So funktioniert die weltweit größte Bettenbank auf Mallorca

Ein zentrales Rad des weltweiten Geschäftes dreht sich beim Untrernehmen Hotelbeds in Palma

20.03.2017 | 01:00
Charakteristisches Rund: der Firmensitz der Hotelbeds-Gruppe neben dem Flughafen Son Sant Joan.

Dass es sich bei der Hotelbeds Group um einen der größten Arbeitgeber auf den Balearen handelt, stellt man spätestens dann fest, wenn man auf dem Unternehmens-Parkplatz neben dem Flughafen Son Sant Joan eine Lücke sucht: Autos von Mitarbeitern, so weit das Auge reicht. Über 6.000 Menschen arbeiten weltweit für den Reiseriesen, mehr als 1.600 sind es hier in Palma, dem Hauptsitz des auf allen Kontinenten agierenden Global Players.

Damit ist die Hotelbeds Group nach eigenen Angaben hinter einem anderen Tourismus-Konzern, Globalia, auf Mallorca der zweitgrößte Arbeitgeber, sowohl was Mitarbeiterzahl als auch Geschäftsvolumen betrifft. Weltweit hat die Holding im Geschäftsjahr 2014/15 – aktuellere Zahlen gibt es noch nicht – einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro gemacht. Auch andere Zahlen sind beeindruckend: In der Datenbank stehen 27 Millionen Übernachtungsmöglichkeiten („Betten") zur Buchung bereit, in 120.000 Hotels in 185 Ländern. Die Plattform des Unternehmens erlaubt täglich 430 Millionen Buchungsanfragen.

Geschäft zwischen Businesskunden

Wer am Computer sitzt oder am Handy ein Hotel irgendwo auf der Welt reservieren will, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Bettenbank von Hotelbeds oder einer von über zehn zur Holding gehörenden Firmen in Berührung kommen – allerdings bekommt er das normalerweise nicht mit. Denn fast das gesamte Geschäft läuft B2B ab, also „Business to Business" zwischen Hoteliers, Reisever­anstaltern und Reisebüros. Unternehmen wie Hotelbeds stellen die Infrastruktur und vermitteln zwischen Angebot und Nachfrage.

Die Hoteliers übermitteln per sogenannter XML-Verbindung ständig aktualisiert ihre Kontingente an die Hotelbeds-Plattform, die Reiseveranstalter und Agenturen kaufen die Betten für ihre Pauschalreisen auf. Das ist das Hauptgeschäft. Daneben verkauft Hotelbeds aber auch Ausflüge, Serviceleistungen für Kreuzfahrt­anbieter, Mietwagen, Transfers oder Tickets für Veranstaltungen, wie etwa den Cirque du Soleil oder Spiele des FC Barcelona. Das Geschäftsmodell ist heute aus dem Tourismus nicht mehr wegzudenken. 2001, als Hotelbeds an den Start ging, war es dagegen noch hoch innovativ.

Die Hoteliers bezahlen der Plattform zumeist in Form von Provisionen, allerdings gibt es speziell bei der Bettenbank auch ein anderes Modell. Dabei verkauft der Hotelier Teile oder das gesamte Kontingent für einen ermäßigten Preis an Hotelbeds. Das Unternehmen übernimmt dann – je nach Modell – die Garantie, dass bis zu 100 Prozent der Zimmer auch tatsächlich belegt sein werden. Vor allem für kleinere Hotels ist das eine Alternative, auch wenn sie von Hotelbeds spürbar weniger Geld pro gebuchtem Zimmer bekommen, als wenn der Gast direkt auf der Seite des Hotels bucht.

Ruhige Atmosphäre in dunkler Umgebung

Eine Sprecherin der Konzernkommunikation nimmt uns auf einen Rundgang durch das charakteristische Gebäude mit. Es setzt sich aus zwei kreisrunden schwarzen Türmen zusammen, die wie Räder wirken. Im Inneren geht es auffallend ruhig zu. Obwohl sich auf allen fünf Stockwerken Großraumbüros verteilen, ist kaum eine Stimme zu hören. Hotelbeds ist hier seit 2007 untergebracht, nachdem der Firmensitz in der Altstadt von Palma zu klein geworden war. Das Gebäude gehört eigentlich der mallorquinischen Sparkasse Sa Nostra - heute Teil der Banken-Gruppe BMN -, die es an Hotelbeds vermietet.

Etwas lebhafter wird es dann im Callcenter, wo rund 150 Mitarbeiter die Anrufe von Kunden aus aller Welt auf rund 20 Sprachen entgegennehmen. Auf einem Bildschirm wird ständig angezeigt, wie schnell die Mitarbeiter die Anfragen entgegennehmen und lösen. Wie um keine falschen Eindrücke aufkommen zu lassen, sagt die Sprecherin, man lege bei Hotelbeds viel Wert auf projektbezogenes Arbeiten. Auf jeder Etage sind mehrere Ecken für kurze Meetings eingerichtet.

Die Wände bestehen aus lila Kunststoffverkleidungen und erscheinen zusammen mit dem grau-schwarzen Teppichboden des Interieurs doch ein wenig trist. „Das Lila ist ein Überbleibsel der Unternehmensfarbe von First Choice Holidays, dem Vorbesitzer von Hotelbeds", sagt die Sprecherin.

Schon mehrere Fusionen hinter sich

In seiner vergleichsweise kurzen Geschichte hat der aus der Barceló Travel Group entsprungene Konzern schon einige Male den Besitzer gewechselt. Die mallorquinische Hotelkette verkaufte ihre Travel Division 2001 an den britischen Reiseveranstalter First Choice Holidays, der den Ableger Hotelbeds gründete. Der britische Reiseveranstalter fusionierte dann 2007 mit der Tui AG zur Tui Travel PLC, die mittlerweile in der Tui AG aufgegangen ist.
Die letzte Transaktion ist noch keine sechs Monate her. Anfang September verkaufte Tui die Hotelbeds-Gruppe an eine Investorengemeinschaft aus dem Private-Equity-Fonds Cinven Capital Management und der kanadischen Pensionskasse CPPIB, die insgesamt fast 1,2 Milliarden Euro lockermachten.

Befürchtungen, dass jetzt Stellen abgebaut werden, werden von Unternehmensseite dementiert. Man habe mit Cinven einen zuverlässigen Partner, heißt es bei Hotelbeds. Der Fonds ist allerdings auch dafür bekannt, dass er mit harten Bandagen kämpft, um Gewinnziele zu erreichen. 2005 hatte Cinven das spanische Flug­reservierungsystem Amadeus erworben, um es dann zunächst 2010 an die Börse zu bringen und sich 2011 von allen verbliebenen Anteilen zu trennen. Dafür strich man acht Milliarden Euro ein, ein Gewinn von knapp 100 Prozent. Cinven wickelte den Deal über eine neu gegründete Gesellschaft in Luxemburg ab und schleuste damit Millionen an Steuern am spanischen Fiskus vorbei. Das Geschäft an sich gilt allerdings in Spanien als eine beispìelhaft erfolgreiche Firmenübernahme.

Und so setzt Hotelbeds auch in Zukunft auf Wachstum. „Zwischen 20 und 30 Prozent im Jahr" sollen es sein, sagt Geschäftsführer Carlos Muñoz. Ein wichtiger Baustein für dieses Wachstum sind der asiatische und der amerikanische Markt. In Asien hat Hotelbeds inzwischen mehrere große Firmensitze in Betrieb genommen. Und die USA sollen mit dem Kauf des Konkurrenten Tourico Holidays Mitte Februar erobert werden. Das Unternehmen aus Orlando hat 800 Mitarbeiter. Gute Aussichten also, von Mallorca aus die Vormachtstellung in der Bettenbank auszubauen.

Immer Mitarbeiter gesucht

Dafür sucht Hotelbeds quasi ständig neue Mitarbeiter jeglicher Nationalität. Derzeit arbeiten beispielsweise 40 Deutsche im Firmensitz in Palma. Verkehrssprache ist Englisch, Spanisch wird nicht zwingend verlangt, wobei Bewerber mit guten Spanischkenntnissen größere Chancen haben. Das Arbeitsklima bei Hotelbeds scheint, wenn man nach dem Bewertungsportal glassdoor.de geht, angenehm zu sein. Die Mitarbeiter, die sich dort zu
ihrem Arbeitgeber äußern, betonen vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl der Angestellten und die interessante Tätigkeit. Dafür seien die Aufstiegsmöglichkeiten minimal. Damit stimmen sie mit einem Deutschen überein, der mehrere Jahre dort tätig war und der im Gespräch mit der MZ darüber hinaus die guten innerbetrieblichen Fortbildungsmöglichkeiten lobt. Negativ seien dagegen die schlechte Bezahlung und das hohe Arbeitsvolumen.

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