Fall Nóos: So nehmen Mallorca und der Rest Spaniens das Urteil auf

Reaktionen: Infantin Cristina hält an Unschuld ihres Mannes fest. Monarchie-Gegner kritisieren Urteil als "ungenügend"

17.02.2017 | 14:42
Die Richterinnen, die das Urteil sprachen.

Der Freispruch der Königsschwester Cristina und die Verurteilung ihres Ehemannes Iñaki Urdangarin sowie weiterer Angeklagter im Fall Nóos hat am Freitag (17.2.) zu teilweise heftigen Reaktionen auf Mallorca und in Spanien geführt.

Das Königshaus

Die Infantin Cristina zeigte sich "zufrieden über die Anerkennung ihrer Unschuld", erklärte ihr Anwalt Miquel Roca. In Bezug auf die Verurteilung ihres Mannes Iñaki Urdangarin sei "sie weiterhin von der Unschuld ihres Mannes überzeugt", fügte Roca hinzu. 

Die Verteidigung der Infantin Cristina begrüßte den Freispruch. Verteidiger Jaume Riutort lobte außerdem, dass das Urteil nicht im Vorfeld in die Öffentlichkeit vorgedrungen war.

Verteidiger Miquel Roca erklärte: Es ist deutlich geworden, dass die Justiz für alle gleich ist." Kritisch fügte er hinzu: "Es ist der richtige Moment dafür, dass diejenigen, die Unschuldsannahme nicht respektieren, ihre Position überdenken."

Das spanische Königshaus drückte kurz vor Bekanntgabe des Urteils "den absoluten Respekt vor der Unabhängigkeit der Justiz" aus.

Justiz

Der Anti-Korruptions-Staatsanwalt auf den Balearen, Pedro Horrach, muss nun entscheiden, ob die zu Haftstrafen verurteilten Straftäter Iñaki Urdangarin und Diego Torres unmittelbar ins Gefängnis müssen. Er werde darüber entscheiden, sobald er das Urteil gelesen habe, ließ er am Freitag verkünden. Das Urteil hat immerhin 741 Seiten. Währenddessen werde er "Vorsichtsmaßnahmen" anordnen, um eine Flucht auszuschließen. "Die hohen Strafen bedeuten das Risiko einer Flucht", erklärte er.

Urdangarins Verteidiger, Mario Pascual Vives, stritt eine Fluchtgefahr seines Mandanten ab. Er sehe keinen ausreichenden Grund für einen sofortigen Haftantritt. 

Politik

"Matas wird in die dunkle Kriminalgeschichte des Landes eingehen." So äußerte sich äußerte sich Juan Pedro Yllanes, spanischer Abgeordneter der Linkspartei Podemos, und ehemaliger Richter, der ursprünglich dem Fall Nóos vorstehen sollte, in Bezug auf die Verurteilung des ehemaligen balearischen Ministerpräsidenten Jaume Matas (PP) zu drei Jahren und acht Monaten Gefängnis. Matas ist noch wegen weiterer Korruptionsskandale auf Mallorca und Spanien beschuldigt, angeklagt oder verurteilt worden.

Zu den weiteren Urteilen kommentierte Yllanes: "Die Einstimmigkeit der drei Richterinnen zeigt die Sichhaltigkeit des Urteil an. Der Freispruch der Infantin und die Verurteilung von Iñaki Urdangarin, Diego Torres und Jaume Matas waren vorhersehbar. Ich weiß nicht, ob sich mit mir als Richter daran etwas geändert hätte. Ich habe den Fall nicht so ausführlich studiert wie das Gericht."

Die erste Reaktion der konservativen Regierungspartei Partido Popular (PP) war etwas kryptisch. Der PP-Sprecher im spanischen Kongress, Rafael Hernando, bezeichnete die Strafen als "ausreichend hart", damit sich "niemand Sorgen machen muss". 

Für die sozialistische Opposition (PSOE) äußerte sich der ehemalige Minister und aktuelle EU-Abgeordnete Ramón Jáuregui: Seine Partei werde das Urteil respektieren und halte es für "vorbildlich" und einen Beweis dafür, dass die spanische Justiz "sehr gut funktioniere".

Alberto Garzón, Vorsitzender der Vereinigten Linken (IU): "Der Absolutismus ist zwar vorbei, aber sie haben immer noch Verbindungen zum Himmel." (El absolutismo ha pasado, pero siguen conectados con algo divino.") 

Eine klar ablehnende Haltung zum Urteil äußerte die katalanische Partei Esquerra Republicana (ERC). Deren Fraktionssprecher im spanischen Parlament, Joan Tardá, fragte sich, in wie vielen Korruptionsfälle das Königshaus noch freigesprochen werde. Die ERC tritt für die Abschaffung der Monarchie ein.

Auch die Podemos-Abgeordnete Gloria Elizo kritisierte das Urteil als "politisch unzureichend".

Meldung wird im Laufe des Freitags (17.2.) fortlaufend aktualisiert.  /tg

Chronik: der Skandal um die Königsschwester, der Spanien bewegt

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