergewalt

Eine Woche vor dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am Freitag (25.11.) wird eine 56-Jährige von ihrem Mann erwürgt. Es ist bereits der sechste derartige Mordfall in diesem Jahr. So reagiert die Insel

07.12.2016 | 12:52
Sekunden, die Leben retten. Die Ortspolizei Palma schult Frauen, hier auch Politikerinnen, in Selbstverteidigung.

Entsetzen, Wut, Trauer und Verzweiflung auf Mallorca. In der vergangenen Woche wurden immer mehr grausame Einzelheiten über den Mordfall zu der am Mittwochmorgen (16.11.) in Palma entdeckten Leiche einer 56-jährigen Frau bekannt. Die Untersuchung der Gerichtsmediziner ergab, dass Celia Navarro vor ihrem Tod mehrere heftige Schläge mit unterschiedlichen schweren Gegenständen auf den Kopf erhielt. Der Mörder schliff sie dazu von der Küche in den Flur und schließlich ins Badezimmer. Die fünffache Mutter starb aber nicht an den Schlägen, sondern wurde anschließend erwürgt. Beim Auffinden der Leiche war die als Zimmermädchen arbeitende Frau bereits seit mindestens zwölf Stunden tot.

Als mutmaßlichen Mörder nahm die Polizei Navarros 50-jährigen Mann José María C. in der gemeinsamen Wohnung in Palmas Stadtviertel Son Cotoner fest. Der als Musik- und Ethiklehrer arbeitende Psychologe, der seit einem Monat wegen Depressionen krankgeschrieben war, wurde in der blutverschmierten Wohnung angetroffen und gab bei der Festnahme an, bei einem Streit mit einer Teekanne auf seine Frau eingeschlagen zu haben.
Anschließend hatte der mutmaßliche Täter anscheinend vergeblich versucht, Selbstmord zu begehen. Mit Verletzungen am Handgelenk und Medikamentenvergiftung wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte entließen ihn nach wenigen Stunden wieder. Bei der anschließenden Vernehmung
verweigerte der 50-Jährige die Aussage. Das Gericht ordnete Untersuchungshaft an und ermittelt wegen heimtückischen Mordes.

Trauerprotokoll
Celia Navarro ist bereits die sechste Frau, die im laufenden Jahr 2016 auf den Balearen von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet wurde. Die Reaktionen – Beileidsbekundungen der Politiker, Schweigeminuten vor dem Rathaus und Mahnwachen in Palma – sind schon fast zur erschütternden Gewohnheit geworden.
Der mallorquinische Inselrat will fortan einen Schritt weitergehen und ordnete ein Trauerprotokoll für diese Art von Frauenmorden an: Nach jedem weiteren Todesopfer durch Männergewalt soll die lange Namensliste aller ermordeten Frauen im Plenum des Inselparlaments verlesen werden. Außerdem werden alle Fahnen mit einer schwarzen Trauerschleife versehen und auf Halbmast gesetzt. Alle Rathäuser der mallorquinischen Kommunen seien aufgefordert, das Trauer­protokoll zu übernehmen.

Ziel sei es, die Gewalt in der ganzen Gesellschaft sichtbar zu machen und zu verurteilen, erklärte Bürgerbeteiligungsreferent Jesús Jurado für den Inselrat. Bei dem symbolischen Protokoll ginge es darum, „einen Schritt weiter zu gehen, um diese Morde zu einer Staatsangelegenheit zu machen". Die Maßnahmen waren schon länger geplant und sollten ursprünglich erst anlässlich des am Freitag (25.11.) anstehenden Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen bekannt gegeben werden.

Große Kundgebung geplant
Im Rahmen des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen finden in der Woche rund um den 25. November in fast allen Inselgemeinden Veranstaltungen statt. Die Hauptdemonstration der Insel beginnt am Freitag um 19.30 Uhr an der Plaça de la Porta Pintada direkt neben der Plaça d´Espanya in Palma. Mehrere Gemeinden organisieren Sternmärsche oder Busse zu dieser zentralen Kundgebung. Auch auf dem Fußballplatz wird der ermordeten Frauen gedacht. Drittligist Atlético Baleares läuft am Sonntag (27.11.) um 12 Uhr gegen Saguntino im Stadion von Son Malferit in Palma mit den Namen der sechs toten Frauen auf dem Trikot auf.

Zwölf Jahre Haft
Indes hat der kurz vor dem Abschluss stehende Gerichtsprozess um einen anderen Mordfall böse Erinnerungen aus dem Sommer 2015 wach werden lassen. Der wegen Tötung seiner Exfreundin Gemma Vich angeklagte J.S. einigte sich mit der Staatsanwaltschaft auf eine Gefängnisstrafe von zwölf Jahren, wie am Montag (21.11.) bekannt wurde. Der 33-Jährige muss vorher vor einem Geschworenengericht gestehen, wie er am 31. Juli 2015 nachts in die Wohnung seiner ehemaligen Partnerin einstieg und sie nach Aufschneiden der Halsschlagader verbluten ließ.

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