Spaniens Bad Bank Sareb plant Neubauten auf Mallorca

Das Institut bündelt faule Kredite und schwer verkäufliche Immobilien, um sie unter die Leute zu bringen. Auf ihren Grundstücken beginnt sie nun zu bauen

03.01.2017 | 08:42
Symbol des Immobilienwahnsinns in Spanien: der unvollendete Wolkenkratzer Intempo in Benidorm.

Der Wolkenkratzer Intempo im Ferien­ort Benidorm nahe Alicante dürfte das bekannteste sichtbare Merkmal der spanischen Bad Bank Sareb sein. Das 47 Stockwerke hohe futuristische Gebäude steht symbolisch für die spanische Immobilienkrise. Es war 2007 mitten im Boom geplant worden und sollte ab Ende 2010 bezogen werden. Nach zahlreichen Planungs- und Baufehlern und aufgrund der zerplatzenden Immobilienblase ist Intempo bis heute nicht ganz fertig – und steht leer. Der Bauträger ist pleite, das Gebäude fiel an die sogenannte Sociedad de Gestión de Activos Procedentes de la Reestructuración Bancaria, kurz Sareb, wie auch viele Immobilien auf Mallorca.

Dabei handelt es sich um eine Auffanggesellschaft, wie sie in zahlreichen europäischen Ländern nach Ausbruch der Finanzkrise geschaffen wurde. Die Sareb wurde 2012 auf Druck der Troika aus EU, IMF und EZB gegründet. Diese hatte eine Bad Bank zur Bedingung für eine Zahlung von 100 Milliarden Euro aus dem Rettungsschirm an Spanien gemacht. Sieben Banken wurden damit vor der Insolvenz gerettet, da­runter auch die mallorquinische Sparkasse Sa Nostra, die inzwischen mit zwei weiteren Instituten zur BMN fusioniert ist. Die übrigen Finanzinstitute wurden aufgefordert, sich an der Sareb zu beteiligen und so ihrer Mitverantwortung an der spanischen Immobilienkrise Rechnung zu tragen. Anteilseigner ist unter anderem auch die Deutsche Bank, die 0,3 Prozent der Sareb hält.

Das Ziel ist bei allen Bad Banks gleich: toxische Kredite und Schrottimmobilien aus den Bilanzen der Banken herausnehmen und unter einem Dach zusammenführen, um zu retten, was noch zu retten ist. Allein auf Mallorca hat die Sareb mehrere Hundert Objekte in ihrem Port­folio, die meisten eher in die Jahre gekommene Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Unter dem Motto „Tucasaatodacosta" (ein Wortspiel mit „Dein Haus direkt am Meer") wird aber auch versucht, ausgewählte Objekte an den Mann zu bringen, darunter eine Villa in Cala Vinyas für knapp 870.000 Euro – die teuerste Immobilie, die das Institut in Spanien anbietet.


Die Arbeitsweise der Sareb unterscheidet sich von der der Bad Banks in den meisten anderen Ländern. In Deutschland etwa war die HRE-Bank, die ähnliche Aufgaben hatte, eine Anstalt öffentlichen Rechts, die Bilanzsumme wurde also in die Staatsverschuldung mit eingerechnet. Die Sareb, die mit einem Kapital von 4,8 Milliarden Euro gestartet war und mehreren Banken pro­blematische Darlehen im Wert von 100 Milliarden Euro für 50 Milliarden Euro abkaufte, ist dagegen zu 55 Prozent privater Natur. Die Bilanzen der Sareb werden also nicht in die ­Staatsverschuldung mit eingerechnet – ein Trick, der die Steuerzahler hierzulande nicht über Gebühr beruhigen sollte. Dann der spanische Staat ist immerhin zu 45 Prozent beteiligt und haftet für gut zwei Milliarden Euro Kapital. Außerdem kommen die Spanier für alle Verluste auf, die die Sareb eventuell nach ihrer Abwicklung noch hinterlassen sollte.

Der Plan war, dass die Sareb, die nach 15 Jahren ihre Mission erfüllen und 2027 abgewickelt werden soll, innerhalb von wenigen Jahren in der Gewinnzone angelangt sein sollte. Doch es gibt noch immer so viele faule Kredite und mehrere Hunderttausend unverkäufliche Wohnungen in Spanien, dass dieser Zeitplan kaum einzuhalten ist.

In der Öffentlichkeit genießt die Sareb nicht unbedingt den besten Ruf: Die Bank war zwischenzeitlich in Verruf geraten, weil sie im Sektor die höchsten Gehälter zahlte und Jahr für Jahr hohe Millionenverluste einfuhr. Das Durchschnittsgehalt der Angestellten lag bei der Sareb im Jahr 2014 noch bei rund 105.000 Euro, wohingegen es bei herkömmlichen Banken nicht einmal die Hälfte war. Dazu kommt die geringe Transparenz der Einrichtung. Auch eine MZ-Mail im Zuge der Recherche blieb wochenlang unbeantwortet.

Für einen deutschen Rechtsanwalt und Bankenexperten auf Mallorca ist die Sareb dennoch keine schlechte Erfindung. „Stellen Sie sich nur mal vor, die Sa Nostra wäre vor ein paar Jahren tatsächlich pleitegegangen. Dann hätten Tausende von kleinen Leuten ihre gesamten Ersparnisse und ihre Altersvorsorge verloren." Deshalb sei es nicht ungewöhnlich, dass auch die öffentliche Hand bei Verlusten der Sareb mit zur Kasse gebeten werde. Der Anwalt zeigt sich überzeugt, dass die Sareb einen Gewinn ausweisen wird, wenn sie in elf Jahren abgewickelt wird. Überhaupt sei die Bad Bank ein wenig „aus der Schmuddelecke" herausgekommen in letzter Zeit.

Deshalb traut man sich inzwischen offenbar auch, die eigentlich festgelegten Kompetenzen klar zu überschreiten. Die Sareb ist an vielen Orten in Spanien, darunter auch in Palma, neuerdings als Bauträger unterwegs. Auf Baugrund nahe der Plaza de Toros, der der Sareb gehört und den die Bank nicht losgeworden ist, sollen nun zwei Gebäude mit
60 Eigentumswohnungen entstehen. Die Sareb hat dafür bereits Baufirmen beauftragt. Die Bauträger auf der Insel sind über diese Konkurrenz wenig begeistert. Und auch der Anwalt sagt: „Die Sareb soll eigentlich nur eine Bank sein. Mit Bauvorhaben kennt sie sich nicht aus, da kann sie auf die Schnauze fallen."

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