Mallorca auf der ITB Berlin: Nebensaison ohne Wenn und Aber

Es geht nachhaltig zu auf dem Balearen-Stand. Keine Rekordsaison erwartet. Die Konkurrenz setzt auf Kampfpreise

09.03.2017 | 11:02
Fotogalerie: Statt für Sonne und Strand sollen die Urlauber Mallorca für Natur und Kultur lieben.

Die Balearen haben sich richtig Mühe gegeben. Das fällt sofort auf, wenn man den Stand der Inseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera auf der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin betritt. Nach mageren Jahren wurde geklotzt statt gekleckert. Das etwa 10 mal 15 Meter große Quadrat im Zentrum der Spanien-Halle spiegelt den Schwerpunkt des Insel-Marketings auf der ITB in diesem Jahr wider: Die Nebensaison steht im Fokus, ohne Wenn und Aber. Die Balearen umwerben Aktiv-, Natur-, und Kulturtouristen. Das Dach des Pavillons besteht aus Korbflechten, aus Pappe kreierte Bäume stehen an den Eingängen, es wurde Parkett verlegt. In den vergangenen Jahren zeigten Fotos und Videos in erster Linie Meer und Sonne.

Und wie die Zahlen zeigen, funktioniert die Belebung der Nebensaison inzwischen. 30 Prozent mehr deutsche Urlauber im Frühjahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr hat das Tourismusministerium registriert, vor allem dank einer besseren Vermarktung des Kultur- und Sporttourismus, wie es heißt. Dass sich in der Nebensaison etwas tut, nehmen auch die Konkurrenzdestinationen zur Kenntnis. Die Sprecherin des Tourismusministeriums, Alexandra Wilms, erklärt an diesem Mittwoch (8.3.) vor den Kameras eines kroatischen Senders, wie es zu dem Buchungsplus auf den Inseln im Winter und Frühjahr kam. Kroatien würde da gerne nachziehen.

Dass durch die stärkere Nachfrage in der Nebensaison die Urlauberzahl im Sommer sogar ein wenig zurückgehen könnte, kommt Tourismusminister Biel Barceló gelegen, wie er am Rande der Messe sagt. Schließlich wolle man die Urlauberströme besser verteilen und so die Inseln nachhaltiger zu machen.

Dementsprechend gut gelaunt sind denn auch die politischen Schwergewichte der Balearen, die die große Delegation in Berlin anführen. Von Ministerpräsidentin Francina Armengol über Vize Barceló bis hin zu Inselratspräsident Miquel Ensenyat oder Palmas Bürgermeister José Hila – wieder sind sie alle auf der ITB dabei.

Die Laune trübt eigentlich nur der spanische Tourismusminister Álvaro Nadal, der so gar nicht auf der Linie von Armengol und Barceló ist. In einem Zwei-Minuten-Gespräch hatte der Minister aus Madrid wenig Interesse gezeigt, der balearischen Linksregierung bei der geplanten Regulierung der Ferienvermietung gesetzlich beizustehen. Das Thema müssten die Inseln vor Ort in den Griff bekommen.

Niedrigpreise bei Konkurrenz

Gesprächsthema von Hoteliers und Reiseveranstaltern ist zudem der Preiskampf, den sich zurzeit türkische, tunesische und ägyptische Hoteliers liefern – und der an Mallorca nicht spurlos vorübergeht. Die Häuser in den von Krisen und Anschlägen gebeutelten Regionen gehen ohnehin schon mit Preisen in die Saison, von denen sich Mallorca inzwischen meilenweit entfernt hat. Und teilweise gibt es dann noch einmal 50 Prozent Rabatt. Dem entgegen steht eine Politik der generellen Preissteigerung auf den Balearen.

„Wir haben Millionen investiert, die müssen ja auch irgendwo wieder hereinkommen", argumentiert Iberostar-Verkaufsdirektor Xisco Martínez im Gespräch mit der MZ. Allein auf Mallorca habe man in diesem Winter 140 Millionen Euro in die Hand genommen, um Hotels aufzustocken und die Zahl der Sterne zu erhöhen.

Sabine Bartsch, zuständig für Qualitätsmanagement bei Tui, beklagt gegenüber der MZ, dass die Hotels auf Mallorca im Vergleich zu den Wettbewerbern etwa in Griechenland oder der Türkei Nachholbedarf beim Service hätten. „Die Investitionen in die Häuser sind ja gut und schön, aber es muss auch in die Mitarbeiter investiert werden." Schulungen seien eher noch die Ausnahme. „Und da fragen sich die Leute schon: Warum soll ich auf Mallorca so viel mehr zahlen, wenn man mich nicht besser oder sogar schlechter bedient als in Griechenland."

Die Konkurrenz aus dem östlichen Mittelmeer ist dieses Jahr auf jeden Fall stärker als im vergangenen Sommer, das ist deutlich auf der ITB zu spüren. Und Martínez ist sich jetzt schon sicher: „Auf Mallorca wird es keinen neuen Rekordsommer geben." Mit dieser Einschätzung steht er in Berlin bei weitem nicht alleine da.

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